Euro 7 setzt Autohersteller unter Druck

Plan der EU versetzt Daimler in Angst - Todesstoß für den Verbrenner droht

Vor dem Mercedes-Stern auf dem Dach des Showrooms von Daimler, weht eine Flagge, auf der ebenfalls der Mercedes-Stern abgebildet ist.
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Die Euro 7 Norm bereitet der Daimler AG wie auch anderen Autoherstellern Kopfzerbrechen.
  • Berkan Cakir
    vonBerkan Cakir
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Der Daimler AG bereitet die Abgasnorm Euro 7, die spätestens 2027 in Kraft treten soll, reichlich Kopfzerbrechen. Autofahren für Geringverdiener könnte unbezahlbar werden.

Stuttgart - Lange war befürchtet worden, dass die Euro 7 Norm das Aus für den Verbrennungsmotor bedeuten könnte. Noch vor drei Wochen verkündete der Verband der Automobilindustrie (VDA) dann die frohe Botschaft an die deutschen Autohersteller wie die Daimler AG. „Die vorgelegten Pläne für die neue Euro 7 Norm für Pkw zeigen, dass die EU-Kommission die Grenzen des technisch machbaren akzeptiert und sich von unerreichbaren Zielen verabschiedet hat“, erklärte Hildegard Müller, die Präsidentin des VDA.

Mittlerweile ist die Stimmung in der Automobilbranche wieder gekippt. Wie Business Insider berichtet, zeichnen sich die Konsequenzen der Abgasnorm, mit der gesundheitsschädliche Emissionen bei Fahrzeugen verringert werden sollen, immer konkreter ab. Demnach seien vergangene Woche in einem EU-Beratungsgremium die technischen Details der Euro 7-Regulierung diskutiert worden. Fazit: Bei den deutschen Autoherstellern wecken die Anforderungen schlimmste Befürchtungen. Auch wenn Daimler bereits angekündigt hat, den Verbrenner früher abzuschaffen als erwartet, sagt ein Daimler-Sprecher gegenüber Business Insider: „Die Einführung von EU7 darf kein Verbrenner-Verbot durch die Hintertür sein.“

Daimler AG: Die Anforderung seien technisch „nicht darstellbar“

Genau das wird nach wie vor in der Abgasnorm Euro 7 immer noch gesehen. Während die Organisation International Council on clean Transportation (ICCT) eher einen geringen Aufwand in Euro 7 für die Autohersteller sieht, rechnen Daimler, VW und Co. mit ernsthaften Folgen für die Industrie. Die Anforderungen seien „technisch aus unserer Sicht nicht darstellbar“, so ein Daimler-Sprecher gegenüber Business Insider.

Knackpunkt sind die sogenannten Realbetriebs-Messungen von Abgasen im Straßenverkehr. Alle Systeme zur Abgasnachbehandlung müssen erst auf eine bestimmte Betriebstemperatur hochfahren, bevor sie reinigen können. Sprich: In den ersten Metern nach dem Kaltstart werden weitaus mehr Abgase produziert, weil die Reinigungssysteme noch nicht voll funktionsfähig sind. Die Messung für den Zeitraum nach dem Kaltstart wurde bisher aber nicht kontrolliert - und war daher für die Zulassung weniger relevant. Mit Euro 7 soll sich das ändern.

Daimler setzt bereits jetzt auf die umstrittene Alternative

Sämtliche Situationen im Alltagsgebrauch mit dem PKW sollen sich dann in den Messungen widerspiegeln. Die Schadstoffreduktion müsste dann bereits kurz nach dem Kaltstart beginnen. „Das ist technisch unmöglich und das wissen auch alle“, sagte Hildegard Müller schon im Dezember 2020. Die Verschärfung käme demnach einem Verbot des Verbrenners gleich.

Geht es nach VW hängt viel von der Überbrückung des Zeitrahmens ab. Reiche eine milde Hybridisierung aus, um die Abgasnorm 7 zu erfüllen, wäre der finanzielle Aufwand noch angemessen. Daimler setzt bereits jetzt auf die umstrittene Alternative. „Wir befürchten aber, dass ein 48-Volt-System nicht ausreichen wird“, erklärt ein Top-Manager gegenüber Business Insider. Die „Zwangshybridisierung“ wäre dann vor allem extrem teuer, was sich vor allem bei Kleinwagen niederschlagen würde. Im VW-Umfeld ist daher von einer „drohenden Mobilitätsbremse für Geringverdiener“ die Rede. Die finale Entscheidung der EU-Kommission über die Euro 7 Norm fällt im November. Eingeführt wird die Abgasnorm frühestens 2025, spätestens 2027.

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