Absicherung für Stromoffensive

Daimler schließt Mega-Deal für E-Autos - „überlegene Technologie“

Ein Modell des Daimler EQS.
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Die Daimler AG schließt einen Mega-Deal für die Fertigung von Batteriezellen ab. Das soll die Stromoffensive der Schwaben absichern.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Die Daimler AG will in Zukunft nur noch E-Autos bauen. Ein neuer Mega-Deal mit einem Zellkonsortium soll die Stromoffensive des Stuttgarter Autobauers absichern.

Stuttgart - Bei der Daimler AG liegt der Fokus auf Elektro. Im Frühjahr stellte der Autokonzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart mit der elektrischen S-Klasse EQS das Flaggschiff für die E-Auto-Offensive vor. Dem Aushängeschild sollen viele weitere Modelle der Reihe EQ folgen. Ein erster Vorgeschmack bot Daimler auf der IAA in München mit der Vorstellung der Business-Limousine EQE. Dennoch ist der elektrische Fuhrpark von Mercedes-Benz aktuell noch sehr überschaubar und der Konzern baut noch immer hauptsächlich altbewährte Verbrenner-Modelle wie die berühmte S-Klasse.

Das soll sich jedoch in den kommenden Jahren drastisch ändern. Die Daimler AG beschleunigte ihre E-Auto-Strategie kürzlich nochmal deutlich und will ab 2030 nur noch batteriebetriebene Fahrzeuge bauen. Ab 2025 sollen zudem bereits alle Modelle von Mercedes-Benz auch in einer vollelektrischen Version verfügbar sein. Für diesen engagierten Plan benötigen die Schwaben jedoch eine große Anzahl an leistungsfähigen Batterien. Zu diesem Zweck sicherte sich die Daimler AG nun einen Mega-Deal mit einem Zellkonsortium, berichtet das Handelsblatt. Der Autobauer kauft ein Drittel der Anteile der Batteriezellfirma Automotive Cells Company (ACC) von den Unternehmen Stellantis und Total.

Daimler AG, Stellantis und Total wollen „europäischen Batterie-Champion mit globalen Ambitionen“ formen

Zu Beginn der E-Auto-Ära sträubte sich die Daimler AG davor, eigene Batteriezellen für die Modelle herzustellen und setzte lieber auf Zulieferer. Die meisten Lieferanten von solchen Batterien stammen aus dem asiatischen Raum, beliefern jedoch alle Autobauer weltweit. Mit dem zunehmenden Fokus auf die E-Autos in der globalen Autoindustrie wird die Nachfrage nach Batteriezellen immer größer. Daimler drohe ein Engpass bei Batterien bis 2030, warnte ein Autoexperte vor wenigen Wochen.

Inzwischen hat sich die Daimler AG nach langem Zögern doch entschieden, selbst Batteriezellen für die E-Auto-Strategie zu produzieren. Zu diesem Zweck plant Daimler 8 Gigafabriken für die Fertigung von Batteriezellen weltweit. Der Mega-Deal mit ACC könnte dieses Vorhaben nun deutlich beschleunigen. Für eine Summe im mittleren dreistelligen Millionenbereich übernahm die Daimler AG ein Drittel der Anteile an dem Unternehmen, die anderen beiden werden weiterhin von Opel-Mutterkonzern Stellantis und dem Mineralölunternehmen Total gehalten. Das gemeinsame Ziel laute, aus ACC einen „europäischen Batterie-Champion mit globalen Ambitionen“ zu formen, schreibt das Handelsblatt.

Daimler AG: Förderung der Batteriezellproduktion auch durch Steuergelder aus Deutschland geplant

Mit dem Einstieg in das Batteriezellunternehmen ACC nimmt die Daimler AG gegen eines der größten Probleme der E-Auto-Strategie den Kampf auf. Da die Batterieproduzenten bislang vor allem aus China und anderen asiatischen Ländern stammen, droht eine Abhängigkeit von diesen Märkten. ACC will dagegen bis Ende des Jahrzehnts selbst eine Kapazität zur Produktion von Hochleistungszellen von mindesten 120 Gigawattstunden erreichen. Dafür sollen insgesamt sieben Milliarden Euro in die gemeinsame Firma gepumpt werden, berichtet das Handelsblatt. Ein Anteil von 1,3 Milliarden stammt wohl auch von deutschen und französischen Steuerzahlern.

Wie viel von dem angestrebten Volumen an Hochleistungsbatterien letztendlich in den E-Auto-Modellen der Daimler AG zum Einsatz kommt, teilte der Konzern laut dem Handelsblatt zunächst nicht mit. Daimler-Chef Ola Källenius sagte jedoch: „Durch die Partnerschaft sichern wir uns Lieferumfänge, nutzen Skaleneffekte und können unseren Kundinnen und Kunden überlegene Batterietechnologie bieten.“ Bereits im Sommer kündigte Daimler an, mithilfe eines zunächst nicht bekannten Partners in die Zellproduktion einzusteigen und dafür zu sorgen, dass Europa auch im E-Auto-Zeitalter das „Zentrum der Automobilindustrie“ bleibt.

Durch den Mega-Deal mit ACC steht dieser Partner nun fest. Die Schwaben stellen als gleichberechtigter Anteilseigner neben Stellantis und Total auch zwei der sechs Aufsichtsratsmitglieder bei ACC.

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