Halbleiter-Krise bis 2023?

Daimler: CEO sieht jahrelange Krise - Mitarbeiter müssen bis 2023 zittern

Der erstmals auf der Automesse IAA in München vorgestellte Mercedes EQE fährt auf einer Straße.
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Auf der IAA in München stellt die Daimler AG den EQE vor. Im Vorfeld machte Konzern-Chef Ola Källenius eine düstere Prognose.
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Der anhaltende Lieferengpass von Halbleiterchips macht auch der Daimler AG zu schaffen. Laut Konzern-Chef Ola Källenius ist die Krise noch lange nicht vorbei.

Stuttgart - Fehlende Bauteile, tausende nicht fertig produzierte Fahrzeuge und immer wieder gestoppte Produktionen, Kurzarbeit und geschlossene Werke. Das ist die Bilanz des Lieferengpasses von Halbleiterkomponenten, der auch der Daimler AG seit mehreren Monaten Probleme bereitet. Der Autokonzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart hat die Corona-Pandemie zwar gut überstanden und nahm im vergangenen Jahr einen Milliardengewinn ein. Eine Auswirkung der globalen Krise ist jedoch auch bei den Schwaben noch deutlich bemerkbar.

Bereits im Februar zeigte sich der mangelnde Nachschub an wichtigen Halbleiterkomponenten bei der Daimler AG. Ein Werk in Deutschland stoppte die Produktion, 100.000 Fahrzeuge konnten nicht fertiggestellt werden. Im Laufe der Monate schickte der Autobauer die Mitarbeiter mehrerer Standorte immer wieder in Kurzarbeit. Auch die Hightech-Fabrik in Sindelfingen stand nur zehn Monate nach der Eröffnung wieder still. Aktuell stellt sich allmählich eine Entspannung der Lage ein. Eine Prognose von Daimler-Chef Ola Källenius dürfte die Mitarbeiter des weltbekannten Autobauers jedoch aufhorchen lassen. Der Vorstandsvorsitzende erwartet nach eigener Aussage erst ein Ende der Chipkrise im Jahr 2023, berichtet die Deutsche Presseagentur (dpa).

Daimler AG: Fokus auf das E-Auto und die Halbleiterkrise - die Situation beim Autobauer

Erst vor wenigen Wochen stellte die Daimler AG in einer Pressekonferenz die stark beschleunigte E-Auto-Strategie vor. Demnach will der Autobauer ab 2030 ausschließlich batteriebetriebene Fahrzeuge herstellen und bereits ab 2025 sollen alle Modelle von Mercedes-Benz auch in einer vollelektrischen Version vorliegen. Mit der elektrischen Luxuslimousine EQS haben die Stuttgarter eine neue Ära eingeleitet, viele weitere Modelle sollen folgen. Laut dem Handelsblatt sind die Margen (Differenz zwischen Selbstkosten und Verkaufspreis, wird in Prozent angegeben) bei E-Autos jedoch deutlich geringer als bei Verbrenner-Modellen. Das liege vor allem an dem hohen Rohstoffverbrauch des Herzstücks der Autos: Der Batterie.

Zudem sind auch die elektrischen Modelle der Daimler AG nicht von der Halbleiterkrise ausgenommen. Die Chips werden in nahezu jedem Fahrzeug mit dem Stern verwendet, sowohl Verbrenner als auch E-Auto. Laut Ola Källenius werde die Nachfrage nach Halbleiterkomponenten auch im kommenden Jahr größer sein als die weltweite Produktionskapazität. Auch der aktuelle Corona-Lockdown in Malaysia habe die Produktion von Mercedes stark betroffen, sagte der Vorstandsvorsitzende am Sonntag vor dem Start der Automesse IAA in München. Die Chipkrise sei insgesamt jedoch ein strukturelles Problem und habe nichts mit der Pandemie zu tun, so Källenius laut der dpa.

Daimler AG: Entspannung der Chipkrise laut Källenius erst 2023

Ola Källenius geht davon aus, dass sich die Halbleiterkrise nach und nach entspannen wird. Ein baldiges Ende sieht der Konzernchef laut der dpa jedoch nicht. Eine deutliche Entspannung erwarte er erst 2023, er hoffe jedoch, dass das kommende vierte Quartal besser werde. Auch die Aktionäre des Stuttgarter Autokonzerns seien bereits darauf vorbereitet worden, dass der Absatz von Mercedes-Modellen durch die Chipkrise im vierten Quartal deutlich niedriger ausfallen werde, schreibt das Handelsblatt. Zugleich sieht der Vorstandsvorsitzende seinen Konzern jedoch in einer „glücklichen Lage.“

Das liege daran, dass sich die Daimler AG nicht auf reines Mengenwachstum, sondern auf den Luxus besinnen möchte. Die Nachfrage nach Luxusmodellen wie Limousinen und SUVs sei noch immer hoch, sagte Ola Källenius. Mercedes-Benz biete derzeit das „wahrscheinlich beste Produktportfolio, das wir je hatten“. BMW und Audi hatten den Stuttgarter Konzern im ersten Halbjahr bei den Autoverkäufen überholt. Källenius sagte jedoch, für ihn sei Gewinn wichtiger als Volumen. Mercedes-Benz wolle mit guter Technik und Ästhetik Autos zu „Premiumpreisen“ verkaufen und nicht „unten rumjagen“ und Autos ohne gute Renditen an Autovermieter verkaufen.

Daimler AG: Autokonzern rechnet trotz Problemen mit einer zweistelligen Marge

Die Daimler AG will demnach trotz anhaltender Chipkrise und der groß angelegten Umstellung auf das E-Auto weiterhin die Kosten senken. Ola Källenius sagte bereits, dass der Fokus auf E-Autos zahlreiche Jobs kosten werde, man müsse „ehrlich mit den Menschen sein.“ Eben durch die Besinnung auf das Luxussegment von Mercedes-Benz, und demnach dem Verkauf von teuren Fahrzeugen, sollen die Margen bei dem Stuttgarter Unternehmen zweistellig bleiben.

Die Rückbesinnung auf den Luxus macht sich bei der Daimler AG auch in dem wachsenden E-Auto-Segment bemerkbar. Fünf Monate nach der Weltpremiere des Flaggschiffs EQS enthüllt Mercedes-Benz auf der IAA in München mit dem EQE den kleinen Bruder des elektrischen Aushängeschildes, schreibt das Handelsblatt. „Und Sie wissen ja: Als Zweitgeborener genießt man einige Vorteile“, so Källenius im Vorfeld der Automobilmesse. Zugleich gibt es im elektrischen Mittelsegment der Schwaben jedoch einige Lücken. Ein elektrisches Pendant zum Einstiegsmodell A-Klasse wird derzeit nicht angeboten und auch die C-Klasse ist kein reines E-Auto.

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