Vorwurf der Abgasmanipulation

Manipulation bei Daimler: Mercedes-Fahrer können sich jetzt Klage anschließen

Die Zentrale der Daimler AG ist durch eine Flagge zu sehen, auf der der Mercedes-Stern abgebildet ist.
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Mercedes-Kunden, die von den Abgasmanipulationen betroffen sind, können sich nun bei einer Klage gegen die Daimler AG beteiligen.
  • Julian Baumann
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Der Dieselskandal wirft noch immer seinen Schatten auf die Daimler AG. Mercedes-Kunden können nun gemeinsam gegen den Stuttgarter Konzern klagen.

Stuttgart - Die Daimler AG hat es durch eine Luxus-Strategie geschafft, die derzeitige Chipkrise zumindest abzufedern. Der Konzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart setze seinen Fokus auf die Produktion von Premiummodellen und stellte die Herstellung der meistverkauften Modellreihe, der E-Klasse, temporär ein. Deshalb konnte der weltbekannte Autohersteller trotz des anhaltenden Lieferengpasses von Halbleiterkomponenten gute Zahlen im aktuellen Quartal vorweisen. Die Dieselkrise macht der Daimler AG und vor allem dem bald eigenständigen Tochter-Unternehmen Mercedes-Benz jedoch noch immer Probleme.

Der Vorwurf der manipulierten Abgaswerte bei Modellen der Daimler AG zieht sich bereits seit vielen Monaten durch die Autobranche. Im vergangenen Jahr legte der Autobauer einen Streit in den USA mit einer Milliardensumme bei. Die US-Regierung sandte eine deutliche Botschaft an „solche wie Daimler“. Doch auch im eigenen Land sieht sich der Mercedes-Hersteller immer wieder mit Klagen konfrontiert. Erst kürzlich wurden mehrere Daimler-Mitarbeiter wegen Betrugs verurteilt. Ab sofort können sich durch den Dieselskandal geschädigte Mercedes-Kunden einer Musterfeststellungsklage gegen die Daimler AG anschließen, berichtet die Deutsche Presseagentur (dpa).

Daimler AG: Verbraucherzentrale startet Musterfeststellungsklage gegen Autobauer

Im Rahmen des Dieselskandals, bei dem neben der Daimler AG auch beispielsweise VW betroffen ist, wird dem Autobauer vorgeworfen, bei hunderttausenden Mercedes-Modellen unzulässige Abgassoftware verwendet zu haben. Daimler musste 30.000 Autos zurückrufen. Die Verbraucherzentrale leitete bereits im Juli eine Musterfeststellungsklage gegen den schwäbischen Autokonzern ein, um Schadensersatz für die betroffenen Mercedes-Kunden zu erstreiten, schreibt die dpa. Nun können sich Mercedes-Kunden online oder per Post dieser Klage anschließen. „Verbraucherinnen und Verbraucher können jetzt ihre Ansprüche oder Rechtsverhältnisse zu dieser Klage zur Eintragung in das Register anmelden“, teilte das Bundesamt für Justiz am Mittwoch mit. 

Für die gesammelte Klage gegen die Abgasmanipulationen der Daimler AG richtete das Bundesamt im Internet ein Online-Anmeldeformular ein und machte die Klage somit öffentlich. Betroffene Mercedes-Kunden ohne Internetzugang könnten ihre Ansprüche jedoch auch geltend machen und das Formular per Post beantragen, hieß es. Eine Anmeldung zur Dieselklage gegen den Autobauer sei grundsätzlich bis zum Ablauf des Tages vor Beginn des ersten Termins beim Oberlandesgericht Stuttgart möglich. Dieser Termin soll rechtzeitig auf der Internetseite des Bundesamtes bekannt gegeben werden.

Daimler AG bestreitet Vorwürfe - „werden uns weiter zur Wehr setzen“

Als die Daimler AG im vergangenen Jahr eine Klage aufgrund mutmaßlicher Abgasmanipulationen in den USA beilegte, sah der Autobauer die Zahlung in Milliardenhöhe nicht als Schuldeingeständnis an. Den im Dieselskandal verurteilten Daimler-Mitarbeitern wurde trotz dem Urteil nicht gekündigt. Damit wollte der Konzern eine arbeitsgerichtliche Auseinandersetzung vermeiden und keine Folgen für das Unternehmen auf sich ziehen.

Auch im Falle der Musterfeststellungsklage weist die Daimler AG die Vorwürfe einer Abgasmanipulation zurück. „Wir halten die in Dieselklagen gegen uns geltend gemachten Ansprüche für unbegründet und werden uns auch weiterhin dagegen zur Wehr setzen“, erklärte ein Daimler-Sprecher am Mittwoch nach der Bekanntmachung des Bundesamtes. „Durch eine Musterfeststellungsklage können wichtige Rechtsfragen effizienter geklärt werden, was wir grundsätzlich begrüßen. Inwieweit dies in diesem Fall möglich sein wird, bleibt abzuwarten.“

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