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Wird Daimler ein chinesisches Unternehmen? Mitarbeiter in Angst

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Von: Franziska Vystrcil

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Ein Mitarbeiter von Daimler geht am Mercedes-Benz Werk Untertürkheim zum Schichtwechsel vor einem Mercedes-Stern in Richtung Werk.
Die Daimler AG verlagert ihr Geschäft immer weiter nach China. Zurück bleiben perspektivlose Mitarbeiter an deutschen Standorten. © Sebastian Gollnow/dpa

Die Daimler AG ist ein baden-württembergisches Traditionsunternehmen. Der Autobauer verlagert allerdings immer mehr Produktionen nach China.

Stuttgart - Die Daimler AG befindet sich aktuell im Umbruch. Mit der Abspaltung der LKW-Sparte bricht der Autobauer aus der Landeshauptstadt Stuttgart in neue Zeiten auf. Die Umgestaltung der Daimler AG hat Auswirkungen auf die gesamte Branche. Viele kritisieren jedoch, dass der schwäbische Autobauer sein Tun immer mehr nach Asien verlagert. Wird Daimler immer chinesischer?

Als Produktionsstätte wird Asien für Daimler immer attraktiver. Allein durch die Abspaltung der Daimler Truck AG gewinnt der Kontinent enorm an Umsatzanteil - Mit 32 Prozent wird Asien die dominierende Absatzregion beim Autogeschäft werden. Nun steht zudem fest: Auch der neue Smart soll künftig aus chinesischen Werken kommen.

Das hat auch Folgen für tausende Daimler-Mitarbeiter. Die Angestellten in Deutschland müssen um Ihre Jobs fürchten, während in China neue Produktionskapazitäten aufgebaut werden. „In Daimlers Strategieplanung kommt Berlin nicht mehr vor“, sagt etwa der stellvertretende Betriebsrat der dortigen Niederlassung.

Daimler AG will Smart künftig in China produzieren - Technikzentrum in Peking liefert Know-how

Das Vorhaben, den Smart in China produzieren zu lassen, stand schon länger im Raum. Laut Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) halten die Daimler AG und deren Großaktionär Geely daran fest. Daimler will damit offenbar noch stärker auf die umstrittene China-Strategie setzen. Der Smart aus China soll schon kommendes Jahr vom Band rollen. „Wir kommen sehr gut voran“, sagte Hubertus Troska, Daimler-Vorstand, bei einer Online-Veranstaltung.

Bei der IAA in München wurde der neue Smart bereits im September vorgestellt. Doch Fans spotteten: Daimler machte das Kult-Modell zum SUV. Um dieses auf den Markt zu bringen, gründeten Mercedes-Benz und die Zhejiang Geely Holding Group ein Gemeinschaftsunternehmen. Künftig soll der Smart nicht mehr im ostfranzösischen Hambach, sondern in China produziert werden. In der Region Peking eröffnete Daimler vergangenen Monat zudem ein neues Technikzentrum, in dem über 1.000 Ingenieure an der Digitalisierung von Fahrzeugen arbeiten. Zunehmend kommt somit die Technik und das Know-how aus China.

Daimler AG: Chinesischer Markt macht rund ein Drittel der gesamten Produktion aus

China wird für die Daimler AG nicht nur bei der Produktion und Entwicklung immer bedeutender. Auch ein Viertel des Aktienbesitzes am Autobauer aus Stuttgart ist bereits in chinesischer Hand. Und vor allem: Der chinesische Markt bietet großes Potenzial. Mit einem Anteil von rund 35 Prozent am Gesamtabsatz ist China der wichtigste Markt für Personenwagen der Marke Mercedes-Benz, so die dpa. „Die Nachfrage ist enorm“, sagt auch Hubertus Troska. Daimler bekomme zwar auch in China die Auswirkungen der Halbleiterkrise zu spüren, jedoch sei China schneller aus der Corona-Krise gekommen als andere Länder.

Wie auch die Stuttgarter Zeitung berichtet, ließ Daimler in den ersten neun Monaten des Jahres fast 600.000 Autos in China zu. Das macht rund ein Drittel der gesamten Produktion der Daimler AG aus. China spielt für Daimler eine immer größere Rolle. Denn vor allem exklusive und teurere Modelle verkaufen sich auf dem chinesischen Markt gut. Das bringt folglich auch mehr Geld ein.

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