Großteil des Absatzes in China

„Ohne China spielt Daimler keine Rolle mehr“ - Autopapst Dudenhöffer redet Klartext

Die elektrische Mercedes-S-Klasse EQS fährt auf einer Straße.
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Daimler AG: Mercedes will mit dem EQS das Luxus-Segement stärken, das in China besonders beliebt ist.
  • Berkan Cakir
    vonBerkan Cakir
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Der große Erfolg der Daimler AG beruht inzwischen auch auf dem chinesischen Markt. Viele kritisieren die wachsende Abhängigkeit. Andere sehen im Reich der Mitte die einzige Überlebenschance für den Autobauer.

Stuttgart - Die zuletzt vorgelegten Quartalszahlen der Daimler AG konnten sich durchaus sehen lassen. Rund 590.000 Autos lieferten die Daimler-Töchter Mercedes und Smart weltweit zusammen aus. Das sind fast 22 Prozent mehr als im Vorjahr für das erste Quartal. Der Großteil des Erfolgs beruht dabei auf dem mittlerweile wichtigsten Markt für den Autobauer aus der Landeshauptstadt Stuttgart: In China legte das Geschäft um ganze 60 Prozent zu. Vor allem das Geschäft mit Luxusautos boomt dort für Daimler.

Auch in Zukunft wird das Reich der Mitte für die Stuttgarter der bedeutendste Absatzmarkt bleiben. Daimler betreibt bereits jetzt gemeinsam mit dem chinesischen Partner BAIC, der zu den größten Aktionären des Konzerns gehört, zwei riesige Fabriken in Peking, wo unter anderem das zukunftsträchtige E-Modell EQC hergestellt wird. Geplant ist darüber hinaus, noch mehr Modelle in die chinesischen Produktionswerke zu verlegen.

Daimler AG: Die Verbindungen nach Fernost sehen viele Experten kritisch

Die immer stärker werdenden Verbindungen nach Fernost sehen viele Experten indes kritisch. Die Macht der chinesischen Staatsführung kann durchaus gefährlich für Daimler werden, wie Beispiele anderer Unternehmen zeigen. Erst kürzlich bekam das schwedische Unternehmen H&M den Zorn Pekings zu spüren. Weil die Modekette entschied, keine Baumwolle mehr aus der Provinz aus Xinjiang zu beziehen, solange dort Zwangsarbeiter tätig sind, wurde auf Befehl der Staatsführung das Online-Angebot von H&M aus der chinesischen Suchmaschine Baidu gelöscht.

Auch ein Boykott gegen die Sportartikelhersteller Nike und Adidas wurde von der Kommunistischen Partei angestoßen. Die Aktie des deutschen Unternehmens etwa fiel daraufhin um sechs Prozent. Das verlockende Geschäft mit China kann für westliche Unternehmen also durchaus mit Risiken verbunden sein.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch Stimmen, die sagen, dass die Abhängigkeit vom chinesischen Absatzmarkt mittlerweile so groß sei, dass es für Konzerne wie Daimler kein Zurück mehr gebe. Der Direktor der Duisburger Forschungsorganisation Center for Automotive Research, Ferdinand Dudenhöffer, legt gerade Autoherstellern nahe, die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit China noch weiter zu stärken. „Die Zukunft liegt in China“, sagt der Autoexperte gegenüber BW24.

Daimler AG: Die Existenzgrundlage liegt Experten zufolge künftig in China

Das Land sei heute schon das Technologie-Zentrum der Welt und baue die Strukturen immer weiter aus. Für deutsche Unternehmen sei es wichtig, nicht den Anschluss an den Absatzmarkt dort zu verlieren. Im Grunde, so Ferdinand Dudenhöffer, liege für die Autohersteller die künftige Existenzgrundlage in China - und nicht mehr in Europa oder USA. „Ohne China spielt Daimler im Automarkt überhaupt keine Rolle mehr, zwei Drittel des Unternehmens gäbe es ohne den Markt dort nicht mehr“, sagt Dudenhöffer.

Ganz so einfach ist es vielleicht aber doch nicht. Deutsche Unternehmen geraten im Zusammenhang mit China immer wieder auch in Deutschland in moralische Zwickmühlen. Seit langem schon prangern etwa NGOs, also gemeinnützige Organisationen, das Werk von Volkswagen in Xinjiang an. In der Provinz müssen hunderttausenden Uiguren Zwangsarbeit verrichten. Die Debatte über die Arbeitsbedingungen vor Ort setzen die deutschen Unternehmen auch hierzulande unter Druck, die Entrüstung über die nicht menschenrechtskonformen Zustände ist groß.

Daimler AG: „Win-Win-Situation“ für beide Seiten

Von Sanktionen, wie sie zuletzt die EU gegen China aufgrund der Menschenrechtsverletzungen gegen die Uiguren verhängte, hält Ferdinand Dudenhöffer aber nicht viel. „Mit Sanktionen erreichen wir nichts. An der Situation der Uiguren hat sich dadurch nichts verändert“, sagt er. Der Autoexperte unterstreicht, dass nur etwas verändert werden kann, wenn man weiterhin mit China zusammenarbeite. In diesem Zusammenhang vertraut er voll auf Unternehmen wie Daimler, die in ihren chinesischen Produktionswerken schon für angemessene Arbeitsbedingungen sorgen würden. „Das ist eine Win-Win-Situation für beide Seiten“, sagt Dudenhöffer.

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