Stammwerk in Untertürkheim

Daimler baut 4.000 Stellen in Stuttgart ab - Mitarbeiter haben ungeheuerlichen Verdacht

  • Anna-Lena Schüchtle
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Die Daimler AG plant den Abbau von 4.000 Stellen in Stuttgart. Grund ist der Strukturwandel zur Elektromobilität. Doch die Mitarbeiter haben einen schlimmen Verdacht. 

Stuttgart - Der Autobranche in Deutschland geht es nicht gut. Auch die Daimler AG steckt nicht erst seit dem Diesel-Skandal in der Krise. Eine Krise, die sich durch das Coronavirus dramatisch verschärft hat. Vorstandvorsitzender Ola Källenius kündigte deshalb kurz nach seinem Amtsantritt vor etwa einem Jahr einen strengen Sparplan an - und einen Strategiewechsel. Zukünftig will die Daimler AG verstärkt in die Elektromobilität investieren.

Das ist jedoch nicht nur mit hohen Kosten verbunden, sondern auch mit der Gefährdung Tausender Stellen bei der Daimler AG. Der Grund: 95 Prozent der Jobs in der Autobranche hängen vom Verbrenner ab. Auch die Mitarbeiter eines der wichtigsten deutschen Standorte der Daimler AG bangen um ihre Arbeitsplätze: Das Werk in Stuttgart-Untertürkheim soll dramatisch umstrukturiert werden.

Daimler AG: 4.000 Entlassungen in Stuttgart - Mitarbeiter haben ungeheuerlichen Verdacht

Die Daimler AG plant, 4000 Mitarbeiter aus ihrem Werk in Untertürkheim zu entlassen.

Daimler will das Stammwerk in Untertürkheim massiv eindampfen - etwa 19.000 Menschen sind dort aktuell beschäftigt. Das Problem: Mehr als die Hälfte von ihnen arbeitet in der Produktion von Motoren, Getrieben und Achsen, die aufgrund des Strukturwandels in Richtung Elektromobilität immer weniger benötigt werden. Der Autokonzern plant daher die Entlassung von 4.000 Mitarbeitern bis 2025 - das wäre jeder fünfte.

Für die meisten Mitarbeiter ist das Ausmaß des Stellenabbaus jedoch nicht nachvollziehbar. Insbesondere deshalb, weil es Mercedes-Benz in den vergangenen Jahren mehr als gut ging. Die Tochter der Daimler AG verbuchte von 2010 bis 2019 ein Absatzplus von 1,3 Millionen Neuwagen auf etwa 2,4 Millionen. Wie das Handelsblatt berichtet, plante der Autokonzern bis 2025 sogar noch mit einem weiteren Anstieg auf 2,7 Millionen Einheiten.

Für die Mitarbeiter des Werks der Daimler AG unverständlich: Diese Prognosen wurden bereits gemacht, bevor das Coronavirus seine fatale Wirkung auf die Wirtschaft in Baden-Württemberg entfaltete. Viele vermuten daher, dass der Fahrzeughersteller aus der Krise bewusste einen Nutzen ziehen will. „Hier wird die aktuelle wirtschaftliche Situation ausgenutzt, um künftig andernorts billiger produzieren zu können“, sagt Michael Häberle, Betriebsratschef in Untertürkheim, gegenüber dem Handelsblatt.

Gemeint ist damit, dass Teile der Produktion von Verbrenner-Teilen der Daimler AG ins Ausland verlagert werden sollen - beispielsweise soll die Herstellung des AMG-Automatikgetriebes zukünftig nicht mehr in Stuttgart, sondern in einem Werk in Rumänien erfolgen. Eine solche Verlagerung der Verbrenner-Produktionsstandorte hält Michael Häberle jedoch für eine „Sackgasse“ - auch wenn er sich gleichzeitig nicht gegen das Vorantreiben der Elektromobilität ausspricht. Nach der geplanten Umstrukturierung soll in Untertürkheim ein sogenannter eCampus entstehen, wo etwa Batterien fertiggestellt und der elektrische Antriebsstrang produziert werden sollen.

Stammwerk in Untertürkheim: Daimler AG will 4000 Stellen streichen - Unverständnis bei Mitarbeitern

Die Sorgen jener Mitarbeiter, deren Jobs am Verbrenner hängen, sind groß. Eine Studie lieferte jüngst jedoch ein erstaunliches Ergebnis, das der Daimler AG eigentlich Hoffnung machen müsste: Der Ausbau der Elektromobilität könnte der Autobranche weniger schaden als angenommen. Die Chancen bleiben laut Studienautor jedoch ungenutzt, weil die Produktion zwar näher an Deutschland heranrücke, allerdings trotzdem nicht hierzulande, sondern eher in Osteuropa produziert würde.

Rubriklistenbild: © Fotomontage: Marijan Murat/dpa, Franziska Kraufmann/dpa

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