95 Prozent der Jobs betroffen

Regierung hat ganze Sparte zum Sterben verurteilt - Daimler, BMW & Co. fordern Wiedergutmachung

  • Valentin Betz
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Fahrzeughersteller wie Daimler, BMW und Co. sind massiv von der Corona-Pandemie bedroht. Eine Kaufprämie für E-Autos und Hybride sollte das ändern. Die Konzerne fordern jetzt weitere Hilfen.

  • Die Autoindustrie und Politiker fordern von Angela Merkel während der Corona-Pandemie mehr Hilfe für Fahrzeughersteller.
  • Neben den Corona-Auswirkungen geht es in dem Treffen mit Daimler, BMW & Co. auch um Themen wie Digitalisierung und Vernetzung.
  • Eine Kaufprämie für E-Autos und Hybride als Hilfe war für viele Fahrzeughersteller eher kontraproduktiv.

Stuttgart - Das Coronavirus traf die Wirtschaft in Deutschland unvorbereitet. Wegen der Corona-Pandemie bangen viele Unternehmen um ihre Existenz. Die großen Fahrzeughersteller wie Daimler, BMW oder VW bilden da keine Ausnahme. Daimler traf das Coronavirus mit voller Wucht.

Im April sorgte die Corona-Pandemie für eine Schockvorhersage. Davon ist gerade in Baden-Württemberg die Zulieferer-Industrie betroffen. Ein Daimler-Zulieferer ist zu einem massivem Stellenabbau gezwungen. Um den Unternehmen zu helfen und die Folgen für die Wirtschaft abzufedern, hatte die Bundesregierung deshalb ein Konjunkturpaket verabschiedet. Das Paket beinhaltete auch eine Kaufprämie für E-Autos und Hybride, die Fahrzeugherstellern wie der Daimler AG helfen sollte.

Krise von Daimler, BMW und Co.: Kaufprämie für E-Autos und Hybride als Todesurteil für Verbrenner

Doch der Konzern zeigte sich nicht dankbar, sondern wütend. Denn mit der Prämie habe die Regierung laut Daimler einen Bereich zum Sterben verurteilt, an dem 95 Prozent der Jobs in der Branche hängen. Denn dieser Prozentsatz der Angestellten von deutschen Fahrzeugherstellern arbeitet an Verbrennungsmotoren, nicht am E-Auto.

Die Kaufprämie schloss Verbrenner aber explizit aus. Jetzt will sich Bundeskanzlerin Angela Merkel mit der Autoindustrie, Gewerkschaften und Politikern über die Lage durch die Corona-Pandemie beraten. Besonders letztere fordern vorab eine Wiedergutmachung von der Kanzlerin.

Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht hatte die Kaufprämie für E-Autos und Hybride von Beginn an kritisiert und deren Wirkung angezweifelt. Denn beide Modelle verkauften sich bislang nicht gut, das wirtschaftliche Überleben hinge viel mehr an den Verbrennern. Wie der Aktionär berichtet, erhalten die Fahrzeughersteller um Daimler vor dem Treffen mit Angela Merkel im Rahmen der Initiative „Konzertierte Aktion Mobilität“ ausgerechnet Unterstützung von Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil von der SPD. Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht hatte die SPD als hauptverantwortlichen Gegner der Kaufprämie für Verbrenner ausgemacht.

Die Daimler AG habe aus „hemmungslosem Größenwahn“ gehandelt, sagt der Trigema-Chef

Stephan Weil hatte gegenüber der Rheinischen Post betont, dass „Impulse für die Nachfrage“ weiterhin „dringend erforderlich" seien. Der Ministerpräsident von Niedersachsen stärkt damit VW den Rücken, der Konzern hat seinen Hauptsitz in dem Bundesland. Wie genau die Impulse aussehen sollen, erklärte Stephan Weil allerdings nicht. Neben Stephan Weil nehmen auch Markus Söder und Winfried Kretschmann an dem Treffen mit Angela Merkel teil. Die Ministerpräsidenten von Bayern und Baden-Württemberg, wo BMW und Daimler ihre Firmensitze haben, waren bereits mit der Forderung einer Abwrackprämie für ältere Autos auch beim Kauf moderner Verbrenner gescheitert.

Treffen mit Angela Merkel: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Daimler, BMW und Co. eigentlich nicht im Fokus

Das Treffen von Autoindustrie und Politikern mit Angela Merkel soll seit 2019 eigentlich einen Austausch von Politik und Autobranche bieten, so der Aktionär. Entsprechend sollte es auch dieses Mal um strategische Fragen wie Digitalisierung, Vernetzung und autonomes Fahren gehen. Denn auch diese Bereiche machen Fahrzeugherstellern wie der Daimler AG zu schaffen, ebenso wie der Übergang zu alternativen Antrieben.

Doch die konkrete Bedrohung durch die Corona-Pandemie scheint die Automobilbranche momentan stärker zu beschäftigen - obwohl sich die Zulassungszahlen schneller erholt haben, als viele Experten erwartet hatten, so der Aktionär. Die Aussagen der Konzernchefs seien von Monat zu Monat positiver geworden.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Andreas Arnold/dpa

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