Strukturwandel verpasst

4.250 Euro am Tag: Dieter Zetsches Rente wirkt auf Daimler-Mitarbeiter wie Hohn

  • Anna-Lena Schüchtle
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Dieter Zetsche soll den Strukturwandel der Daimler AG hin zur Elektromobilität verzögert haben - trotzdem erhält er eine fürstliche Rente - während Tausende Mitarbeiter um ihre Jobs bangen. 

Stuttgart - Eine hochrangige Führungskraft warnte bereits vor Monaten davor, dass die Daimler AG in „der größten Krise der Nachkriegszeit“ steckt. In den ersten beiden Quartalen machte der Fahrzeughersteller mit Sitz in Stuttgart Milliardenverluste. Das Coronavirus in Baden-Württemberg und dessen Auswirkungen auf die Wirtschaft im Südwesten sind jedoch nur ein Teilgrund für die derzeit schwierige Lage, in der sich der Weltkonzern befindet.

So sehen Branchen-Experten beispielsweise im Erbe von Dieter Zetsche einen Faktor, der die Führungsrolle des schwäbischen Fahrzeugherstellers auf dem Markt derzeit gefährdet. Der ehemalige Vorsitzende des Daimler-Vorstands verließ den Auto-Konzern vor etwa einem Jahr und erhielt in seiner 13-jährigen Amtszeit viel Lob für seine Arbeit - etwa weil er die Modernisierung des Weltunternehmens vorangetrieben und auch die kritikbehaftete Chrysler-Fusion beendet hatte.

Daimler AG: Dieter Zetsche bekommt täglich 4.250 Euro Rente - während Tausende ihre Jobs verlieren

Dieter Zetsche soll den Strukturwandel der Daimler AG verzögert haben. Das kostet den Konzern viel Geld - und Jobs.

Schon vor dem Ende der Ära Dieter Zetsche zeigte sich jedoch bereits, dass es auch diverse Baustellen in der Daimler AG gibt, derer sich sein Nachfolger Ola Källenius bereits kurz nach seinem Amtsantritt annehmen musste. Die Diesel-Affäre etwa hatte ihren Ursprung, lange bevor der Schwede seinen neuen Posten eingenommen hatte.

Gerade das Versäumnis, rechtzeitig den Strukturwandel hin zur Elektromobilität einzuleiten, wird Dieter Zetsche mittlerweile zu einem großen Vorwurf gemacht. Da schätzungsweise 95 Prozent der Jobs in der Autoindustrie am Verbrenner hängen, ist die Daimler AG „massiv bedroht“. Der von Ola Källenius angekündigte Strategiewechsel ist mit hohen Kosten verbunden - die Leidtragenden sind vor allem die Mitarbeiter.

Dieter Zetsche, der kürzlich bekanntgab, doch nicht als Aufsichtsratschef zur Daimler AG zurückzukehren, kann derweil seinen Ruhestand genießen - den ihm sein alter Arbeitgeber finanziell enorm versüßt. So soll der Ex-Daimler-Chef 4.250 Euro Rente kassieren - pro Tag. Das berichtete die Bild am Sonntag.

Diese Summe muss auf die Mitarbeiter der Daimler AG wie Hohn wirken. Ihnen macht man klar, dass der Konzern sparen müsse, um zu überleben. Auch wenn das bedeutet, dass Tausende ihren Job verlieren.

Allein im Stammwerk in Stuttgart Untertürkheim müssen 4.000 Daimler-Mitarbeiter um ihren Job bangen. Der Betriebsratschef des Standorts erhebt deshalvb schwere Vorwürfe: Die Coronakrise sei eine passende Ausrede für Daimler, die Produktion ins billigere Ausland zu verlagern. Die fürstliche Rente von 4.250 Euro, die Dieter Zetsche täglich kassiert, dürfte ihnen daher wie Hohn vorkommen.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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