Chipkrise

Daimler rettet sich aus der Chipkrise, aber Zulieferern droht das Aus - Kippt die Stimmung?

Ein Mitarbeiter der Daimler AG hat in der Produktion der S-Klasse einen Mundschutz an.
+
Die Daimler AG konzentriert sich in der Chipkrise auf die Produktion von Luxusmodellen. Zulieferer haben eine solche Möglichkeit nicht.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
    schließen

Die weltweite Chipkrise macht der Daimler AG noch immer zu schaffen. Noch schlimmer trifft der Engpass jedoch die Zulieferer - die Stimmung droht zu kippen.

Stuttgart - Seit Beginn des Jahres kommt es in der weltweiten Autoindustrie aufgrund eines Lieferengpasses von Halbleiterkomponenten zu erheblichen Problemen. Auch bei der Daimler AG führte der Engpass in den vergangenen Monaten immer wieder zu Produktionsstopps. Im Februar stoppte Daimler etwa die Produktion eines wichtigen deutschen Werks, 100.000 Fahrzeuge konnten nicht fertig produziert werden. Besonders betroffen waren bei dem Autobauer aus der Landeshauptstadt Stuttgart die Werke in Bremen und Rastatt, aber auch die Hightech-Fabrik in Sindelfingen stand nur 10 Monate nach der Öffnung wieder still.

Auch für die Mitarbeiter der Daimler AG waren die vergangenen Monate schwer. Der Konzern schickte die Belegschaft an mehreren Standorten aufgrund der Krise immer wieder in die Kurzarbeit. Es sei „ein Albtraum aus dem man nicht erwacht“, hieß es von Daimler-Mitarbeitern. Während die Autobauer aufgrund des Lieferengpasses von Halbleiterkomponenten ihre Fahrzeuge nicht fertig produzieren können, bleiben auch die Zulieferer auf ihren Bauteilen sitzen. Laut dem Handelsblatt stehen mehrere kleinere Unternehmen aufgrund der Chipkrise vor dem existenziellen Aus.

Chipkrise in der Autoindustrie: Zulieferer drosseln Gewinnerwartung deutlich

Die anhaltende Chipkrise betrifft nicht nur die deutschen Autobauer wie die Daimler AG, BMW oder VW, sondern beispielsweise auch den E-Auto-Pionier Tesla. Das Unternehmen von Visionär Elon Musk scheint zwar deutlich besser durch die Krise zu kommen als andere Hersteller, Probleme gibt es jedoch trotzdem. Der Tesla-Chef gab die Schuld unter anderem dem Stuttgarter Zulieferer Bosch. Der weltweit größte Autozulieferer leidet jedoch selbst unter einer allgemeinen Knappheit von „bestimmten Halbleiterbauteilen“, wie ein Sprecher sagte.

Laut dem Handelsblatt kommt für viele Unternehmen neben der Chipkrise noch die explodierenden Rohstoffpreise hinzu. Zudem befindet sich die gesamte Branche noch immer in der großangelegten Transformation zur E-Mobilität. Die ersten kleineren Zulieferer seien bereits zahlungsunfähig, schreibt die Zeitung. Doch auch für die großen Unternehmen wird die Lage immer kritischer. Der US-Zulieferer Aptiv erwartet für das aktuelle Jahr statt die angepeilten 16,4 nur noch einen Umsatz zwischen 15,1 und 15,5 Milliarden Euro. Und auch Continental-Finanzchef Wolfgang Schäfer rechnete zur Jahresmitte mit einer Kostenbelastung von rund 200 Millionen Euro. Nun wird diese Summe durch die anhaltende Krise noch deutlich höher ausfallen.

Daimler AG und Co.: Autobauer setzten auf Luxus, um Krise abzumildern

Obwohl Autobauer wie die Daimler AG und Zulieferer wie Bosch gleichsam unter der anhaltenden Chipkrise leiden, haben die Autohersteller einen entscheidenden Vorteil. Der Stuttgarter Autokonzern fokussiert sich durch den Mangel an Halbleiterkomponenten seit längerem auf die Produktion von kostspieligen Luxusmodellen. Somit werden die wenigen vorhandenen Komponenten vorrangig in Mercedes-Benz-Modelle wie die S-Klasse oder den elektrischen EQS verbaut, während Daimler die Produktion der meistverkauften Modellreihe, der E-Klasse, temporär stoppte. Ein ähnliches Vorgehen verfolgt auch der Münchener Autobauer BMW und auch VW setzt vermehrt auf die Marken der Porsche AG und Audi.

Autobauer wie die Daimler AG können mit der Produktion und dem Verkauf von Luxusmodellen die Chipkrise zumindest teilweise abfedern. Eine solche Möglichkeit haben die Autozulieferer jedoch nicht, weswegen die Stimmung immer weiter zu kippen droht, schreibt das Handelsblatt. Die Zulieferer schließen in der Regel langfristige Verträge mit den Autobauern, in denen keine nachträglichen Preiserhöhungen mehr möglich sind. Deshalb können die Hersteller trotz aktuell stark gestiegener Materialkosten nicht mehr Geld verlangen. Verlangt wird vonseiten der Zulieferer, dass die Autobauer die Mehrkosten durch die aktuelle Sonderlage übernehmen. Dazu gehören beispielsweise die Kosten durch das Einfliegen der Halbleiterkomponenten, die die Zulieferer bislang vollständig selber tragen müssen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare