E-Auto-Strategie

„Zentrum der Autoindustrie“: Daimler plant 8 Gigafabriken

Die Daimler-Batteriefabrik in Bühl soll ab 2022 Batterien für Plug-in-Hybid-Modelle produzieren.
+
Die Daimler AG will weltweit acht Gigafabriken für die Fertigung von Batteriezellen errichten (im Bild: Batteriefabrik in Brühl).
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
    schließen

Die Daimler AG setzt alles auf E-Autos. Um diesen Plan voranzubringen, sollen weltweit gigantischen Fabriken für die Produktion von Batteriezellen entstehen.

Stuttgart - Die Daimler AG hat die E-Auto-Strategie noch mal deutlich verschärft. Am gestrigen Donnerstag, 22. Juli gab der Autokonzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart bei einer Pressekonferenz bekannt, das endgültige Verbrenner-Aus früher einleiten zu wollen, als bisher geplant. Demnach will Daimler ab 2025 nur noch rein elektrische Fahrzeug-Architekturen einsetzen und zum Ende des Jahrzehnts ausschließlich E-Autos produzieren. Ebenfalls ab dem Jahr 2025 sollen zudem alle Modelle von Mercedes-Benz auch in einer elektrischen Version zur Verfügung stehen.

Die Daimler AG stellte vor einigen Wochen das vollelektrische Flaggschiff EQS vor, das laut CEO Ola Källenius jedoch nur der „Anfang der neuen Ära“ sein soll. Der Konzern-Chef bereitet das Unternehmen bereits auf den Extremfall in Deutschland vor. Demnach soll die neue Generation der elektrischen Baureihe EQ ein Jahr früher auf den Markt kommen, als zuvor angekündigt. Im Rahmen der Pressekonferenz gab der Autobauer zudem bekannt, selbst im großen Stil in die Fertigung von Batteriezellen einsteigen zu wollen. Weltweit sollen zu diesem Zweck acht Gigafabriken entstehen.

Daimler AG ändert Kurs und will selbst Batteriezellen herstellen

Der Druck auf die Daimler AG wächst aktuell stark an. Die EU fordert seit längerer Zeit ein frühzeitiges Verbrenner-Ende und auch die Grünen in Deutschland wollen eine CO2-neutrale Produktion. Nicht zuletzt deshalb zog der Autobauer bei seinen Plänen stark an und fährt seine Strategie zukünftig unter dem Motto „Electric only“ statt wie zuvor unter „Electric first“. Zudem wächst jedoch auch die Konkurrenz immer weiter an, da viele nationale und internationale Autobauer ebenfalls auf das E-Auto setzen. Der vermeintliche Marktführer Tesla baut seit einiger Zeit eine Gigafactory bei Berlin, die rund 10.000 Arbeitsplätze schaffen soll.

Laut einer Pressemitteilung der Daimler AG plant der Stuttgarter Konzern acht Gigafabriken an Standorten weltweit zu errichten.  „Diese Kapazitäten ergänzen das bereits geplante Netzwerk von neun Werken zur Produktion von Batteriesystemen“, heißt es. Der Name der geplanten Fabriken erinnert zwar an den großen Konkurrenten aus dem Silicon Valley, im Gegensatz zu Teslas Werk sollen in den Daimler-Gigafabriken jedoch keine Autos, sondern Batteriezellen produziert werden. Diesen Schritt hatten die Schwaben für lange Zeit vermieden und sich stattdessen auf externe Zulieferer verlassen. Dabei kam es jedoch immer wieder zu Komplikationen.

Daimler AG: Eigene Zellfertigung - „Europa soll Zentrum der Autoindustrie bleiben“

Bislang bezog die Daimler AG die Batteriezellen für E-Auto-Modelle wie den EQS oder die SUV EQA und EQC von externen Zulieferern. Unter anderem belieferte das chinesische Unternehmen Fararis den schwäbischen Autobauer. Aufgrund von „katastrophal“ schlechten Batteriezellen, war kurzzeitig jedoch sogar die E-Auto-Strategie von Daimler bedroht, wie mehrere Medien übereinstimmend berichteten. Zudem verzögert sich die Produktion von Batterien in Deutschland wohl um Jahre, da Farasis beim Bau der geplanten Fabrik in Bitterfeld-Wolfen mit gravierenden Problemen zu kämpfen hat.

Nicht zuletzt deshalb will die Daimler AG die Batterieproduktion gemeinsam mit mehreren Partnern zukünftig in die eigenen Hände nehmen. „In Europa will Mercedes-Benz mit neuen Partnern zukünftige Zellen sowie Module entwickeln und effizient produzieren“, heißt es in der Pressemitteilung. „Dieser Schritt trägt dazu bei, dass Europa auch im Elektrozeitalter ein Zentrum der Autoindustrie bleibt.“ Die weltweit geplanten acht Gigafabriken würden zudem benötigt, da Mercedes-Benz eine Batteriekapazität von mehr als 200 Gigawattstunden benötige.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare