Limousine „gekillt“?

Daimlers Design-Chef sagt Ende eines beliebten Automodells voraus

Fahraufnahme eines roten Mercedes CLA (Limousine) der zweiten Generation (Baureihe 118).
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Durch die Elektrifizierung wird sich in Zukunft auch das Design von Autos immer stärker verändern - die klassische Limousine wird es womöglich bald in ihrer Form so nicht mehr geben.
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Mit der Transformation zur Elektromobilität müssen auch Auto-Designer umdenken. Daimlers Design-Chef Gorden Wagener sieht das Ende der klassischen Limousine kommen.

Stuttgart - Hat die klassische Limousine bald ausgedient? Wenn es nach der Meinung von Gorden Wagener, Design-Chef der Daimler AG, geht: ja. „Die Elektrifizierung wird das Drei-Box-Design der Limousinen killen, aus verschiedenen Gründen“, erklärte Wagener im Gespräch mit der BBC-Autosendung Top Gear. Zum einen liege dies an der für die Reichweite wichtigen Aerodynamik. Zum anderen: „Mit einem 15 Zentimeter hohen Batteriepack sieht eine Limousine einfach nicht gut aus, sie sieht scheiße aus.“ Mit diesem wortwörtlichen Zitat prophezeit Wagener das Ende der klassischen Limousinen-Aufteilung in Haube, Fahrgastzelle und Kofferraum.

Klar ist: Durch die Abkehr vom Verbrenner bei Daimler müssen Designer umdenken. Dank ihrer deutlich kompakteren Antriebstechnik und dem Wegfall von Getrieben und Nebenaggregaten ermöglichen Elektroautos großzügigere Innenräume und kürzere Übergänge. Gleichzeitig brauchen sie aber auch Platz für Batteriepakete. Diese sind normalerweise im Fahrzeugboden untergebracht, weshalb viele neue Modelle von Daimler SUV oder hochbeinige Crossover-Modelle sind. Auch Mercedes-Benz führte zunächst elektrische SUV ein. Später legte sie mit der Elektro-Limousine EQS nach - deren Design spaltet Fans jedoch.

Daimlers Design-Chef über E-Autos auf dem Markt: „Gesichtslose Fronten, alle sehr ähnlich“

Auf die Optik des EQS, von dessen Weltpremiere im April ein Video auf Facebook auftauchte, reagierten Nutzer teilweise skeptisch: „Das Design habt ihr richtig versaut“, schrieb ein Nutzer. „Sieht aus wie ein Zäpfchen.“ Auch er nimmt damit Bezug auf die fehlende klassische Drei-Box-Aufteilung, die der Aerodynamik geschuldet ist. Daimlers Design-Chef Wagener räumt in der Sendung Top Gear ein: „Was man bei der Elektrifizierung sieht, ist, dass der Kühlergrill verschwindet. All diese neuen Start-ups haben keinen Kühlergrill - sie haben gesichtslose Fronten, sind ein bisschen anonym. Sie sind sich sehr ähnlich“, meint er. Die EQ-Modelle von Daimler hält er jedoch für „gestreckt und elegant.“

In Zukunft müsse man „dafür sorgen, dass die Elektroautos nicht alle gleich aussehen“, so Gordon Wagener. Diese Befürchtung bestehe schon seit etwa 30 Jahren. „Wir bei Daimler haben es geschafft, sie früher anders aussehen zu lassen, und ich bin zuversichtlich, dass wir das auch in Zukunft schaffen werden“, verkündet er optimistisch. Die Elektrifizierung sei eine große Chance, etwas zu verändern, und Veränderung sei immer gut. Dass die klassische Limousine möglicherweise vom Aussterben bedroht ist, scheint den Design-Experten also nicht zu entmutigen.

Daimlers EQS: Abgeflachtes Design ist der Aerodynamik geschuldet

Die Kritik am Design des Mercedes EQS jedenfalls können Befürworter locker entkräften: So gilt der EQS als so aerodynamisch wie kein anderes Serienauto - ein klares Plus in Sachen Leistung. Trotz allem ist für Kunden der Automarke mit dem Stern auch das Äußere sicher nicht unerheblich.

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