Fahrplan aus der Krise

Werke in Deutschland bedroht: Daimler-Chef prüft billigere Produktion im Ausland

  • Valentin Betz
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Die Daimler AG bemüht sich, auch in Zukunft wirtschaftlich zu bleiben. Dazu macht CEO Ola Källenius auch Vorschläge, die nicht immer auf Begeisterung stoßen. Auch die neueste Idee gehört dazu.

  • Daimler-CEO Ola Källenius schließt nicht aus, Modelle künftig verstärkt im Ausland zu produzieren.
  • Modelle mit hohen Stückzahlen könnten demnach in China oder Amerika anstatt in Deutschland gebaut werden.
  • Die neue S-Klasse von Mercedes-Benz schloss Ola Källenius davon aber aus, da es für das Luxusmodell nicht sinnvoll wäre.

Stuttgart - Die Daimler AG bemüht sich weiterhin, die negativen Auswirkungen der Corona-Krise einzudämmen und den Konzern zukunftsfähig zu machen. Gute Nachrichten sind beim Fahrzeughersteller aus Stuttgart allerdings derzeit selten. Zuletzt bekam ein Mercedes-Kunde Geld von Daimler zurück, weil der Konzern bei der Software der B-Klasse geschummelt hatte.

Die Strategien von Daimler, wirtschaftlich stabil zu bleiben, mögen effektiv sein - positiv aufgenommen werden sie indes nicht. Zuletzt hatte sich Daimler von einem französischen Werk getrennt und bei den Mitarbeitern Verzweiflung hinterlassen. Der dort gebaute Smart wird künftig in China produziert. In einem Gespräch mit der FAZ deutete Daimler-CEO Ola Källenius nun an, dass solche Produktionsverlagerungen noch öfter vorkommen könnten.

Daimler-CEO Ola Källenius: Produktion in China oder Amerika anstatt in Deutschland durchaus möglich

„Immer da, wo die Stückzahlen reichen, um in China oder in Amerika oder an einem anderen Standort zu produzieren, da handeln wir wirtschaftlich rational und würden gegebenenfalls die Produktion aufteilen“, so Daimler-CEO Ola Källenius gegenüber der FAZ. Von Daimlers Tochtergesellschaft Smart ist bereits bekannt, dass das kleine Stadtauto in Zukunft von Großaktionär Geely in China produziert wird.

Daimler AG: CEO Ola Källenius stellte am Mittwoch die lang erwartete S-Klasse vor (Symbolbild).

Für die neue S-Klasse von Mercedes-Benz plant Daimler-CEO Ola Källenius aber keine Teilung der Produktion. „Bei der Stückzahl im obersten Spitzensegment wäre eine Teilung der Produktion nicht sinnvoll. China ist der größte Automobilmarkt, aber wir verkaufen vielleicht jede dritte S-Klasse nach China. Wir werden also die Produktion der S-Klasse nicht teilen“, erklärte Ola Källenius der FAZ. Erst vergangene Woche hatte der Fahrzeughersteller die neue S-Klasse vorgestellt. Im Netz fielen die Reaktionen auf die neue Daimler S-Klasse gemischt aus. Auf Twitter wurde das neue Flaggschiff von Daimler als „Tesla-Kopie" bezeichnet.

Daimler-Konkurrent Tesla: Ola Källenius weiß keine Antwort darauf, was der E-Auto-Hersteller besser macht

Die Daimler AG musste sich zuletzt verstärkt Vergleiche mit E-Auto-Pionier Tesla gefallen lassen, stand dabei aber selten als der Sieger da. Ein ehemaliger BMW-Manager ließ zuletzt nur wenig Positives an Daimler übrig. „Tesla frisst Daimler" lautete seine vernichtende Prognose für den Fahrzeughersteller. Auch die FAZ sprach Daimler-CEO Ola Källenius auf den Erfolg von Konkurrent Tesla an. Auf die Frage, was der E-Auto-Hersteller richtiger mache als die Daimler AG, hatte er allerdings keine gute Antwort - oder wollte sie nicht öffentlich teilen. „Auf jeden Fall kann dessen Börsenwert uns als Inspiration dienen“, so Ola Källenius ausweichend zur FAZ. Zum Vergleich: Tesla ist derzeit an der Börse 300 Milliarden Euro wert, während Daimler es gerade auf 45 Milliarden Euro Börsenwert bringt.

Daimler-CEO Ola Källenius wies gegenüber der FAZ darauf hin, dass Tesla noch ein junges Unternehmen sei, während die Strukturen bei Daimler mit dem Verbrennungsmotor begannen. „Aber wir können als etablierter Hersteller nicht einfach 300.000 Mitarbeiter nach Hause schicken und mit 20.000 wieder eingestellten eine Elektroauto-Firma aufbauen“, erklärte Ola Källenius der FAZ. Gleichzeitig machte der Vorstand des Fahrzeugherstellers eine Kampfansage an Tesla: „Künftig wird für alle neuen Modellreihen das Elektroauto zuerst entwickelt. Wir haben die Weichen gestellt. Aber die Reise geht mindestens über zehn Jahre.“

Rubriklistenbild: © Marijan Murat

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