Abkommen wird zur Bedrohung

China schließt ein mächtiges Bündnis, das bei Daimler zahlreiche Jobs vernichten könnte

  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
    schließen

Ein folgenschweres Bündnis in China könnte die Job-Sorgen von Mitarbeitern bei der Daimler AG noch steigern - dabei sind jetzt bereits Tausende Arbeitsplätze bedroht.

Stuttgart - Der verschlafene Strukturwandel hin zur E-Mobilität sowie die Abgas-Skandale und nicht zuletzt die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben der deutschen Autobranche stark zugesetzt. Weltkonzerne wie die Daimler AG reagierten: CEO Ola Källenius verordnete etwa dem Fahrzeughersteller mit Sitz in Stuttgart strenge Sparmaßnahmen, die jedoch mit einem massiven Stellenabbau verbunden sind.

Zehntausende Mitarbeiter an unzähligen Standorten des schwäbischen Autobauers bangen aufgrund dessen um ihre Jobs - so sind aktuell beispielsweise sechs deutsche Werke vom Abbau von Arbeitsplätzen bedroht. Der Vorstand der Daimler AG versucht zudem nicht nur mithilfe von Entlassungen den Sparplan radikal umzusetzen: Der Stuttgarter Fahrzeughersteller zahlt seinen Mitarbeitern bis zu sechsstellige Summen, damit sie den Konzern verlassen.

Daimler AG: Bündnis in China könnte Fahrzeughersteller in Deutschland viele Jobs kosten

Düstere Aussichten für die Daimler AG: Neues Bündnis in China könnte noch mehr Jobs kosten.

Eine weitere Entwicklung dürfte die Sorge der Mitarbeiter um ihre Jobs nun vermutlich sogar noch steigern. Denn: Ein lange unterschätzter Gegner greift die Daimler AG an - beziehungsweise die gesamte deutsche Autobranche. Dabei handelt es sich ausgerechnet um den Markt, von dessen Abnehmern der schwäbische Fahrzeughersteller wegen des boomenden Geschäfts mit Luxusautos derzeit profitiert, nämlich China.

Die Volksrepublik schloss sich jüngst mit 14 Asien-Pazifik-Staaten zur größten Freihandelszone der Welt zusammen. Das Abkommen RCEP (Regional Comprehensive Economic Partnership) erstreckt sich aus geografischer Sicht von China über Japan bis hin nach Neuseeland. Seine Mitgliedsstaaten machen laut einem Bericht des Handelsblatts in der Summe 30 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung, 30 Prozent der Weltbevölkerung und 28 Prozent des Welthandels aus. Das hat auch Folgen für Konzerne wie die Daimler AG.

„Da Japan und Südkorea Mitglied des Freihandelsabkommens sind, haben Toyota, Honda, Nissan sowie Hyundai und Kia einen wichtigen Zugang zum chinesischen Automarkt“, wird Ferdinand Dudenhöffer in einem Bericht der Welt zitiert. Der Leiter des Centers Automotive Research (CAR) fügt des Weiteren an, dass auch wichtige Zulieferer wie Denso oder die Batteriehersteller Panasonic und Samsung den chinesischen Markt in Zukunft noch leichter beliefern könnten. Soll heißen: Viele Konkurrenten der Daimler AG profitieren von dem neuen asiatisch-pazifischen Bündnis.

Freihandelsabkommen RCEP macht Druck auf Daimler AG und deutsche Autobranche

Die deutsche Autobranche rund um die Daimler AG gerät durch das neue Freihandelsabkommen dagegen in große Bedrängnis. Grund dafür ist, dass der RCEP-Raum einen enormen Anteil des weltweiten Automarkts ausmacht. Laut Welt, die sich auf das CAR-Institut beruft, sollen dort dieses Jahr 27,6 Millionen Neuwagen verkauft werden - das sind etwa 42,7 Prozent des Weltmarktes. Fast die Hälfte davon macht allein bereits China mit einem Absatz von 20,2 Millionen Fahrzeugen aus.

Insbesondere Luxus-Autos wie die S-Klasse der Daimler AG, von der erst kürzlich das Nachfolgemodell vorgestellt wurde, verkaufen sich dort gut. Dabei handelt es sich jedoch nur um eine Momentaufnahme, denn Ferdinand Dudenhöffer prophezeit in dem Bericht der Welt, dass sich der Anteil der RCEP-Region am Weltmarkt bis 2030 weiter erhöhen werde. 2040 könnte seiner Ansicht nach jedes zweite weltweit verkaufte Auto einen neuen Besitzer innerhalb der asiatisch-pazifischen Freihandelszone finden. Das zeige, wie „industriepolitisch naiv“ Europa und Deutschland „am Weltmarkt agieren“, so der Leiter des CAR-Instituts.

Um aus dieser Entwicklung nicht nachhaltig als Verlierer hervorzugehen, haben Fahrzeughersteller wie die Daimler AG laut Ferdinand Dudenhöffer nur eine Chance - die jedoch für viele Mitarbeiter an deutschen und europäischen Standorten mit verhängnisvollen Folgen verbunden wäre: „Ein Ausweg kann nur sein, noch stärker in Asien Produktionen aufzubauen.“ So könne es etwa bei Einfuhrzöllen und Produktvorschriften im RECP-Raum sinnvoll sein, die Produktionslinien verlegen. Das Problem: „Damit wird der deutsche Automobilstandort geschwächt.“

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa/Archivbild

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare