Hauptversammlung der Daimler AG

Trotz 700 Millionen Euro Staatshilfen: Daimler erhöht Dividenden für Aktionäre massiv

 Im Werk Rastatt der Daimler AG wird an einer Mercedes-Benz A-Klasse der Mercedesstern angebracht.
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Viele Mitarbeiter der Daimler AG fürchten den Jobverlust.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Am heutigen Mittwoch findet die Hauptversammlung der Daimler AG statt. Obwohl der Autobauer Corona-Hilfen in Millionenhöhe in Anspruch nahm, sollen nun enorme Dividenden an die Aktionäre ausgeschüttet werden.

Stuttgart - Es ist ein bedeutender Tag für den Stuttgarter Autobauer: CEO Ola Källenius tritt am heutigen Mittwoch bei der Hauptversammlung der Daimler AG virtuell vor die Aktionäre. Der Daimler-Chef hat für die Investoren gute Nachrichten zu verkünden, diese haben jedoch einen bitteren Beigeschmack. Im vergangenen Jahr hatte die Daimler AG massiv unter den Folgen der Corona-Pandemie zu leiden. Für mehrere Wochen stand die Produktion in zahlreichen Werken des Autobauers still. Der Umsatz brach drastisch ein und Tausende Mitarbeiter wurden in die Kurzarbeit geschickt oder verloren sogar ihre Anstellung vollständig.

Trotz der massiven Schwierigkeiten nahm die Daimler AG im vergangenen Jahr letztendlich einen Milliardengewinn ein und will 1,4 Milliarden Euro an die Aktionäre ausschütten. Das führte bereits im Vorfeld der Jahreshauptversammlung zu deutlicher Kritik an dem schwäbischen Autobauer. Grund dafür war vor allem, dass Daimler früh in der Pandemie Hilfen des Staates gefordert hatte. Unter anderem kassierte der Autobauer rund 700 Millionen Euro für die Kurzarbeit, wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet.

Daimler AG: Dividendenausschüttung trotz Corona-Hilfen

Für die Mitarbeiter der Daimler AG war das vergangene Krisenjahr ganz besonders kritisch. Die jährlichen Sonderzahlungen wurden nahezu vollständig gestrichen, die Mitarbeiter erhielten jedoch eine einmalige Corona-Prämie von 1.000 Euro. Der letztendliche Milliardengewinn des Autobauers basiert jedoch auf Einsparungen der Personalkosten um rund 700 Millionen Euro und dem deutlichen Absatzaufschwung auf dem chinesischen Markt im letzten Quartal 2020. Daneben profitierte der schwäbische Konzern auch von Kaufprämien, beispielsweise für E-Autos. Die Bewegung „Finanzwende“ schickte bereits vor einigen Tagen einen offenen Brief an Konzernchef Källenius und forderte, die Bundesregierung solle den Autobauer stoppen.

Trotz der massiven Kritik an der Ausschüttung der Dividenden hält die Daimler AG wohl an dem Vorhaben fest. Das geht zumindest aus dem Vorschlag des Vorstands zur Verwendung des Milliardengewinns hervor. „Der Vorstand wird der ordentlichen Hauptversammlung 2021 vorschlagen, den Bilanzgewinn von 1.444.280.553,45 Euro wie folgt zu verwenden: Ausschüttung einer Dividende von 1,35 Euro je dividendenberechtigter Stückaktie“, heißt es darin. Das würde eine um 50 Prozent ansteigende Dividende im Vergleich zum Jahr 2019 bedeuten. Angesichts der Mehrheitsverhältnisse unter den Anteilseignern der Daimler AG dürfte der Vorschlag am heutigen Mittwoch durchgehen, berichtet die dpa.

Daimler AG-Hauptversammlung: Dividendenausschüttung laut Kritikern „moralisch verwerflich“

Von der hohen Ausschüttung der Dividenden profitieren vor allem die Aktionäre der Daimler AG, während die Mitarbeiter weiterhin um ihre Anstellungen bangen müssen. Der größte Investor des Stuttgarter Konzerns ist der chinesische Unternehmer Li Shufu, der auch den Hauptaktionär Geely gegründet hatte. Durch den großen Einfluss Chinas wird der Daimler-Vorstand wohl kaum von den Plänen abweichen und wie geplant die hohen Dividenden ausschütten - trotz der Kritik. Im bevölkerungsreichsten Land der Welt wurden kürzlich ganze Unternehmen ausgelöscht, die Macht Chinas ist auch gefährlich für Daimler. Li Shufu hält 9,6 Prozent der Anteile an der Daimler AG, demnach gehen 140 Millionen Euro allein an ihn.

Daneben wird auch der chinesische BAIC-Konzern mit gut 70 Millionen Euro von der Ausschüttung der Daimler AG profitieren, wie die Stuttgarter Zeitung berichtet. In dem Brief an Ola Källenius schrieb die Bewegung Finanzwende bereits Tage vor der Hauptversammlung: Die „moralisch verwerfliche“ Dividende verhöhne „die Bereitschaft zur Solidarität, ohne die eine Gesellschaft eine Krise nicht gemeinsam bewältigen kann“, und weiter: „Es ist keine Dividendenzeit, Herr Källenius, es ist Lockdownzeit. Stoppen Sie die geplante Ausschüttung!“ Auch von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hatte es während des Wahlkampfes zur Landtagswahl Kritik an dem Autobauer gegeben. Sie sagte zwar, Daimler müsse das firmenintern klären, sie erhoffe sich jedoch „eine gewisse Sensibilität“.

Daimler AG: Konzernchef Källenius mit Gegenargument - „Geld der Sozialversicherung“

Während die Hauptversammlung der Daimler AG läuft, formt sich in Stuttgart und Berlin Widerstand gegen die umstrittene Ausschüttung der Dividenden. Das Bündnis Finanzwende rief an diesem Mittwoch zusammen mit Attac und dem Dachverband Kritischer Aktionäre zu Protesten in Berlin und vor dem Mercedes-Benz Global Training Center in Stuttgart-Vaihingen auf, wie die Stuttgarter Zeitung berichtet. „Das Kurzarbeitergeld ist auch aus unserer Sicht in der Krise ein ganz wichtiges Instrument, um Jobverluste zu verhindern“, sagte Finanzwende-Kampagnenchefin Lena Blanken im Gespräch mit ntv. „Aber Daimler beispielsweise könnte das doch locker zurückzahlen, bevor sie den übrigen Gewinn an die Aktionäre ausschütten.“

Der Vorstand der Daimler AG liefert jedoch ein Gegenargument. „Wir fahren seit Jahren eine klare Dividendenpolitik. Wir schütten 40 Prozent unseres Nettogewinns aus“, sagte Daimler-Chef Källenius. „Wenn wir im Hauruckverfahren entscheiden würden, dass wir die Dividendenpolitik von einem Jahr auf das andere ändern, würde das unserer Reputation schaden und somit in letzter Konsequenz die Arbeitsplätze unsicherer machen.“ Der Vorstandsvorsitzende des Autokonzerns hatte zuletzt darauf verwiesen, dass man für die Leistungen aus der Arbeitslosenkasse auch viele Jahre lang viel Geld in die Sozialversicherung eingezahlt habe.

Trotz der massiven Kritik an der Höhe der Ausschüttungen der Daimler AG, gibt es auch Stimmen, die das Argument des Konzernchefs als plausibel ansehen. „Anleger mögen keine Unsicherheit, und Verlässlichkeit wird am Kapitalmarkt honoriert“, sagte Frank Biller, Autoanalyst der LBBW laut der Stuttgarter Zeitung. „Bei einer Nettoliquidität von 18 Milliarden Euro spricht nichts gegen die Auszahlung der üblichen Dividende.“ Vor dem Einbruch der Daimler-Dividende, beispielsweise durch die Diesel-Krise, war der Wert der einzelnen Aktien noch deutlich höher. Für die laufende Hauptversammlung der Daimler AG wird sowohl der Protest, als auch die Diskussion wohl keine große Rolle spielen.

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