„Kürzungen bald zurücknehmen“

70.000 Mitarbeiter betroffen: Daimler soll heftig kritisierte Maßnahme zurücknehmen

Ein Mitarbeiter von Mercedes-Benz befestigt im Werk „Factory 56“ ein Mercedes Stern an einer S-Klasse.
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Der Daimler-Betriebsratschef fordert, eine Maßnahme zurückzunehmen, die die Mitarbeiter belastet.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Michael Brecht, Betriebsratschef der Daimler AG, plädiert dafür, die Kürzung von Arbeitszeit und Lohn, die zahlreiche Mitarbeiter betrifft, zurückzunehmen.

Stuttgart - Aufgrund der Coronakrise hatte die Daimler AG zeitweise mit ernsten wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. Wegen Lieferengpässen herrschte zudem wochenlang Stillstand und Kurzarbeit in mehreren Werken. Um Personalkosten zu senken und einem weiteren Stellenabbau vorzubeugen, entschied sich Daimler im vergangenen Sommer dafür, 70.0000 Mitarbeitern die Arbeitszeit um zwei Stunden zu kürzen und die Prämie zu streichen. Damit versprach der Autobauer, die Beschäftigung bis Ende 2029 zu sichern.

Da die Auftragslage sich derzeit wieder bessert, will Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht den Konzern dazu bringen, die im vergangenen Jahr ausgehandelten Kürzungen der Arbeitszeit wieder rückgängig zu machen. „Wir wollen natürlich, dass die Kürzungen möglichst bald wieder zurückgenommen werden und haben dem Vorstand schon gesagt, dass wir schnellstmöglich darüber verhandeln wollen“, sagte Brecht der Stuttgarter Zeitung.

Daimler AG: Betriebsratschef Michael Brecht mehr denn je als Vermittler gefragt

Der Betriebsratschef muss derzeit viel Überzeugungsarbeit leisten. Die überraschende Nachricht, dass Daimler sein Geschäft in zwei Unternehmen aufspalten will, ließ Mitarbeiter aufhorchen. Künftig will der Stuttgarter Autobauer unter dem Namen Mercedes-Benz AG Autos und Vans produzieren, die LKW- und Bus-Sparte soll dagegen als Daimler Truck AG eigenständig an die Börse gehen.

Wegen der Trennung machen sich einige Angestellte Sorgen um ihre Zukunft und fürchten, dass die Firma auf dem Kapitalmarkt geschluckt werden könnte. Michael Brecht betonte jedoch: „Die Ängste unserer Mitarbeiter sind unbegründet.“ Man bleibe weiterhin ein Gemeinschaftsbetrieb.

Da sich nach den Corona-bedingten Problemen derzeit laut Brecht die Auftragsbücher bei Daimler wieder füllen, gebe es mittlerweile hier und da schon wieder Überstunden. Auch bei der LKW-Produktion herrsche wieder Auftrieb. „Wir arbeiten in Wörth schon an einigen Samstagen. Die Auftragseingänge sind bei den Trucks sehr gut und auf dem höchsten Stand seit einem Jahr“, sagte Brecht gegenüber der Stuttgarter Zeitung. „Nicht nur der amerikanische Markt hat deutlich angezogen, auch Europa kommt seit dem Spätjahr wieder zurück. Ohne die Corona-Beschränkungen, die unter anderem dazu führen, dass wir die Bänder entzerren müssen, könnten wir angesichts dieser Bestellungen heute schon deutlich mehr produzieren.“

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