Verlagerung nach China und ins europäische Ausland

Daimler und BMW ziehen Verbrenner-Produktion aus Deutschland ab: „Mitarbeiter zittern“

Ein Daimler-Mitarbeiter mit einer Maske umfasst während der Arbeit in der Produktion den Mercedes-Stern auf einer Kühlerhaube.
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Daimler verlagert die Produktion seiner Verbrenner nach China - Mitarbeiter in Deutschland bangen um ihre Jobs.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Daimler und BMW wollen Verbrennungsmotoren zukünftig im Ausland produzieren. Für die Mitarbeiter von Daimler ist das nur eine weitere schlechte Nachricht.

Stuttgart/Düsseldorf - Die Automobilindustrie steckt im stetigen Wandel. Auch die Daimler AG positioniert sich neu: Weg vom herkömmlichen Verbrennungsmotor hin zur Elektromobilität. Da die Herstellung von Elektromotoren jedoch weniger komplex ist als die von Benzinmotoren, müssen vielerorts Stellen abgebaut werden. Die radikale Umstrukturierung führte erst kürzlich zum Verkauf eines einstigen Vorzeigewerks von Daimler - 1.600 Mitarbeiter sind betroffen.

Daimler-CEO Ola Källenius fährt derzeit einen strengen Sparkurs. Im Zuge der Umstrukturierung setzt Daimler bei seinen Verbrennerfahrzeugen nun auf die Produktion im Ausland: Ab 2024 will der Mercedes-Konzern Hunderttausende Verbrennungsmotoren gemeinsam mit dem chinesischen Autobauer Geely produzieren - in China und Europa.

Mit seinem einstigen Konkurrenten entwickelt Daimler einen völlig neuen Verbrenner. Auch BMW kündigte in der vergangenen Woche bereits den kompletten Abzug des Verbrenners aus Deutschland an. Bis 2024 sollen die Motoren für Diesel und Benzin in Großbritannien und Österreich hergestellt werden.

Geely-Kooperation in China: Daimler-Mitarbeiter bangen um ihre Jobs

Die Geely-Kooperation stößt bei Daimler-Mitarbeitern auf Unverständnis. An dem Geschäftsbereich hängen in Deutschland unzählige Jobs. Betriebsratchef Michael Brecht sagte dem Handelsblatt: „In den Werken zittern die Beschäftigten und haben Angst um ihre Zukunft.“ Im Laufe der Woche seien mehrere Protestaktionen gegen den Stellenabbau geplant - rund 170.000 Angestellte von Daimler in Deutschland wollen sich daran beteiligen. Die Angst ist nicht unbegründet: In einem Daimler-Werk in Deutschland strich der Autobauer erst im November 1.300 Mitarbeitern auf einmal den Job.

Mit der Abkehr vom zum Sterben verurteilten Verbrenner werden weniger Motoren benötigt. Durch die Verlagerung ins Ausland erhoffen sich die Autobauer vor allem Kosteneinsparungen. Für Autoforscher Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) hat die Verlagerung der Motorenproduktion auch symbolischen Charakter. „Die Autobauer signalisieren: Zukunftsthemen wie Elektromobilität gehören an den Kernstandort“, erklärte er gegenüber dem Handelsblatt.

Die Strategie von Daimler und BMW ziele darauf ab, die „Bad Bank“, also den Verbrenner, ins Ausland abzuschieben, während in Deutschland der Fokus auf die „Good Bank“ - also das zukunftsträchtige E-Auto, gelenkt wird.

Daimler und Co.: Verbrenner-Produktion wird immer mehr eingedämmt

Verbrenner werden in den nächsten Jahren viel stärker mit anderen Antrieben im Wettbewerb stehen“, betonte Bratzel. Weil immer mehr Elektro- und Hybrid-Autos den Markt beherrschen, wird die Produktion des Verbrenners mehr und mehr eingedämmt und kann dadurch immer geringere Margen abwerfen. Sogar die EU-Kommission prüft jetzt ein striktes Verbot des Verbrenners.

Deutsche Autobauer fahren aufgrund der Corona-Pandemie Milliardenverluste ein. Das Beratungsunternehmen EY glaubt, dass sich Konzerne wie die Daimler AG lange nicht von der Krise erholen werden.

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