Kampf ums E-Auto

Gefahr für Daimler: Lange unterschätzter Gegner greift Deutschlands Autobranche an - es ist nicht Tesla

  • Anna-Lena Schüchtle
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Die Daimler AG bekommt es im Kampf um die E-Mobilität mit neuer Konkurrenz zu tun. In China wurde jüngst ein Plan verabschiedet, der auch dem Autobauer aus Stuttgart gefährlich werden könnte.

Stuttgart - Der deutschen Autobranche geht es nicht unbedingt gut. Fahrzeughersteller wie die Daimler AG stecken „in der größten Krise der Nachkriegszeit“. Viele deutsche Autokonzerne verpassten den rechtzeitigen Strukturwandel hin zur E-Mobilität und konzentrierten sich viel zu lange auf ihre einstige Kernkompetenz: der Produktion des Verbrenners.

Diesen hat die Regierung jedoch zum Sterben verurteilt, weshalb die Daimler AG „massiv bedroht“ ist - 95 Prozent aller Jobs in der Autobranche hängen an diesem Bereich, wie ein Betriebsratschef des schwäbischen Fahrzeugherstellers warnte. Vorstandsvorsitzender Ola Källenius kündigte daher kurz nach seinem Amtsantritt strenge Sparmaßnahmen und einen neuen Plan an.

Daimler AG bekommt es im Kampf ums E-Auto mit neuer Konkurrenz zu tun - es ist nicht Tesla

Daimler und Co. bekommen es schon bald mit neuer Konkurrenz im Kampf ums E-Auto zu tun.

Der Autobauer aus Stuttgart will in den kommenden Jahren verstärkt in die E-Mobilität investieren, um von Hauptkonkurrent Tesla nicht abgehängt zu werden. Großartige Fortschritte vermeldet der Fahrzeughersteller aus Stuttgart bislang jedoch nur bedingt. Dabei gibt es laut europäischem Umweltdachverband Transport & Environment (T&E) einen großen Anreiz. Denn: Der Marktanteil der E-Autos in Europa soll allein 2020 von drei auf zehn Prozent steigen - im nächsten Jahr sollen es sogar bereits 15 Prozent sein.

Die Daimler AG und die deutsche Automobilindustrie sehen sich daher mit einem neuen Gegner konfrontiert. Denn: Nicht nur für bekannte Fahrzeughersteller von E-Autos scheint die positive Marktentwicklung in Europa rund ums E-Auto eine erfreuliche Nachricht zu sein. Auch andernorts wecken sie Begehrlichkeiten. Aufgrund der Dominanz von Tesla scheint die deutsche Autobranche rund um die Daimler AG das bislang jedoch nur zweitrangig auf dem Schirm gehabt zu haben.

Unterschätzte Konkurrenz für Daimler AG: 15-Jahresplan soll China in europäischen Markt helfen

So hat etwa die Regierung in China jüngst eine Export-Offensive in Form eines 15-Jahresplans gestartet, die auch der Daimler AG gefährlich werden könnte. Demnach sollen chinesische Autobauer zukünftig verstärkt auf den internationalen Märkten aktiv werden - laut einem Bericht des Fachmagazins Automobil Industrie gilt das insbesondere für Europa. Die Volksrepublik müsse wahrnehmen, „dass Europa im Wettbewerb zum wichtigsten Schlachtfeld neben China wird“, heißt es in dem Artikel vonseiten des Generalsekretärs des chinesischen Autoverbandes CPCA, Cui Dongshu.

Bei dem 15-Jahresplan soll es sich um einen Teil des kürzlich in Peking ebenfalls bekanntgegebenen Entwicklungsplans zur Förderung von New Energy Vehicles handeln. In diesem wurde unter anderem festgelegt, konventionelle Verbrenner bis 2035 aus dem Verkehr zu ziehen.

Stattdessen werden E-Autos, aber auch Plug-in-Hybride und Wasserstoff-Fahrzeuge in China gefördert. Mit der neuen Export-Strategie ist also davon auszugehen, dass China verstärkt in den europäischen Markt der E-Mobilität dringen will - zumal die EU sogar ein komplettes Verbot des Verbrenners plant.

Kampf ums E-Auto: China will in europäischen Markt eindringen und wird Daimler gefährlich

Bislang sind es vor allem die Mitarbeiter, die von den Auswirkungen des geplanten Strukturwandels der deutschen Automobilkonzerne betroffen sind. So droht etwa in sechs deutschen Werken der Daimler AG massiver Stellenabbau - 20.000 Jobs sind unter Umständen davon betroffen.

Im Vergleich mit anderen Autobauern wie Tesla steht die Daimler AG aktuell ziemlich schlecht da. Laut einer Analyse des Verbandes Transport & Environment (T&E) ist der schwäbische Autobauer vom vorgegebenen Zielwert noch neun Gramm CO2 pro Kilometer entfernt. Hintergrund ist der im Januar 2020 eingeführte EU-Grenzwert von 95 Gramm CO2 pro Kilometer. Das hat auch mit der E-Mobilität zu tun.

Denn für Fahrzeughersteller müsste dieser EU-Grenzwert Grund genug sein, vermehrt auf die Alternative zum Verbrenner zu setzen. Werden die Werte nicht eingehalten, wird es für Hersteller wie die Daimler AG unter Umständen sehr teuer. Wer also vermehrt E-Autos produziert, hält nicht nur seinen CO2-Ausstoß gering, sondern muss auch keine Strafe zahlen.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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