Kein Stellenabbau

Daimler AG kürzt Arbeitszeit für 70.000 Mitarbeiter um zwei Stunden und streicht Prämie für alle

Der Mercedes-Stern auf dem Mercedes-Benz Werk Untertürkheim strahlt im Sonnenschein.
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Der Mercedes-Stern auf dem Mercedes-Benz Werk Untertürkheim strahlt im Sonnenschein.
  • Marleen van de Camp
    vonMarleen van de Camp
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Bei der Daimler AG wurde eine Einigung erreicht - betriebsbedingte Kündigungen sind vom Tisch. Dafür nehmen 70.000 Daimler-Mitarbeiter Einschnitte in Kauf - eine wichtige Zahl bleibt offen.

  • Bei der Daimler AG wurde im Streit um den Stellenabbau eine Einigung zwischen Vorstand und Betriebsrat erzielt.
  • Der Fahrzeughersteller aus Stuttgart hält an der „Zukunftssicherung 2030“ fest - es wird keine betriebsbedingten Kündigungen geben.
  • Im Gegenzug entfällt die Ergebnisbeteiligung für 70.000 Daimler-Mitarbeiter. Die Wochenarbeitszeit wird ohne Lohnausgleich gekürzt und eine wichtige Zahl bleibt offen.

Stuttgart - Gute und schlechte Nachrichten für die Mitarbeiter der Daimler AG. Im Streit um den drohenden Stellenabbau bei dem Fahrzeughersteller aus Stuttgart wurde am heutigen Dienstag eine Einigung erzielt, wie der Konzern auf seiner Website bekannt gab.

Daimler AG sichert Arbeitsplätze - doch die Mitarbeiter nehmen dafür Einschnitte in Kauf

Das Coronavirus in Baden-Württemberg hatte schlimme Folgen. Die Daimer AG stürzte in die „größte Krise der Nachkriegszeit“, wie eine hochrangige Daimler-Führungskraft es ausdrückte. Der Daimler-Vorstand drohte, ein Versprechen an die Mitarbeiter aus dem Jahr 2017 zu brechen und Massenkündigungen durchzusetzen. Die sind jetzt endgültig vom Tisch. Die „Zukunftssicherung 2030" bleibt bestehen - es wird bis zum Jahresende 2029 keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Die Daimler AG muss trotzdem Personalkosten sparen, um zukunftsfähig zu werden. Deshalb akzeptierte der Daimler-Betriebsrat um Michael Brecht einige Einschnitte für Mitarbeiter bei dem Fahrzeughersteller aus Stuttgart.

Einigung bei der Daimler AG: Die wichtigsten Eckpunkte in dem Kompromiss zwischen Konzern und Arbeitnehmern

Die wichtigsten Eckpunkte der Einigung zwischen dem Daimler-Vorstand um Ola Källenius und dem Gesamtbetriebsrat: Bis 2030 sind betriebsbedingte Kündigungen bei der Daimler AG ausgeschlossen. Zum Ausgleich wird die Wochenarbeitszeit der Mitarbeiter in der Verwaltung und sogenannten „produktionsnahen Bereichen“ wie Logistik, Forschung und Entwicklung ohne Lohnausgleich um zwei Stunden reduziert. Diese Maßnahme soll ab dem 1. Oktober 2020 ein Jahr aufrechterhalten werden. Laut Handelsblatt wird sie 70.000 Daimler-Mitarbeiter in Deutschland betreffen. Für diese Mitarbeiter entfällt zudem die Ergebnisbeteiligung für das Jahr 2020. Wegen des schlechten Konzernergebnisses von 2019 war sie in diesem Jahr laut dpa schon deutlich niedriger ausgefallen als in anderen Jahren.

Die Daimler AG gibt keine Details zum Stellenabbau bekannt - das wird für Diskussionen sorgen

Auch das sogenannte „tarifliche Zusatzgeld“ der Daimler AG wird für das Jahr 2021 in bezahlte freie Tage umgewandelt - und zwar verpflichtend. Normalerweise dürfen die Mitarbeiter bei dem Fahrzeughersteller aus Stuttgart zwischen Geld und Freizeit wählen. Daimler-CEO Ola Källenius hatte im Jahr 2019 einen Sparkurs für die Daimler AG angeordnet. Der Ausbruch des Coronavirus in Baden-Württemberg hatte jedoch so fatale Folgen für die Wirtschaft, dass Ola Källenius erklärte, das Sparprogramm verschärfen zu müssen. Autopapst Dudenhöffer erklärt, warum Daimler anderen Fahrzeugherstellern hinterherhinkt.

Verschiedene Zahlen wurden öffentlich diskutiert. Die Daimler AG wolle 20.000 Stellen abbauen, schrieb die dpa. Bei Daimler selbst heißt es, man habe sich mit dem Betriebsrat „auf Maßnahmen zur Kostensenkung und zur sozialverträglichen Reduzierung von Arbeitsplätzen verständigt“. Eine genaue Zahl der Stellen, die eingespart werden müssen, wird allerdings nicht genannt. Das wird weiter für öffentliche Diskussionen sorgen. Daimler-Vorstand und Betriebsrat wollen in den kommenden Wochen weitere Details besprechen. Vielleicht gibt es danach Antworten.

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