Wichtiger Rohstoff

Daimler und Co.: Produktion der gesamten Autobranche in Gefahr - „massive Unterbrechungen“

Eine rote Ampel vor der Daimler Außenstelle in Stuttgart-Möhringen
+
Daimler: Die Autoindustrie hat den Mangel an Halbleitern noch kaum überwunden, da steht schon die nächste Krise an.
  • Valentin Betz
    VonValentin Betz
    schließen

Daimler und Co. kämpfen mit der weltweiten Chipkrise. Bald könnte eine weitere Komponente fehlen, von der die Autoindustrie abhängt.

Stuttgart - Die weltweite Corona-Pandemie hat Daimler und Co. nicht nur wegen eingebrochener Umsätze geschadet. Auch die Lieferketten bereiten den Fahrzeugherstellern Sorge. Die Verfügbarkeit von Halbleitern ist seit Monaten eingeschränkt. Daimler-Kunden müssen warten, weil „wesentliche Bauteile fehlen“.

Der Konkurrenz aus Stuttgart erging es seither nicht besser. Porsche baute wegen der Chipkrise sogar Dummys ein. Das zeigt, wie komplex die Fahrzeugherstellung ist. Am Ende rollt das Auto zwar aus dem Werk eines Herstellers, verbaut sind aber Teile von zahlreichen Lieferanten. Dieses Problem könnte Daimler und Co. noch weitaus länger beschäftigen. Wie das Handelsblatt berichtet, bahnt sich schon beim nächsten wichtigen Rohstoff eine Knappheit an.

Daimler und Co.: Drohender Aluminiummangel gefährdet gesamte Autoindustrie

Denn aktuell wird der Bestand an Aluminium knapp. „Wir hören bereits von ersten Zulieferern und Vorlieferanten, dass deren Aluminiumlager derzeit rapide schrumpfen“, erklärt Rohstoffexperte Lars-Peter Häfele dem Handelsblatt. Für die Autoindustrie könnte das noch schlimmer werden als die Chipkrise. Keine Branche in Deutschland ist so abhängig von Aluminium, sie verbraucht fast die Hälfte des gesamten deutschen Aluminiumbedarfs.

Anders als bei den Halbleitern macht Aluminium viel am tatsächlichen Erscheinungsbild der Fahrzeuge aus. Gehäuse von Elektromotoren und der Leistungselektronik werden ebenso daraus gefertigt wie Teile des Motorblocks, Felgen und Bremsklammern. In einem Verbrenner stecken durchschnittlich 90 bis 150 Kilogramm Aluminium, in E-Autos in der Spitze sogar 600 Kilogramm. Der Rohstoffexperte schätzt, dass Aluminium und das ebenfalls zentrale Magnesium Anfang des kommenden Jahres knapp werden. „Das würde dann erneute massive Produktionsunterbrechungen auslösen“, warnt Häfele.

Daimler und Co. sind von China abhängig - und machen das Problem noch schlimmer

Die drohende Knappheit wird voraussichtlich von einem einzigen Land verursacht. China fördert fast 90 Prozent des Kernbestandteils der Aluminiumproduktion: Magnesium. Als wäre die Lieferkette nicht schon komplex genug, ist eigentlich die Energiewende für den Mangel verantwortlich.

China baut bei der Energiegewinnung noch massiv auf Kohle, will aber die selbst gesteckte CO2-Reduktion einhalten und drosselt deshalb den Verbrauch. Aber für die Produktion von Magnesium sind enorme Energiemengen notwendig. Also wird weniger Magnesium produziert, in der Folge gibt es kaum noch Aluminium und die Preise dafür gehen durch die Decke. Angesichts der Preissteigerung tätigen Autozulieferer und Lieferanten Hamsterkäufe - und verknappen damit das Aluminiumangebot noch schneller.

Abhängigkeit von China: Daimler und Co. haben den Mangel „stark unterschätzt“

Anhand der drohenden Knappheit von Aluminium für Daimler und Co. zeigt sich, dass sich die Konzerne zu stark einseitig von einer Lieferquelle abhängig gemacht haben, so Rohstoffexperte Lars-Peter Häfele im Handelsblatt. Zudem seien viele zu sehr mit der Chipkrise beschäftigt gewesen und hätten die drohenden Engpässe bei anderen Rohstoffen vernachlässigt. „Das Magnesiumproblem wurde dabei nicht unbedingt übersehen, aber stark unterschätzt“, erklärt er weiter.

Auch Sparsamkeit führte zu der einseitigen Abhängigkeit von China. In Zeiten ohne Mangel bedeutet es schlichtweg höhere Kosten, Rohstoffe von mehreren Quellen zu beziehen. Die Wirtschaft in Baden-Württemberg ist vom Aluminiummangel insbesondere durch Mahle und ZF betroffen. Bei beiden machen Aluminium und Magnesium ein geschätztes Einkaufsvolumen von über 20 Prozent aus.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare