Sanktionen gegen Mitarbeiter

Lockdown-Panik: „Null-Toleranz-Prinzip“ - Daimler verschärft Ton gegenüber Mitarbeitern

Ein Mitarbeiter der Daimler AG hat bei der Produktion der S-Klasse einen Mundschutz an.
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Die Daimler AG geht schärfer gegen Corona-Verstöße in den Werken vor - „Null-Toleranz-Prinzip“
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Die Daimler AG hatte aufgrund des ersten Corona-Lockdowns massive Probleme. Aus Angst vor weiteren Maßnahmen geht der Stuttgarter Konzern nun schärfer gegen die eigenen Mitarbeiter vor.

Stuttgart/Sindelfingen - Die Daimler AG hatte im vergangenen Jahr gleich mit mehreren Hürden zu kämpfen. Neben der groß angelegten Umstrukturierung auf die E-Mobilität, die an Daimler-Standorten weltweit Tausende Arbeitsplätze forderte, legte auch der anhaltende Diesel-Skandal einen Schatten auf den schwäbischen Autobauer. Inzwischen ist der Streit in den USA beilegt. Daimler zahlt zwei Milliarden Euro für alte Sünden. Auch in Bezug auf die Transformation hat sich so einiges getan. Die Zukunft des Stammwerks in Untertürkheim steht nach monatelangen Verhandlungen fest. An dem Standort soll ein Elektro-Campus entstehen. Auch das älteste noch aktive Daimler-Werk in Berlin wird zu einem Digital-Campus für Software und E-Autos umgebaut.

Ein weiteres sehr drastisches Problem für die Daimler AG war jedoch auch die Auswirkung des Coronavirus in Baden-Württemberg auf die Wirtschaft und damit auch auf die Autoindustrie. Für mehrere Wochen oder mitunter sogar Monate stand die Produktion des Mercedes-Herstellers im Frühjahr 2020 still. Der zweite Lockdown, der bereits im Dezember in Kraft trat und noch bis mindestens Ende März anhalten soll, hatte bislang weniger drastische Auswirkungen. Der Konzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart befürchtet nun jedoch eine verschärfte Situation für die Werke und geht deshalb schärfer gegen die eigenen Mitarbeiter vor, wie die Stuttgarter Nachrichten berichten.

Daimler AG: Sorgen vor erneutem Produktionstopp der Werke - „Null-Toleranz-Prinzip“

Insgesamt hat die Daimler AG das Krisen-Jahr 2020 deutlich besser überstanden als zunächst angenommen. Der Konzern erwirtschaftete einen Milliardengewinn und schüttete 1,4 Milliarden an seine Aktionäre aus. Das führte zu viel Kritik. Die Probleme aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg könnten sich nun jedoch fortsetzen. Aktuell steigen die Infektionszahlen im Südwesten wieder deutlich an und auch die immer häufiger in Baden-Württemberg entdeckten Virus-Mutationen bereiten Grund zur Sorge. Bei einer Demonstration in Stuttgart forderte ein Daimler-Mitarbeiter einen knallharten Lockdown für die Wirtschaft und sagte: „Man steckt sich in Betrieben an“.

In den Werken der Daimler AG kommt es immer wieder zu Verstößen gegen die Maßnahmen zum Infektionsschutz, berichten die Stuttgarter Nachrichten. Der schwäbische Konzern will die Auflagen für die Mitarbeiter nun drastisch verstärken. „Leider werden immer wieder Verstöße gegen die Regelungen beobachtet“, heißt es in einem Schreiben des Betriebsrats am Standort Sindelfingen an die Mitarbeiter. Betriebsrat und Werksleitung hätten sich deshalb auf ein „Null-Toleranz-Prinzip“ geeinigt. Demnach müssten Verstöße gegen die Hygieneauflagen und den Mindestabstand, „noch stringenter an den Personalbereich gemeldet werden“.

Daimler AG: Corona-Verstöße in den Werken - Konzern droht mit Sanktionen

Bereits zum Jahresbeginn, als Bund und Länder über einen möglichen Mega-Lockdown diskutierten, war die Sorge vor einem Shutdown der Industrie bei der Daimler AG groß. Der Stuttgarter Konzern warnte vor einem albtraumhaften Szenario beim Mega-Lockdown. Bislang führte der zweite Lockdown in Deutschland nicht erneut zum Stillstand der Werke, die Virus-Mutationen haben die Lage jedoch deutlich verschärft. Ein Daimler-Zulieferer musste ein Werk wegen eines massiven Corona-Ausbruchs im vergangenen Jahr bereits vor dem offiziellen Start des Lockdowns schließen. Um ein solches Szenario für weitere Werke zu verhindern, kündigte Daimler bei Verstößen strenge Sanktionen gegen die Mitarbeiter an, wie die Stuttgarter Nachrichten berichten.

Durch die anhaltende Verbreitung der hochansteckenden Corona-Mutationen befürchtet die Autobranche eine mögliche Schließung der Produktionsstätten, die aktuell nicht von den Maßnahmen betroffen sind. Die Daimler AG will deshalb die Einhaltung der Corona-Verordnungen in den Werken strenger kontrollieren. Die Maßnahmen zur Sensibilisierung der Angestellten würden „regelmäßig überprüft und nachgeschärft“, heißt es von dem Konzern.

Im Falle eines Verstoßes drohen den Mitarbeitern sogar arbeitsrechtliche Konsequenzen. Arbeitsrechtliche Maßnahmen erstrecken sich von zunächst folgenlosen Ermahnungen bis hin zur Androhung der Entlassung im Wiederholungsfall. Bei Daimler gelte jedoch der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit, heißt es in dem Schreiben an die Mitarbeiter.

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