Sparpaket erst der Anfang

Plötzliche Wende bei Daimler: Betriebsratschef warnt, dass doch ein Stellenabbau droht

  • Lisa Schönhaar
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Die Daimler AG ist auf Sparkurs. Zwar wurde eine Einigung erreicht, die tiefe Einschnitte für Mitarbeiter bedeutet. Doch der Betriebsratschef warnt, dass doch ein Stellenabbau drohen könnte.

  • Die Daimler AG muss sparen: Von massivem Stellenabbau war die Rede - es drohten bis zu 20.000 Entlassungen.
  • Doch Daimler-Vorstand und Betriebsrat einigten sich auf Kurzarbeit und den Verzicht auf Gewinnbeteiligung statt Stellenabbau.
  • Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht erwartet jedoch, dass dem Automobilhersteller aus Stuttgart dennoch weitere Stellenkürzungen drohen könnten.

Stuttgart - Die Daimler AG ist weiterhin auf Sparkurs. Das Coronavirus in Baden-Württemberg ist nicht der einzige Grund, aus dem Daimler-CEO Ola Källenius die strengen Sparmaßnahmen durchsetzt. Der Fahrzeughersteller aus der Landeshauptstadt Stuttgart strauchelt angesichts der Umstrukturierung innerhalb des Konzerns und des Umstiegs auf Elektro-Autos.

Für einige Zeit stand im Raum, ein Schlupfloch für Massenentlassungen bei der Daimler AG zu nutzen - und damit ein Versprechen an die Daimler-Mitarbeiter zu brechen. Kurz darauf konnte jedoch eine Einigung bei der Daimler AG erzielt werden. Demnach wird es keinen Stellenabbau bei dem Fahrzeughersteller aus Stuttgart geben, stattdessen wird die Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich um zwei Stunden gekürzt. Außerdem entfällt der Bonus im Krisen-Jahr 2020. Von der Gewerkschaft CGM ernteten der Daimler-Betriebsrat und die IG Metall heftige Kritik für diese Entscheidung.

Daimler AG erzielt Einigung mit Betriebsrat - doch Stellenabbau beim Fahrzeughersteller könnte trotzdem noch drohen

Daimler AG in der Krise: Betriebsratschef Michael Brecht warnt, dass doch ein Stellenabbau droht.

Der Stellenabbau sei damit ausgeschlossen, sagte Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht. Es soll vorerst dabei bleiben, dass  Daimler AG bei 70.000 Mitarbeitern die Arbeitszeit kürzt und die Prämie streicht. Die Übereinkunft konnte nach harten Verhandlungen zwischen dem Daimler-Vorstand um Ola Källenius und dem Daimler-Betriebsrat um Michael Brecht erzielt werden.

Nun äußerte sich Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht gegenüber der Automobilwoche erneut zu den Stellenstreichungen in der Daimler AG. Plötzlich scheint diese Option doch nicht vom Tisch zu sein. Nach dem Sparpaket aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg erwartet Brecht weitere Einschnitte bei dem Fahrzeughersteller aus Stuttgart. „Klar ist auch, dass wir damit nicht die ganzen Themen lösen, die noch auf uns zukommen“, sagte Brecht. Weitere Stellenkürzungen könnten die Folge sein.

Mit den angesprochenen Themen könnte vor allem gemeint sein, dass der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Daimler AG, Dieter Zetsche, sich zu lange auf der Marktherrschaft von Mercedes-Benz ausgeruht und den Wandel hin zum E-Auto verpasst hat. Auch Daimler-CEO Ola Källenius musste sich kürzlich einer heftigen Abrechnung stellen: Er entschied, die Transformation des Daimler-Konzerns durch eine Rückkehr der Luxuslimousine Maybach und verstärkten Fokus auf die S-Klasse zu finanzieren. 

Daimler AG: Betriebsratschef Brecht warnt, die Einsparsumme bewirke einen Einmaleffekt und löse nicht anstehende Themen

Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht sagte zur Automobilwoche, in einem Konzern mit 300.000 Mitarbeitern wie der Daimler AG könne vieles auch über Fluktuation geregelt werden. „Das Durchschnittsalter beträgt 46 Jahre, da bietet die Demografie einen sozialverträglichen Ansatz“, so Brecht. Ein wesentlicher Punkt der Einigung zwischen Daimler-Vorstand Ola Källenius und Betriebsratschef Brecht ist neben der Reduzierung der Arbeitszeit und der Streichung der Prämie auch die automatische Umwandlung des sogenannten tariflichen Zusatzgeldes in freie Tage. Brecht hatte bereits damals gewarnt, ein Einsparvolumen von 450 Millionen Euro sei ein Einmaleffekt, der einen zeitlichen Puffer verschaffe. „Das trägt für ein Jahr zur Entspannung bei, kann aber nicht die ganzen anstehenden Themen lösen.“

Die Gewerkschaft CGM zweifelt an der Einigung zwischen Daimler-Betriebsratsvorsitzendem und Daimler-Vorstand. Der Vorstand um CEO Ola Källenius habe sich ausdrücklich vorbehalten, „notwendige Maßnahmen“ jederzeit nachverhandeln zu können - nicht mit Michael Brecht, sondern mit dem Betriebsrat der im Einzelfall betroffenen Standorte der Daimler AG. Die Einigung über den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen sei demnach nichts weiter als eine nicht bindende Absichtserklärung, kritisiert die Gewerkschaft.

Das Coronavirus in Baden-Württemberg hatte gravierende Auswirkungen auf die Daimler AG. Die Fahrzeughersteller aus Stuttgart stürzte in die „größte Krise der Nachkriegszeit“, wie eine hochrangige Daimler-Führungskraft sagte. Rote Zahlen durch die Corona-Krise zwingen den Autobauer zur Verschärfung seines Sparkurses. Im zweiten Quartal machte der Konzern rund zwei Milliarden Euro Verlust: Fast ein Drittel des Umsatzes brach weg.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat

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