Aufschwung in China

Daimler will noch stärker auf umstrittene China-Strategie setzen

Die Zentrale der Daimler AG ist durch eine Flagge zu sehen, auf der der Mercedes-Stern abgebildet ist.
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Die Daimler AG will die Produktionskapazitäten in China ausbauen.
  • Berkan Cakir
    VonBerkan Cakir
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Die Daimler AG will die Produktionskapazitäten in China fast um 50 Prozent ausbauen. Von 2022 an soll dort zudem der Elektro-Smart hergestellt werden. Das Engagement in China ist allerdings umstritten.

Stuttgart - Für die Daimler AG ist China mittlerweile ein lukrativer Riesenmarkt. Weil dort von der Corona-Krise kaum noch etwas zu spüren und die Wirtschaft wieder im Aufschwung ist, wirkte sich das zuletzt auch positiv auf die Verkaufszahlen des Autobauers aus. Im ersten Quartal dieses Jahres legten die Stuttgarter in China um ganze 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu. Vor allem das Geschäft mit den Luxusautos boomt dort für Daimler.

Der chinesische Automarkt ist lukrativ, daher will die Daimler AG aus der Landeshauptstadt Stuttgart auch die Produktionskapazitäten in China erheblich steigern - um 45 Prozent, heißt es nun. Das geht aus einem Dokument hervor, das auf der Internetseite des Gemeinschaftsunternehmens Beijing Benz Automotive (BBAC) veröffentlicht wurde. Demnach sollen in beiden Daimler-Werken in Peking zusätzliche Arbeitstage eingelegt werden. Genauere Details dazu sind noch nicht bekannt.

Daimler AG: Auch der Elektro-Smart soll künftig in Peking gebaut werden

Die BBAC ist ein Joint Venture der Daimler AG, das zusammen mit dem chinesischen Automobilhersteller BAIC Motor 2005 gegründet wurde. Die Stuttgarter halten 49 Prozent an der Kooperation. Unternehmensangaben zufolge werden in den zwei Fabriken rund 520.000 Fahrzeuge im Jahr produziert. In einer der Fabriken rollen zudem 150.000 Elektroautos im Jahr über das Band.

Mit dem zweiten chinesischen Partner, Geely, will die Daimler AG vom nächsten Jahr an außerdem den Elektro-Smart in der Volksrepublik bauen, wie das Handelsblatt berichtet. Dieser soll dann nicht mehr wie bisher ein Zweisitzer sein. Daimler belebt die Kultmarke stattdessen als SUV wieder. Gerade der Automarkt für alternative Antriebe ist perspektivreich in China: Die Regierung plant, dass 2025 ein Fünftel der Neuwagenverkäufe batteriebetriebene, Plug-in- oder Brennstoff-Antriebe haben werden.

Daimler AG: Die Strategie, weiter in China zu wachsen, ist umstritten

Schon jetzt sind sich Auto-Experten sicher, dass die Beziehungen der Daimler AG zu China Angesichts dessen wachsen werden. Einige gehen noch weiter: „Ohne China spielt Daimler keine Rolle mehr“, sagt etwa Ferdinand Dudenhöffer gegenüber BW24. Der Direktor der Duisburger Forschungsorganisation Center for Automotive Research legt den deutschen Autoherstellern nahe, die wirtschaftliche Zusammenarbeit zu verstärken. „Die Zukunft liegt in China.“

Doch die Strategie ist umstritten. Die wachsende Abhängigkeit von der Volksrepublik gilt angesichts der Debatten um die Uiguren und Hongkong als kritisch. Chinas Macht kann für Daimler schnell und unerwartet gefährlich werden. Das zeigt der Fall vor rund drei Jahren. Ein Foto auf dem hauseigenen Instagram-Kanal von Daimler mit einem Spruch des Dalai Lama - Staatsfeind in China - genügte, um die chinesische Führung gegen sich aufzubringen. Kurz darauf wurde der Konzen als „Volksfeind“ bezeichnet. Die Daimler AG knickte ein, und der damalige Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche musste öffentlich mehrfach um Verzeihung bitten.

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