Daimler in der Krise

„Schonungslos“: Daimler AG zittert um ihre Zukunft - das zeigt eine emotionale Botschaft an die Mitarbeiter

Die Motorhaube eines schwarzen Mercedes ist vor dunklem Hintergrund zu sehen
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Die Daimler AG muss dunkle Zeiten durchstehen, wie ein Schreiben von Betriebsratschef Michael Brecht offenbart.
  • Julian Baumann
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Die Daimler AG wurde hart vom Coronavirus getroffen. Stellenabbau und Kurzarbeit waren bei dem Fahrzeughersteller die Folge. Betriebsratschef Michael Brecht schreibt eine emotionale Botschaft an die Mitarbeiter.

  • Das Coronavirus in Baden-Württemberg führte zu Stellenabbau und Kurzarbeit. Auch die Daimler AG mit Hauptsitz in Stuttgart ist massiv betroffen.
  • In der Automobilbranche hängen 95 Prozent der Jobs am Verbrenner. Der Daimler-Betriebsratchef Michael Brecht befürchtet, dass bei dem Fahrzeughersteller aus Stuttgart Tausende ihre Arbeit verlieren könnten.
  • Der Daimler-Betriebsrat wendet sich nun mit einem dringenden Appell an den Vorstand des Automobilherstellers. Er fordert einen genaueren Fahrplan zur Überwindung der Krise.

Stuttgart - Die Daimler AG mit Hauptsitz in Stuttgart ist eines der größten Unternehmen Deutschlands. Mit Mercedes-Benz hat der Fahrzeughersteller eine Marke etabliert, die auf der ganzen Welt bekannt und beliebt ist. Durch das Coronavirus kam es jedoch auch bei dem Weltkonzern zu Stellenabbau und Kurzarbeit.

Der Betriebsratsvorsitzende der Daimler AG Michael Brecht sieht Tausende von Stellen in Gefahr. 95 Prozent der Jobs hängen am Verbrenner, warnt der Daimler-Betriebsratschef. Michael Brecht wandte sich nun mit einem dringenden Appell an den Vorstand der Daimler AG. Er fordert einen genauen Fahrplan zur Überwindung der Corona-Krise.

Daimler AG: Gesamtbetriebsrat bereitet die Mitarbeiter auf schwierige Zeiten vor

Das Coronavirus in Baden-Württemberg hat die Daimler AG mit voller Wucht getroffen. Der Gewinn des Automobilherstellers sank allein im ersten Quartal um 80 Prozent. Laut den Wirtschaftsprüfern von EY ist das jedoch erst der Anfang für Daimler & Co. Die Prognose besagt, dass das zweite Quartal für den Stuttgarter Konzern noch deutlich schlimmer werden wird.

Der Daimler-Betriebsrat bereitet die Mitarbeiter nun auf schwierige Zeiten vor. „Kein Absatz, kein Umsatz. Wie stark uns der Corona-Schock wirtschaftlich trifft, werden die Bilanzen des zweiten Quartals schonungslos offenlegen“, schreiben Betriebsratschef Michael Brecht und sein Stellvertreter Ergun Lümali in einem Brief an die Mitarbeiter, der der FAZ vorliegt. „Je nachdem wie sich die Nachfrage nach unseren Produkten entwickelt, ist nicht auszuschließen, dass sich die Personalmaßnahmen auch auf die Produktionsbereiche auswirken können“, heißt es in dem Schreiben. Der Daimler-Betriebsrat warnt: „Der Druck ist enorm und steigt weiter.“

Stellenabbau bei der Daimler AG in Aussicht: Konzern wird radikal umgebaut

Die Führung der Daimler AG machte bislang keine genauen Angaben zu den Folgen der Corona-Krise. Laut einem internen Schreiben plant Daimler-Chef Ola Källenius Tausende Entlassungen. Der Betriebsrat fordert nun vom Vorstand des Fahrzeugherstellers aus Stuttgart einen genaueren Plan für das Vorgehen in der kommenden Zeit. „Das große Bild muss auf den Tisch – es geht ums Ganze“, heißt es in dem Newsletter an die Mitarbeiter.

Als Reaktion auf die Coronakrise verhandelt die Daimler AG derzeit über drei Projekte mit dem Betriebsrat. Teile der IT will das Unternehmen mit 2.000 Mitarbeitern offenbar an Fremdfirmen verlagern. Der Fahrzeughersteller plant außerdem, Teile des Personal- und Finanzbereichs auszulagern und die Unternehmensstruktur der Daimler AG zu überprüfen.

Der Daimler-Betriebsratschef versicherte in dem Schreiben an die Mitarbeiter, dass all diese Maßnahmen der „Zukunftssicherung 2030“ unterlägen. Diese soll betriebsbedingten Kündigungen bei der Daimler AG verhindern. „Die für uns so wichtige Transformation gelingt nur mit den Beschäftigten zusammen, mit einem Masterplan in der Tasche“, zitierte die FAZ aus dem Schreiben des Daimler-Betriebsrats.

Daimler AG: Forderungen eines SPD-Politikers und ein Mercedes-Tweet sorgen für Ärger

Das Coronavirus in Baden-Württemberg hat weitreichende Auswirkungen auf Fahrzeughersteller wie die Daimler AG. Die Bundesregierung verabschiedete ein Hilfspaket von 130 Millionen Euro. Das Konjunkturpaket sieht jedoch nur eine Prämie für E-Auto und Hybrid vor und nicht für Verbrenner. Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht kritisierte diese Entscheidung scharf. Brecht sieht vor allem die SPD verantwortlich, CDU und CSU hätten die Prämie für Verbrenner dagegen befürwortet, sagte er der Deutschen-Presse Agentur (dpa). Die SPD reagierte ihrerseits mit deutlichen Worten. Ein SPD-Politiker forderte „Lasst Daimler sterben“.

Die Daimler AG mit Hauptsitz in Stuttgart war in jüngster Zeit auch wegen eines anderen Vorfalls in den Schlagzeilen. Ein Foto von Mercedes AMG sorgte bei Twitter für Diskussionen und Empörung. Das Foto zeigt das neue Führungsteam der Mercedes AMG. Abgebildet sind ausschließlich Männer, die gleich angezogen sind und in gleicher Haltung posieren. Männer sollten sich für dieses Foto „abgrundtief schämen“, schrieb die ehemalige Sprecherin des SPD-Parteivorstands zu dem Tweet der Daimler-Tochter Mercedes AMG. Es entbrannte eine Diskussion um den Frauenanteil in der Führung des Fahrzeugherstellers. Der reagierte prompt auf die Diversity-Debatte. Die Daimler AG setzt mit dem Mercedes Formel-1-Rennwagen ein Zeichen gegen Rassismus, will seine neue Lackierung aber auch als öffentliches Versprechen verstanden wissen, mehr Frauen ins Formel-1-Team zu holen.

Daimler AG hat jetzt auch noch Ärger mit dem ehemaligen Handy-Hersteller Nokia. Daimler droht ein Verkaufsverbot für Mercedes-Benz-Autos, weil in deren Steuereinheit Technik verbaut ist, an der Nokia teilweise Patente hält. In dem Streit hat sich inzwischen sogar das Bundeskartellamt eingeschaltet.

Ende Juli konnte die Daimler AG allerdings wieder eine positive Nachricht vermelden. Daimler baut künftig in alle Mercedes-Benz-Modelle eine Technologie, die das Autofahren für immer verändert. Ab 2024 werden in die Autos Computer der US-Firma Nvidia verbaut, die dann auch autonomes Fahren ermöglichen sollen.

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