„Verschwendung von Ressourcen“

„Ausgemachter Blödsinn“: Daimler-Vorstand kritisierte großes E-Mobilitätsprojekt - jetzt wurde es eröffnet

Die Sonne geht hinter einem Mercedes-Stern auf dem Mercedes-Benz-Werk auf
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Die Daimler AG wollte sich nicht an den Plänen der Landesregierung beteiligen
  • Julian Baumann
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Martin Daum, Truck-Vorstand bei der Daimler AG, fand im vergangenen Jahr markige Worte für die E-Mobilitäts-Plane des Landes. Nun wurde die geplante Strecke eröffnet.

Update, 29. Juni 2021, 17:19 Uhr: Aufgrund des Drucks durch die EU und der Grünen in Deutschland beschleunigt die Daimler AG den Wandel zur E-Mobilität deutlich. Die für 2024/2025 angekündigten neuen Modelle der Baureihe EQ sollen bereits ein Jahr früher auf den Markt kommen. Doch auch im Truck-Segment setzen die Stuttgarter auf den Elektromotor. Daimler startet die Elektro-Revolution in einem Bereich, der bislang im Schatten stand. Zudem will die Daimler Truck AG auch schwere Lastwagen mit Wasserstoff betreiben und fährt somit eine Doppelstrategie.

Im Rahmen der Vorstellung der Doppelstrategie für das Lkw-Segment der Daimler AG im vergangenen Jahr kam auch die geplante Teststrecke „eWayBW“ in Gaggenau (Kreis Rastatt) zur Sprache. Für die vom Land Baden-Württemberg geplante Strecke mit Lkw-Oberleitungstechnologie hatte Martin Daum, Chef der Daimler Truck AG markige Worte. Die „Oberleitungstechnologie ist ausgemachter Blödsinn und Verschwendung volkswirtschaftlicher Ressourcen“, sagte der Manager damals in Berlin. Daimler wollte sich deshalb nicht am Pilotprojekt des Landes beteiligen.

Entgegen der Einschätzung des Chefs der Truck-Sparte der Daimler AG wurde die Teststrecke im Murgtal bei Rastatt am Montag, 28. Juni, eröffnet, wie die Badischen Neuesten Nachrichten berichten. Bei der Eröffnung waren sowohl Verkehrsminister Winfried Herrmann (Grüne) als auch Projektpartner und beteiligte Firmen vor Ort. Ab Donnerstag soll auf der 18 Kilometer langen Strecke das Pilotprojekt „eWayBW“ starten. Dazu wurden Teilabschnitte mit Oberleitungen versehen. Zukünftig werden auf dieser Strecke demnach oberleitungsbetriebene Lkw fahren. Der eActros der Daimler AG kommt dagegen ohne Oberleitung aus und fährt batteriebetrieben bereits seit Januar auf der Strecke bei Gaggenau.

Erstmeldung, 17. September 2020: Stuttgart - Die Daimler AG setzt in den vergangenen Jahren verstärkt auf E-Mobilität. Der Fahrzeughersteller mit Firmensitz in der Landeshauptstadt Stuttgart hatte deshalb sogar die Brennstoffzelle verworfen, obwohl der Konzern in der Entwicklung einst führend war. Bei den neuen Fernverkehrs-Lastwagen setzt das Unternehmen jedoch wieder auf die fast vergessene Alternative zum E-Auto.

Bei der Vorstellung der Doppelstrategie und der Präsentation des neuen Brennstoffzellen-Lastwagens von Daimler-Tochter Mercedes Benz am Mittwoch in Berlin ging es auch um die Teststrecke „eWayBW“ in Gaggenau (Kreis Rastatt). Für das Pilotprojekt fand Daimler-Vorstand Martin Daum markige Worte.

Daimler-Trucks-Chef mit deutlicher Ansage: „Ausgemachter Blödsinn“

Die Präsentation des neuen GenH2 Trucks der Daimler AG wurde weltweit als Pressekonferenz übertragen. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Christian Jung stellte eine Frage an den anwesenden Vorstandschef von Daimler-Trucks. Die Frage des Politikers zielte darauf ab, warum in den neuen und miteinander verschmolzenen Batterie-Wasserstoff-Brennstoffzellen-Lkw nicht auch Lkw-Oberleitungstechnologie beinhaltet sei. Martin Daum antwortete mit klaren Worten. „Oberleitungstechnologie ist ausgemachter Blödsinn und Verschwendung volkswirtschaftlicher Ressourcen. Wir können das liefern, aber es macht keinen Sinn!“, sagte der Daimler-Trucks-Chef.

Die Teststrecke eWayBW ist ein Pilotprojekt, das in Gaggenau im Murgtal realisiert werden soll. Auf einer etwa 18 Kilometer langen Strecke werden drei Abschnitte mit einer Länge von insgesamt etwa vier Kilometern elektrifiziert, wie das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg angab. Lkws, die mit einer geeigneten Technik ausgestattet sind, können über die Oberleitungen Strom beziehen. Gleichzeitig werde eine Batterie aufgeladen, die dem Fahrzeug eine Weiterfahrt nach Beenden der Oberleitung ermögliche. Das würde auch dem elektrischen Truck der Daimler AG zugutekommen. Dessen Reichweite ist deutlich geringer als bei dem Brennstoffzellen-Truck.

Daimler AG: Auch FDP-Politiker findet das Projekt unnötig

Aufgrund der Aussage des Vorstands der Daimler AG fühlt sich FDP-Politiker Jung bestätigt. „Die heutigen Technologie-Ankündigungen von Daimler als einem der wichtigsten Lkw-Produzenten überhaupt und die klaren Worte von Herrn Daum zeigen, dass wir die Lkw-Oberleitungsstrecke im Murgtal auf der B462 nicht benötigen“, heißt es auf seiner Seite auf Facebook. „Wenn die FDP nach einer erfolgreichen Landtagswahl 2021 in die Landesregierung eintreten wird, werde ich mich persönlich dafür einsetzen, dass die Lkw-Oberleitungsteststrecke zeitnah abgebaut wird“.

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