„Verschwindet für immer“

Ende der Daimler AG besiegelt - mit Auswirkungen auf gesamte deutsche Autobranche

Mercedes-Stern vom Bahnhofsturm entfernt
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Der Mercedes-Stern vom Bahnhofsturm wird mit einem Kran entfernt.
  • Julian Baumann
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Die Daimler AG läutet mit einem Projekt unter dem Codenamen „Fokus“ eine vollkommen neue Ära ein.

Stuttgart - Der heutige Fahrzeugkonzern Daimler AG geht bis auf die Erfinder des Automobils Gottlieb Daimler und Carl Benz zurück und zählt zu den bekanntesten Autobauern der Welt. Unter einem Dach vereint der heutige Konzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart die Tochter-Unternehmen Mercedes-Benz, das Autos und Vans produziert, sowie die Daimler Truck AG für schwere Nutzfahrzeuge wie Lastwagen und Busse. Das Projekt mit dem Codenamen „Fokus“ leitet nun nicht nur das Ende der heutigen Daimler AG, sondern auch einen gewaltigen Umschwung in der deutschen Autobranche ein.

Neben dem VW-Konzern und BMW aus München gilt die Daimler AG als absolute Speerspitze der deutschen Autoindustrie. Zu Beginn des Jahres kündigte der schwäbische Autobauer eine Änderung an, die ein großes Medienecho nach sich zog. Aus dem weltbekannten Autokonzern mit dem Stern sollen künftig zwei eigenständige Unternehmen werden. Als Mercedes-Benz AG bleibt die bisherige Auto-Sparte in Stuttgart, die Truck-Sparte verlegt ihren Sitz als Daimler Truck AG in den Kreis Esslingen. Damit verschwindet der Name „Daimler“ aus der Landeshauptstadt. Im Rahmen des Mega-Projektes mit dem Codenamen „Fokus“ setzte die Daimler AG eine außerordentliche Hauptversammlung an.

Daimler AG: „Wirklich historischer Tag“ - Sondersitzung zum Projekt „Fokus“

Im Jahr 1998 schloss sich die damalige Daimler-Benz AG mit der amerikanischen Chrysler Corporation zur DaimlerChrysler AG zusammen. Der damalige CEO der Stuttgarter, Jürgen Schrempp, bezeichnete die Fusion als „Hochzeit im Himmel“. Seit 2007 hat der Autokonzern den heutigen Namen Daimler AG, den Name „Daimler“ hatte das Unternehmen für rund 14 Millionen Euro von der Ford Motor Company erworben. Nun ist jedoch auch das Ende des Dachkonzerns gekommen. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende, Dieter Zetsche, sagte bereits im Jahr 2019: „Es ist kein Naturgesetz, dass Daimler ewig besteht“, berichtet die Deutsche Presseagentur (dpa).

Das Mega-Projekt mit dem Codenamen „Fokus“ ist für die Daimler AG demnach ein gewaltiger Schritt. Der Konzern verkaufte den Namen „Daimler“ für rund 10 Millionen Euro, den legendären Mercedes-Stern werden jedoch beide Unternehmen auch künftig tragen. Bereits im Vorfeld der angesetzten außerordentlichen Hauptversammlung sprach Truck-Chef Martin Daum von einem „wirklich historischen Tag“ für den Autobauer. Bei der Sondersitzung, die Online stattfand, sollten die Aktionäre der Spaltung des Konzerns zustimmen. Das taten sie auch.

Daimler AG: Spaltung des Traditionskonzerns als Ende einer Ära

Die angekündigte Spaltung der Daimler AG hat durch die lange Tradition und die Geschichte, die bis ins 19. Jahrhundert reich, auch einen großen symbolischen Wert. Auch nach über 100 Jahren der Autoproduktion und unzähligen neuen Modellen lautet die Devise des schwäbischen Traditionskonzerns noch immer: „Wir haben das Automobil erfunden.“ Durch den Fokus auf die E-Mobilität muss sich Daimler, wie auch die anderen deutschen Autobauer, zwar mit neuen Konkurrenten wie Tesla messen, der Mercedes-Stern steht jedoch wie kein anderes Symbol für die deutsche Autobranche.

„Für immer verschwindet eines der erfolgreichsten, traditionsreichsten und größten deutschen Unternehmen von der Bildfläche“, schreibt Autor Willi Diez in seinem noch unveröffentlichten Buch über die Spaltung der Daimler AG. Im Kern geht beim Projekt „Fokus“ darum, die Truck-Sparte aus dem Konzern auszulagern und eigenständig an die Börse zu bringen. Die Aktien sollen laut der dpa bereits vor Weihnachten an der Börse notiert werden. Für die Anteilseigner soll die Spaltung einen Mehrwert bieten, es geht insgesamt um sehr viel Geld.

Daimler AG-Spaltung: Zustimmung der Aktionäre sicher - Druck auf die Truck-Sparte steigt

Es bestand im Vorfeld wenig Zweifel, dass sie Aktionäre der Spaltung der Daimler zustimmen würden. Die Auto-Sparte ist mit Modellen von Mercedes-Benz wie der S-Klasse, dem elektrischen Pendant EQS oder der meistverkauften Modellreihe E-Klasse weltbekannt, während die Truck Sparte eher ein Schattendasein fristet. Die Lkw-Sparte gilt mit rund 100.000 Mitarbeitern zwar als Weltmarktführer bei den Nutzfahrzeugen. Die Aktionäre werden jedoch darauf drängen, dass die Daimler Truck AG als eigenständiges Unternehmen künftig mehr Gewinn erzielen wird.

Nach der Spaltung der Daimler AG in die Mercedes-Benz AG und die Daimler Truck AG rechnen Experten damit, dass die beiden getrennten Unternehmen mehr wert sein werden, als der heutige Konzern. Dennoch bleibt die Sorge vor einer möglichen Übernahme der prestigeträchtigen Auto-Sparte. Eigenständig sei das Unternehmen dafür deutlich anfälliger, sagen Kritiker. Die Aussicht auf eine Fusion mit Tesla machte Mitarbeitern bereits Angst.

Ein Autoexperte vermutete dagegen, BMW könnte mit Mercedes fusionieren. Daimler Chef Ola Källenius ist jedoch anderer Meinung. Laut dem Daimler-CEO soll die Spaltung „vor feindlichen Übernahmen schützen“.

Die Spaltung der Daimler AG wurde von den Aktionären des Konzerns abgesegnet. Damit wird das heutige Unternehmen in dieser Form im kommenden Jahr nicht mehr existieren. Der Mercedes-Stern, der als Symbol auch unzählige Gebäude in Stuttgart ziert, wird jedoch nicht verschwinden. Beide Unternehmen sollen das Symbol künftig tragen. Laut der dpa lautet die Botschaft des schwäbischen Autobauers an die Aktionäre: „Der Stern ist ein Versprechen.“

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