„Es ist noch zu früh“

Daimlers E-Auto-Strategie ist laut Toyota-Managern völlig falsch

Der elektrische Mercedes EQS bei einer Testfahrt in der Schweiz.
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Die Daimler AG setzt ausschließlich auf das E-Auto. Laut Toyota-Managern ist das der falsche Weg.
  • Julian Baumann
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Die Daimler AG setzt vollständig auf das E-Auto und will bis Ende des Jahrzehnts nur noch batteriebetriebe Autos bauen. Laut Toyota-Managern ist das zu früh.

Stuttgart - Vor wenigen Wochen stellte die Daimler AG in einer Pressekonferenz ihre stark beschleunigte E-Auto-Strategie vor. Demnach will der Autokonzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart bereits im Jahr 2025 jedes Modell der Marke Mercedes-Benz auch in einer vollelektrischen Version anbieten. Bis Ende des Jahrzehnts sollen nur noch batteriebetriebene Fahrzeuge mit dem Stern und auch nur noch neue Elektro-Architekturen produziert werden. Daimler leitet das endgültige Verbrenner-Ende demnach noch früher ein als gedacht, lässt jedoch auch jegliche Alternativen zum E-Auto außen vor.

Mit der vollelektrischen Limousine EQS hat die Daimler AG erstmals ein leistungsfähiges E-Auto vorgestellt, dass auf einer reinen E-Auto-Architektur basiert. Die elektrischen SUV EQC und EQA basierten zuvor auf einer modifizierten Verbrenner-Architektur. Der EQS sei jedoch nur der Anfang einer neuen Ära, sagte Daimler-Chef Ola Källenius. Ein reiner Fokus auf das E-Auto wird jedoch nicht von allen großen Autobauern als der richtige Weg angesehen. Der japanische Autohersteller Toyota findet den Zeitpunkt für eine vollständige Fixierung auf die Batterie noch zu früh und will den Kunden weiterhin die Wahl überlassen, wie 24auto* berichtet.

Daimler AG: Nur noch E-Autos - laut Toyota-Managern eine verfrühte Entscheidung

Die Daimler AG blickt auf eine lange Geschichte des Automobil- und Nutzfahrzeugbaus zurück. In der Geschichte des weltbekannten Konzerns wurden bislang vor allem Diesel- und Benzin-betriebene Fahrzeuge gefertigt. Lange arbeitete der Stuttgarter Konzern jedoch an einer vielversprechenden Technologie, die inzwischen nahezu vollständig aufgegeben wurde. Daimler begehe „Selbstmord“, warnte der Erfinder des Hybrid-Antriebs nach der Aufgabe der Brennstoffzellen-Technologie. Inzwischen liegt der Fokus zumindest in der Pkw-Sparte jedoch ausschließlich auf dem E-Auto.

Beim nach VW zweitgrößten Autokonzern der Welt, Toyota, herrschen offenbar andere Prioritäten. Laut 24auto soll das erste vollelektrische Modell der Japaner erst im nächsten Jahr* auf den Markt kommen, bislang setzt Toyota auf den Hybrid und weiterhin auf den Verbrenner. „Es ist noch zu früh, um sich nur auf eine Option zu konzentrieren“, sagte Executive Vice President Shigeki Terashi im Interview mit dem Portal Giga. Bevor man sich auf einen Antrieb festlege, wolle man intern einzelne Technologien vergleichen und sich erst dann für die optimale Antriebsart entscheiden. Zudem seien längst nicht alle Autofahrer vom E-Auto überzeugt.

Daimler AG: Wie sicher ist der Fokus auf die E-Mobilität?

Der Wandel der Daimler AG zum E-Auto-Hersteller ist noch immer in vollem Gange. Im Gegensatz zum großen Konkurrenten Tesla mussten die Schwaben die Produktionsschritte in den Werken zunächst auf die neue Technologie umrüsten. Auch der massive Stellenabbau bei Daimler ist unmittelbar mit dem Fokus auf die Batterie verknüpft. Daimler-Chef Ola Källenius sagte kürzlich: Das E-Auto koste zahlreiche Jobs, man müsse „ehrlich mit den Menschen sein“. Demnach wird für die Herstellung eines E-Autos deutlich weniger Personal benötigt, als für ein Verbrenner-Modell. VW-Boss Diess glaubt dagegen nicht, dass E-Autos radikal Jobs vernichten.

Das Statement von Toyota, vorerst nicht vollständig auf das E-Auto zu setzen, hat dagegen einen anderen Hintergrund. Laut einer unternehmensinternen Rechnung sei die Produktion eines E-Autos deutlich teurer als bei einem Verbrenner. Auch die Infrastruktur, also ausreichend Ladesäulen, ist für die Zukunft der E-Mobilität entscheidend. Der Daimler-CEO nannte die entscheidende Voraussetzung für den Durchbruch des E-Autos. Während sich die Stuttgarter jedoch bereits für eine Technologie entschieden haben, ist Toyota noch immer zögerlich und hält lieber an altbewährten Antrieben fest.

Letztendlich müsse jedoch die Entwicklung auf dem Automobilmarkt zeigen, ob der eingeschlagene Weg der Daimler AG und anderer Autokonzerne der richtige ist, schreibt 24auto*. Bei der abweichenden Strategie von Toyota könnte es sich nämlich ebenfalls um eine fatale Fehlentscheidung handeln. Doch auch Daimler will sich nicht vollständig vom Verbrenner verabschieden. Daimler bereitet zwar das Verbrenner-Aus für 2030 vor, doch das ist nur die halbe Wahrheit. *24auto ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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