Widerstand gegen das „alte Management“

Daimler AG: Rückkehr von Dieter Zetsche steht im Raum - Kritiker warnen vor schlechtem Einfluss

  • Marleen van de Camp
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Der Daimler AG könnte bald die Rückkehr des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Dieter Zetsche bevorstehen. Kommendes Jahr soll er Aufsichtratschef werden. Doch gegen den Plan regt sich Widerstand.

  • Ex-Vorstandsvorsitzender Dieter Zetsche soll zur Daimler AG zurückkehren – als Aufsichtsratschef.
  • Das ist zumindest der Plan seines langjährigen Weggefährten Manfred Bischoff
  • Doch von Seiten der Investoren regt sich massiver Widerstand gegen die Rückkehr zum „alten Management“.

Stuttgart - Der Daimler AG könnte die Rückkehr von Dieter Zetsche bevorstehen. 2019 hatte Dieter Zetsche seinen Posten als Vorstandsvorsitzender der Daimler AG nach 13 Jahren aufgegeben. Nun will sein langjähriger Weggefährte, Aufsichtsratschef Manfred Bischoff ihn zu dem Fahrzeughersteller aus Stuttgart zurückholen. Doch gegen diesen Plan regt sich massiver Widerstand, wie die Wirtschaftswoche berichtet.

Dieter Zetsche soll auf der Daimler-Hauptversammlung im Jahr 2021 zum Aufsichtsratschef der Daimler AG gewählt werden – so sieht zumindest der Plan des derzeitigen Aufsichtsratsvorsitzenden Manfred Bischoff aus, was er gegenüber der Wirtschaftswoche bestätigt hat.

Daimler AG: Ex-Vorstandsvorsitzender Dieter Zetsche soll Aufsichtsratschef werden

Doch die Rückkehr der Daimler AG zum „alten Management“ – also die Kombination Dieter Zetsche und Manfred Bischoff – würde zu einer Rebellion der Anteilseigner bei dem schwäbischen Fahrzeughersteller mit Hauptniederlassung der Daimler AG in Stuttgart führen. Widerstand gegen die mögliche Wahl von Dieter Zetsche zum neuen Aufsichtsratschef kündigte bereits Janne Werning, Gruppenleiter ESG Capital Markets & Stewardship bei Union Investment auf Anfrage der Wirtschaftswoche an. 

Weggefährten: Manfred Bischoff und Dieter Zetsche kamen beide im Jahr 1976 zur Daimler AG.

Daimler AG fehlt Zukunftsvision – Schuld soll der langjährige CEO Dieter Zetsche sein

Bei der Daimler AG fehle ihm eine „klare Zukunftsvision“, sagte Werning. Dies wirft der Daimler-Investor jedoch nicht dem aktuellen Vorstandsvorsitzenden Ola Källenius vor. Die Versäumnisse bei dem Fahrzeughersteller aus Stuttgart stammten viel mehr aus der Zeit von Dieter Zetsche als Vorstandsvorsitzender. Dieter Zetsche wird vorgeworfen, der Daimler AG geschadet zu haben, indem er weiter am Verbrenner festhielt, anstatt den Konzern auf die Zukunft vorzubereiten.

Damit hat Dieter Zetsche seinem Nachfolger Ola Källenius ein schweres Erbe hinterlassen. Gerade erst musste die Daimler AG einen Bestellstopp für E-Auto und Hybrid-Modelle veranlassen, da die Kapazitäten des Konzerns aufgrund der vergangenen Versäumnisse die aktuelle Nachfrage nicht decken können. Für Aufsichtsratschef Manfred Bischoff ist das offenbar irrelevant. 

Dieter Zetsche hat Interessenkonflikte und würde die Arbeit von Ola Källenius behindern

Doch auch Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance beim Daimler-Anteilseigner Deka Investment, sieht die Rückkehr des Verbrenner-Verfechters Dieter Zetsche als Aufsichtsratschef äußerst kritisch. Dieter Zetsche ist für Speich ein Symbol eines Zeitalters, das gerade zu Ende geht. Der Daimler-Investor sieht bei Dieter Zetsche „massive Interessenkonflikte bei der Aufarbeitung der Vergangenheit“, wie er der Wirtschaftswoche sagte.

Kein Wunder, denn die Vergangenheit der Daimler AG liegt maßgeblich in der Verantwortung von Dieter Zetsche. Ola Källenius hat als neuer Vorstandsvorsitzender die schwierige Modernisierung bei dem Fahrzeughersteller aus Stuttgart eingeleitet. Dieter Zetsche und dessen Weggefährte Manfred Bischoff würden mit ihrem Einfluss diese Entwicklung wohl rückgängig machen. 

Die Daimler AG Tochter Mercedes-Benz startete bereits 2018 mit einem Plan, der das Autofahren modernisieren und revolutionieren sollte. Mit einem monatlichen Abo-Dienst sollten Kunden die Möglichkeit haben, die Fahrzeuge immer wieder zu wechseln. Das moderne Auto-Abo sollte dem Fahrzeughersteller eine jüngere Kundschaft sichern, der Plan ging zumindest für den US-Markt nicht auf. Zum Monatsende wird das Abo-Modell „Mercedes-Benz Collection" wieder eingestellt.

Rubriklistenbild: © dpa

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