Kooperation in China ausgebaut

„Fassungslose“ Daimler-Mitarbeiter: Um Millionen zu sparen, baut Konzern neuen Motor in China

  • Anna-Lena Schüchtle
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Die Daimler AG will einen neuen Motor in China produzieren lassen, um Millionen Euro zu sparen - Mitarbeiter in Deutschland sind entsetzt.

Stuttgart - Eigentlich hatte die Daimler AG angekündigt, sich zukünftig hauptsächlich auf E-Mobilität konzentrieren zu wollen. Die Fahrzeughersteller strebt „die führende Position“ bei Elektroantrieben und Fahrzeug-Software an. Zudem sieht Daimler-CEO Ola Källenius eine dramatische Schrumpf-Kur für den Konzern vor - dabei bangen die Mitarbeiter an vielen Standorten der Daimler AG bereits jetzt um ihre Jobs.

Umso erstaunlicher erscheint daher die jüngste Bekanntmachung des Autobauers aus Stuttgart. Denn: Zusammen mit ihrem einst erbitterten Konkurrenten Geely und heutigen Groß-Aktionär will die Daimler AG einen komplett neuen Verbrenner entwickeln. Der Fahrzeughersteller aus China hatte in diesem Jahr bereits den Zuschlag für die Produktion des vollelektrischen  Smarts bekommen, weshalb das ursprüngliche Werk im französischen Hambach zum Verkauf steht.

Daimler AG: Zusammenarbeit mit Autobauer aus China - Mitarbeiter in Sorge

Der schwäbische Autobauer sieht sich aktuell mit einer neuen Aufgabe konfrontiert, denn China schloss jüngst ein mächtiges Bündnis, das zahlreiche Jobs bei der Daimler AG vernichten könnte. Der Grund: Laut Experten müsste der Fahrzeughersteller einen großen Teil seiner Produktion nach Asien verlagern, um auf dem Weltmarkt auch weiterhin bestehen zu können. Zumindest bei der Kooperation mit Geely scheint sich diese düstere Prognose bereits zu bewahrheiten.

Der asiatisch-pazifische Markt hat mittlerweile eine große Bedeutung für die Daimler AG - vor allem das Geschäft in China boomt. Gemeinsam mit Geely will der Stuttgarter Konzern nun einen neuen Benzinmotor entwickeln, der dann auch in Fahrzeugen mit Hybridantrieben verbaut werden soll. Geplant ist jedoch, dass nicht nur in Europa, sondern auch in der Volksrepublik produziert wird.

Mitarbeiter der Daimler AG sind in Sorge um ihre Jobs - ein neuer Motor soll jetzt auch noch in China produziert werden. (Symbolbild).

Ziel des Stuttgarter Autobauers sind laut Handelsblatt Kosteneinsparungen im dreistelligen Millionenbereich. Demnach soll die Entwicklungshoheit für die Aggregate, die wohl auch mit E-Fuels oder grünem Wasserstoff betrieben werden können, weiterhin bei der Daimler AG liegen, wohingegen Geely mit seinen kostengünstigen Strukturen die Fertigung in China übernähme. Geplant ist, dass so ab 2024 Hunderttausende Motoren produziert werden.

„Fassungslose“ Mitarbeiter: Neuer Motor der Daimler AG soll auch in China produziert werden

Wie groß der chinesische Anteil der Produktion sein wird, ist bislang noch nicht bekannt. Der Betriebsrat der Daimler AG zeigt sich über die Entwicklung jedoch entsetzt und kritisiert die Pläne des Fahrzeugherstellers scharf. Auf Anfrage von Reuters erklärte der Vorsitzende Michael Häberle: „Wir sind fassungslos. Nicht einmal Diskussionen über alternative Fertigungsstandorte waren möglich. Es gab nicht einmal Gespräche dazu.“

Bei den Mitarbeitern dürften diese neuesten Pläne der Daimler AG vermutlich die Sorgen noch steigern. Dabei drohen ohnehin bereits „Massenentlassungen“. Wie das Handelsblatt aus Gewerkschaftskreisen berichtet, sorge der Pakt mit den Chinesen für Unmut - damit würden die Chancen verloren gehen, mehr Arbeitsplätze in Deutschland zu erhalten. An sechs deutschen Werken steht bereits ein massiver Abbau von Arbeitsplätzen bevor.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Marijan Murat/dpa

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