Fatale Fehlentscheidung

Daimler gehörten einst 10 Prozent von Tesla - sie wären heute mehr wert als der halbe Konzern

  • Marleen van de Camp
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Die Daimler AG hat Tesla im Jahr 2009 gerettet. Daimler kaufte zehn Prozent des damals notleidenden Start-Ups. Über eine Entscheidung dürfte Daimler sich ärgern.

  • Die Daimler AG hat Tesla gerettet, als das junge Start-Up von Elon Musk vor dem Ruin stand.
  • Es entstand eine Kooperation zwischen Daimler und Tesla, aus der das Model S hervorging.
  • Über eine Entscheidung aus dieser Zeit dürfte man sich bei Daimler heute sehr ärgern.

Stuttgart/Palo Alto - Im Jahr 2009 hat die Daimler AG Tesla vor dem Ruin gerettet. Im Jahr 2020 ist die Tesla-Aktie ungefähr 30 Mal so viel wert wie die Daimler-Aktie. Ärgerlich, denn die Daimler AG kaufte im Jahr 2009 zehn Prozent der Anteile an dem notleidenden E-Auto-Unternehmen von Elon Musk, wie die Personalvermittlung HCCR (Human Capital Consulting Recruiting) berichtet. Fünf Jahre später stieß Daimler die Tesla-Anteile wieder ab. Heute wären sie so viel Wert wie 57 Prozent der gesamten Daimler-Marktkapitalisierung.

Die Daimler AG steht plötzlich vor Problemen, die man sonst eher von Tesla kennt - der E-Auto-Prämie sei Dank

Die Daimler AG kaufte 2009 zehn Prozent von Tesla zu einem Spottpreis

Dass der Fahrzeughersteller aus Stuttgart das E-Auto-Unternehmen aus dem Silicon Valley vor dem Ruin gerettet hat, dürfte nicht mehr vielen in Erinnerung sein. Tesla war im Jahr 2009 noch ein kleines Start-up mit großen finanziellen Sorgen. Um das Unternehmen von Elon Musk zu retten, kaufte die Daimler AG 10 Prozent der Firmenanteile für 50 Millionen Dollar (heute 43 Millionen Euro).

Daimler-Ingenieure waren an der Entwicklung des Tesla Model S beteiligt

Damals hatte Tesla mit dem Roadster gerade das weltweit erste E-Auto mit Lithium-Ionen-Akku in Serie gebracht. Nur 2.450 Modelle des Tesla Roadster wurden verkauft. Zu wenig, um überleben zu können. Die Daimler AG unter dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Dieter Zetsche griff Elon Musk unter die Arme. Ingenieure der Daimler-Tochter Mercedes-Benz entwickelten sogar zusammen mit Tesla-Ingenieuren das Model S, das 2012 auf den Markt kam. Die Lithium-Ionen-Batterie, die bei Tesla damals von Hand zusammengebaut wurden, waren auch im ersten serienmäßigen E-Auto der Daimler AG verbaut, das zwei Jahre später auf den Markt kam – der Mercedes-Benz B-Klasse.

Daimler verkaufte seine Anteile an Tesla wegen berechtigter Sicherheitsbedenken

Während der Kooperation zwischen der Daimler AG und Tesla zeigten sich jedoch drastische Unterschiede in der Arbeitsweise. Elon Musk bringt jedes E-Auto schnell auf den Markt und behebt erst danach Fehler per Update. Deutsche Fahrzeughersteller dagegen testen ihre Modelle gerne ausgiebig – teils über Jahre, bevor sie auf den Markt kommen. Die Daimler-Ingenieure wollten den Unterboden des Model S verstärken, damit die Batterie nicht durch Teile, die während der Fahrt hochgeschleudert werden, beschädigt wird. Auch die Batterie selbst hätten sie gerne noch einem ausführlichen Stresstest unterzogen. Elon Musk störte sich nicht daran. Nach fünf Jahren verkaufte die Daimler AG ihre Tesla-Aktien.

Warum Tesla heute dreißigmal so viel Wert ist wie die Damiler AG

Die Daimler-Ingenieure behielten Recht. Infolge mehrerer Batteriebrände ließ Elon Musk die Fahrgestellhöhe des Model S per Update vergrößern. Als das nichts half, wurde die Stärke des Unterbodens verdreifacht. Trotzdem Batteriebränden und anderen Problemen wird das Tesla Model S heute weltweit öfter verkauft als die Mercedes-Benz S-Klasse. Den Grund erklärt ein Fahrzeug-Experte der Beratungsfirma AlixPartners gegenüber HCCR: Der Verbrennungsmotor ist der Kernbereich der Daimler AG, an dem immer noch 95 Prozent aller Jobs hängen. Den Anlegern ist klar, dass der Umstieg auf das E-Auto in Stuttgart noch viel Zeit und Geld kosten wird. Bei einem Start-Up sind die Aktionäre oft nachsichtiger. Außerdem hat die Daimler AG natürlich deutlich mehr Modelle zur Auswahl als Tesla. Daimler hat in der ersten Jahreshälfte 2020 935.089 Mercedes-Benz-Modelle verkauft hat, Tesla im selben Zeitraum nur  179.050 Fahrzeuge.

Daimler AG im Wandel – vom Hybrid zum E-Auto der Zukunft

Heute baut die Daimler AG selbst E-Autos und Hybride. Um den Umstieg vom Verbrenner zum E-Auto finanzieren zu können, hat der Daimler-Chef gerade angekündigt, sich von beliebten Mercedes-Modellen abzuwenden. Mit dem Mercedes Vision AVTR hat Daimler ein sogar ein spektakuläres E-Auto der Zukunft gebaut. Was die Fahrdaten anbelangt, kann es aber nicht mit den aktuellen Tesla-Modellen von Elon Musk mithalten. Noch nicht. 

Von der Rolle von Privatunternehmen wie Daimler oder Tesla sind allerdings nicht alle begeistert. Für einen KIT-Forscher ist sie sogar „grauenvoll“ - er warnt vor Elon Musks Plänen. Der Grund: Privatunternehmen haben inzwischen sehr viel Macht im Bereich Wissenschaft und Forschung, unterstehen aber kaum einer Kontrolle - wie und ob ihre Innovationen missbraucht werden, lässt sich kaum vorhersehen.

Rubriklistenbild: © Frederic J. BROWN / AFP/Daimler Pressefoto

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