Das Schlimmste kommt noch

„Diese Krise werden nicht alle Autohersteller überleben“ – EY macht düstere Prognose für Daimler und Co

  • Marleen van de Camp
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Das Coronavirus hat Baden-Württemberg und Daimler mit voller Wucht getroffen. Automobilexperten von EY sagen, das sei erst der Anfang.

  • Das Coronavirus hat Baden-Württemberg und die Daimler AG schwer getroffen.
  • Der Daimler-Gewinn sank wegen Covid-19 im ersten Quartal um 80 Prozent.
  • Wirtschaftsprüfer von EY sind überzeugt: Das war erst der Anfang. Doch für Daimler gibt es einen Hoffnungsschimmer.

Stuttgart - Wegen des Coronavirus liegt Baden-Württemberg wirtschaftlich am Boden. Die Corona-Pandemie hat fatale Folgen für Handel und Gastronomie. Das Coronavirus traf auch Daimler mit voller Wucht. Der Fahrzeughersteller mit Sitz in Stuttgart musste wegen Covid-19 seine Werke wochenlang schließen.

Die Daimler AG samt Tochterfirmen verzeichnete einen Gewinneinbruch von fast 80 Prozent im ersten Quartal. Die Produktion in den Werken läuft jetzt endlich wieder an, es könnte bergauf gehen. Doch eine Analyse der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY zeigt, dass der dramatische Einbruch im ersten Quartal für die Daimler AG erst der Anfang gewesen sein könnte. Im zweiten Quartal werde es für Automobilhersteller erst richtig bergab gehen.     

Daimler AG: Wegen Coronavirus ist Gewinn auf niedrigstem Stand seit der Finanzkrise

Das Schlimmste steht der Daimler AG erst noch bevor: Im zweiten Quartal würden alle Fahrzeughersteller „tief in die roten Zahlen rutschen“, warnt Constantin Gall, Managing Partner und Leiter Automotive & Transportation bei EY am deutschen Hauptsitz in Stuttgart. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY analysiert vierteljährlich die 17 größten Automobilhersteller der Welt einschließlich der Daimler AG und veröffentlicht die Ergebnisse.

Dieselskandal, Konkurrenz durch Tesla, Mobilitätswende - Hinter der Daimler AG liegen schwere Zeiten. In der Automobilindustrie habe sich schon länger ein Abwärtstrend abgezeichnet, der durch das Coronavirus verstärkt werde, sagt Peter Fuß, Partner bei EY. Durch hohe Investitionen in die Entwicklung und Forschung zum E-Auto, die Transformation der Branche durch die Digitalisierung und den Handelsstreit zwischen China und den USA hätten die Fahrzeughersteller bereits gelitten. Der Gewinn – auch bei der Daimler AG – war auf dem niedrigsten Stand seit dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise 2009. 

Coronavirus in Baden-Württemberg: Ein Mitarbeiter der Daimler AG trägt in der Produktion der S-Klasse einen Mundschutz.

Harte Zeiten für Daimler & Co.: Nicht alle Fahrzeughersteller werden Coronavirus überleben

Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht hatte erst kürzlich gewarnt, dass Daimler „massiv bedroht“ sei, da 95 Prozent aller Arbeitsplätze in der Autoindustrie am Verbrenner hingen - ein Bereich, den die Bundesregierung mit dem Konjunkturpaket zum Sterben verurteilt hat. Brecht hielt er Regierung vor, die Menschen hinter dem Fahrzeughersteller aus Stuttgart, Baden-Württemberg, im Stich gelassen zu haben. Peter Fuß von EY stimmt dem im Grundsatz zu. Es habe schon vor dem Ausbruch des Coronavirus bei Autobauern wie der Daimler AG hohe Überkapazitäten gegeben, was jetzt viele Arbeitsplätze kosten werde.

Im Gegensatz zum Betriebsratschef der Daimler AG lobt Fuß jedoch die Bundesregierung für das Konjunkturpaket. Mit der Prämie für E-Auto und Hybrid habe sie „die Weichen richtig gestellt“, sagt der EY-Mann. Der Automobilexperte Constantin Gall ist überzeugt: Das Coronavirus werden nicht alle Fahrzeughersteller überleben.

Ein Hoffnungsschimmer für die Daimler AG: Unternehmen, die einen großen Teil des Umsatzes außerhalb von Europa machen, wird es laut Gall weniger hart treffen. Daimler erzielt nach Angaben auf der Unternehmenswebsite den Großteil des Umsatzes in China. Und der chinesische Markt hat sich - im Gegensatz zur Wirtschaft in Baden-Württemberg - mittlerweile von den Folgen der Corona-Pandemie erholt.  

Mann aus Kanada beschwert sich persönlich bei Daimler

Ein Kanadier hatte jüngst so einiges an der Daimler AG auszusetzen. Aufgrund einer technischen Fehlfunktion seiner S-Klasse baute er beinahe einen Unfall. Weil eine Klage erfolglos blieb, flog der Kanadier persönlich nach Stuttgart, um sich bei Daimler zu beschweren.

Die Folgen des Coronavirus in Baden-Württemberg betreffen auch die Daimler AG massiv. Daimler zittert um seine Zukunft, wie eine emotionale Botschaft an die Mitarbeiter zeigt. Der Betriebsrat fordert einen genaueren Fahrplan zur Überwindung der Krise.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat

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