Folgen der Chipkrise

Daimler will Kunden unfertige Autos verkaufen - und erleidet peinliche Bruchlandung

Ein Logo von Mercedes Benz.
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Daimler steckt mitten in der Chipkrise.
  • Julian Baumann
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Aufgrund der Chipkrise will die Daimler AG bestellte Autos ohne Sonderausstattungen ausliefern. Das ist nach Einschätzung der Verbraucherzentrale rechtlich nicht haltbar.

Update vom 6. Oktober, 8:50 Uhr: Aufgrund der weltweiten Chipkrise in der Automobilindustrie fehlt es auch bei der Daimler AG an wichtigen Bauteilen. Deshalb will der Stuttgarter Autobauer bestellte Luxusautos wie die S-Klasse ohne Sonderausstattungen, wie das versprochene Hightech-Navigationsgerät ausliefern. Die Kunden sollen demnach auf die Ausstattung verzichten, obwohl sie diese bereits bestellt hatten. Dafür änderten die Mercedes-Händler nachträglich die Kaufverträge.

Auch nachträglich sollen die Sonderausstattungen bei der Daimler AG nicht nachgeliefert werden. Das liegt daran, dass derzeit Rechner in die Modelle verbaut werden, die für das moderne Navigationsgerät nicht stark genug sind. Laut der Verbraucherzentrale ist es jedoch rechtlich nicht zulässig, die Abnahme von unfertigen Autos durch die Kunden zu verlangen, berichten die Stuttgarter Nachrichten. Der Kunde könne zunächst die Erfüllung des Vertrages verlangen, sagte der Verbraucherrechtsexperte Oliver Buttler gegenüber der Zeitung. Sollte die Daimler AG den Mangel, also die fehlende Ausstattung nicht nachliefern oder anderweitig ersetzen, könne der Kunde von dem Kaufvertrag zurücktreten.

Erstmeldung vom 4. Oktober: Stuttgart - Am vergangenen Freitag lud die Daimler AG zu einer außerordentlichen Hauptversammlung mit den Aktionären. Dabei wurde das Ende der Daimler AG besiegelt, mit Folgen für die gesamte deutsche Autobranche. In Zukunft wird aus dem heutigen Konzern demnach zwei unabhängige Unternehmen mit Stern. Aktuell hat das Unternehmen aus der Landeshauptstadt Stuttgart jedoch weiterhin unter der seit Beginn des Jahres anhaltenden Chipkrise zu leiden. Der Lieferengpass von wichtigen Halbleiterkomponenten betrifft bei der Daimler AG sowohl die Pkw- als auch die Lkw-Sparte, die künftig eigenständig werden sollen.

Aufgrund der Krise legte Daimler kürzlich ein ganzes Lkw-Werk tagelang still, 10.000 Mitarbeiter waren betroffen. Die Auto-Sparte Mercedes-Benz musste dagegen bereits die Produktion der meistverkauften Modellreihe stoppen und auch die Hightech-Fabrik in Sindelfingen stand nur 10 Monate nach der Eröffnung wieder still. An diesem Zukunftsstandort werden unter anderem die Luxuslimousine S-Klasse und das elektrische Pendant EQS produziert. Diese Modelle werden nun ohne die versprochene Hightech-Software ausgeliefert, berichten die Stuttgarter Nachrichten.

Daimler AG: Chipkrise hat Folgen für Auto-Käufer - keine Hightech-Ausstattung verfügbar

Die Chipkrise bei der Daimler AG hat nicht nur Folgen für die Produktion. Vor allem die Mitarbeiter litten in den vergangenen Monaten unter der Situation. Weil die Produktion aufgrund fehlender Bauteile immer wieder ins Stocken geriet, schickte der Autobauer die Belegschaft an mehreren Standorten immer wieder in die Kurzarbeit. Die wochenlange Kurzarbeit lässt die Mitarbeiter verzweifeln. Viele kritisieren vor allem die mangelnde Kommunikation zwischen Belegschaft und Konzernvorstand. Aber auch die Daimler-Kunden waren und sind von der Chipkrise betroffen. Bei der Lkw-Tochter Daimler Trucks stehen massenhaft Fahrzeuge rum, die aktuell nicht ausgeliefert werden können.

Nun werden die Folgen der Halbleiter-Krise auch bei den privaten Kunden der Daimler AG spürbar. Nach Informationen der Stuttgarter Nachrichten kann der Autobauer sein neuwertiges Navigationsgerät aufgrund der Chipkrise nicht liefern. Das hochmoderne Gerät war bereits bei der Vorstellung der neuen Mercedes-S-Klasse vor rund einem Jahr präsentiert und als Sonderausstattung für die Luxus-Limousine angepriesen worden. Käufer, die ein solches Modell mit entsprechender Sonderausstattung bereits bestellt hatten, müssen nun auf die Technik verzichten. Auch eine Nachrüstung sei derzeit nicht möglich.

Daimler AG: Mercedes-Händler wollen Verträge nachträglich ändern

In den modernen Modellen der Daimler AG ist eine große Anzahl an hochwertiger Software verbaut, die das Fahrerlebnis einfacher und auch sicherer machen soll. Das führt mitunter jedoch auch zu Problemen. Daimler musste beispielsweise in den USA 340.000 Autos zurückrufen, wegen einem Defekt an der Rückfahrkamera. Das aktuell nicht zur Verfügung stehende „Augmented-Reality“-Navigationssystem soll das Fahren ebenfalls einfacher machen. Wie bereits in manchen bekannten Auto-Videospielen soll die Routenführung so in die Frontscheibe eingefügt werden, dass die Pfeile auf der Straße zu sehen sind.

Kunden konnten Modelle der Daimler AG, beispielsweise eine aktuelle S-Klasse, bereits mit dieser und weiteren Hightech-Sonderausstattungen bestellen. Da die Bauteile aktuell jedoch nicht lieferbar sind, legen Mercedes-Händler den Käufern nun Änderungen der Kaufverträge vor, berichten die Stuttgarter Nachrichten. Aktuell werde in den meisten Fahrzeugen ein Zentralrechner verbaut, der nicht leistungsstark genug für die Hightech-Sonderausstattung sei, sagte ein Sprecher. Demnach ist auch eine nachträgliche Aufrüstung der Modelle nicht möglich.

Der Käufer sei „verpflichtet, seinen Teil des Vertrages zu erfüllen und das bestellte Fahrzeug abzunehmen“, erklärte ein Sprecher der Daimler AG den Stuttgarter Nachrichten. „Ändert sich der Lieferumfang Hersteller-verschuldet, so kann der Kunde seinen Auftrag stornieren.“ Die Chipkrise, die seit mehreren Monaten die weltweite Autobranche massiv beeinflusst, sei jedoch kein Verschulden des Herstellers. „Wir hatten richtig geplant und fristgerecht bestellt“, so der Sprecher. Insgesamt setzt Daimler während der Chipkrise den Fokus vermehrt auf die Produktion im Premiumsegment und stellt andere Modelle hinten an. In der Lkw-Sparte müssen Kunden aufgrund der Chipkrise noch immer auf bestellte Fahrzeuge warten.

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