Sparplan beim Autobauer

Daimler-Finanzchef fährt harten Sparkurs, der Mitarbeiter trifft - „es geht um jeden Cent“

Ein Mitarbeiter von Mercedes-Benz bringt im Werk den Stern an einem Auto der C-Klasse an.
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Die Daimler AG verfolgt aufgrund der groß angelegten Transformation zum E-Auto einen strengen Sparplan.
  • Julian Baumann
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Die Daimler AG verfolgt einen strengen Sparplan. Laut dem Finanzchef des Autobauers muss auf allen Ebenen „Cashflow-orientiert“ gearbeitet werden.

Stuttgart - Als Daimler-Chef Ola Källenius den Posten an der Spitze des Autokonzerns aus der Landeshauptstadt Stuttgart im Mai 2019 antrat, kündigte er einen harten Sparplan an. Die Daimler AG hatte zu diesem Zeitpunkt mit Altlasten und der anhaltenden Diesel-Affäre zu kämpfen. Im vergangenen Jahr kam dann noch die Krise aufgrund des Coronavirus und die groß angelegte Transformation zur E-Mobilität hinzu. Inzwischen verfolgt der Autobauer einen noch strengeren Sparplan als von Ola Källenius ursprünglich geplant. Auch Stellenabbau ist Teil des Programms.

Im vergangenen Jahr nahm die Daimler AG trotz aller Rückschläge einen Milliardengewinn ein, der Sparplan wird dennoch fortgesetzt. Daimler-CEO Källenius will trotz üppiger Gewinne tausende Stellen streichen. In einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung sprach Harald Wilhelm, Finanzvorstand des Stuttgarter Autobauers, unter anderem über die Notwendigkeit der drastischen Sparmaßnahmen.

Daimler AG: „Das Geld zusammenhalten war essenziell“, sagt der Finanzchef

Mit der vollelektrischen Limousine EQS leitete die Daimler AG vor rund fünf Monaten eine neue Ära ein. Das E-Auto war das erste Modell von Mercedes-Benz, das auf einer neuen E-Auto-Architektur basierte. Der Autobauer will ab 2030 nur noch batteriebetriebene Autos bauen und bereits ab 2025 sollen alle Mercedes-Modelle auch in einer elektrischen Version vorliegen. Die stark beschleunigte E-Auto-Strategie erfordert jedoch einige Investitionen.

Beispielsweise müssen die Werke auf die Produktion von E-Autos umgestellt, neue Fachkräfte und Software-Spezialisten eingestellt und auch neue Software-Technologien vorangetrieben werden. „Insgesamt investieren wir bei Daimler in den nächsten Jahren über 70 Milliarden Euro“, sagte Harald Wilhelm im Gespräch mit der Stuttgarter Zeitung.

Dass eine solche Investition auch mit vielen Opfern einhergehen werde, sei der Daimler AG bereits vor der Corona-Pandemie bewusst gewesen. „Das Geld zusammenzuhalten war essenziell, und wir haben damit sehr kurzfristig Erfolge realisiert“, erklärt Wilhelm. „Dann gab es nur noch einen Fahrmodus, und der hieß nicht Komfort.“ Die Einsparungen bei Daimler betrafen neben dem finanziellen Aspekt auch die Personalebene. Durch die Umstellung auf das E-Auto entfallen beispielsweise viele Tätigkeiten. Den Mitarbeitern sollen über ein internes „Jobforum“ neue Aufgaben zugeteilt werden, doch in Bezug auf dieses Vorgehen gibt es viel Kritik. Es sei ein „Albtraum, aus dem man nicht erwacht“, hieß es von der Belegschaft.

Daimler AG-Finanzchef: „Jeder muss mit dem Geld des Unternehmens umgehen, als wäre es das eigene“

Der Sparplan bei der Daimler AG wird zwar von der Führungsebene bestimmt, jedoch auf dem Rücken der Belegschaft ausgetragen. Laut Finanzchef Harald Wilhelm musste klar kommuniziert werden, dass auf allen Ebenen „Cashflow-orientiert“ gearbeitet werden müsse. „Jeder muss mit dem Geld des Unternehmens umgehen, als wäre es das eigene“, so Wilhelm gegenüber der Stuttgarter Zeitung. Zu diesem Zweck wurde ein langfristiges Programm namens „We are CFO“ (Chief Financial Officer, Finanzvorstand Anm.d.Red.) ins Leben gerufen.

Im Rahmen des groß angelegten Sparkurses bei der Daimler AG berichtet Harald Wilhelm von einem internen Beitrag aus der „We are CFO“-Reihe. „Ein Meister aus der Produktion schreibt darin, dass es schon bei den kleinen Dingen anfängt“, erklärt er. „Wenn in der Montage ein paar Schrauben auf den Boden fallen, die noch tadellos sind, dann hebt man sie auf – auch wenn es nur um Cent-Beträge geht.“

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