Kampf gegen Plagiate

Daimler: Millionen gefälschter Ersatzteile im Umlauf - „höhere Margen als im Drogenhandel“

Eine E-Klasse von Mercedes-Benz fährt auf dem Lausitzring.
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Die Daimler AG kämpft gegen den Handel mit gefälschten und minderwertigen Ersatzteilen.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Der Handel mit gefälschten Ersatzteilen steigt seit Beginn der Corona-Pandemie stark an. Auch die Daimler AG ist davon betroffen und will verstärkt dagegen vorgehen.

Stuttgart - Die Daimler AG ist einer der größten Automobilhersteller der Welt und blickt auf eine lange Geschichte des Auto- und Fahrzeugbaus zurück. Dementsprechend viele Modelle der Marke Mercedes-Benz sind auf den Straßen unterwegs - nicht nur in Baden-Württemberg, sondern weltweit. Vor einigen Wochen musste Daimler jedoch über 340.000 Autos zurückrufen, wegen Problemen mit der Rückfahrtkamera. Der Defekt wurde anschließend durch ein Software-Update in einer Niederlassung des schwäbischen Autobauers behoben.

Aktuell ist beim Gang in eine Mercedes-Werkstatt jedoch Vorsicht geboten. Seit Beginn der anhaltenden Corona-Pandemie ist der illegale Handel mit gefälschten und minderwertigen Ersatzteilen nämlich sehr stark gestiegen, heißt es in einer Pressemitteilung des Konzerns aus der Landeshauptstadt Stuttgart. Das kann auch eine Gefahr für die Sicherheit und die Gesundheit des jeweiligen Fahrers bedeuten. Die Daimler AG kündigte an, verstärkt gegen solche Fälschungen vorgehen zu wollen.

Daimler AG: 2020 wurden über 1,7 Millionen gefälschter Bauteile beschlagnahmt

Die deutsche Autoindustrie gilt trotz steigender Konkurrenz aus anderen Ländern noch immer als der Mittelpunkt des Automobilbaus. Weltweit schätzen Autofahrer die Qualität und den Sicherheitsanspruch „Made in Germany“. Um diesen Anspruch aufrechtzuerhalten, müssen nicht nur die Fahrzeuge der Daimler AG den Qualitätsstandard erfüllen, sondern auch die Ersatzteile, die in den Werkstätten verbaut werden. Daimler musste jedoch im vergangenen Jahr die Aktivitäten im Kampf gegen gefälschte Bauteile stark erhöhen, heißt es in der Pressemitteilung. Der Fokus lag dabei vor allem auf sicherheitsrelevanten Produkten wie Bremsscheiben, Felgen und Rädern.

Daimler sagt Produktfälschern den Kampf an. Im Fokus stehen sicherheitsrelevante Produkte wie Bremsscheiben und Felgen.

Die Corona-Pandemie habe den Kampf der Daimler AG gegen gefälschte Ersatzteile zwar deutlich behindert, dennoch konnte der Konzern in Zusammenarbeit mit Behörden viele dieser Bauteile aus dem Verkehr ziehen. „2020 wurden über 1,7 Mio. gefälschte Daimler-Produkte beschlagnahmt. Wir haben über 550 Razzien initiiert und begleitet“, sagt Florian Adt, Leiter Legal Product Intellectual Property. „Das ist eine leichte Steigerung im Vergleich zum Vorjahr – trotz der Herausforderungen durch die Pandemie.“ Aufgrund der Lockdowns mussten einige Razzien jedoch verschoben werden, da die Gerichte ihre Arbeit kurzzeitig einstellten.

Viele gefälschte Daimler-Ersatzteile im Umlauf: „Oft höhere Margen als im Drogenhandel“

Die Daimler AG muss beim Bau ihrer Fahrzeuge auf gesetzliche Sicherheitsbestimmung achten. Diese erfüllen die Plagiate jedoch nicht, schreibt das Unternehmen. „Sie stellen deshalb ein erhebliches Risiko für die Gesundheit und Sicherheit der Kunden dar.“ Zudem würden die illegal kopierten Bauteile oftmals unter menschenunwürdigen Bedingungen ohne Rücksicht auf Umweltstandards, Arbeitsschutz oder Menschenrechte hergestellt. „Oft gehen die Produktpiraten mit hoher krimineller Energie vor und erzielen laut einer Studie des Wirtschaftsverbands Unifab oft höhere Margen als im Drogenhandel“, heißt es in der Mitteilung.

Im vergangenen Jahr ist zudem auch der Online-Handel für gefälschte Bauteile durch die Corona-Pandemie stark angestiegen. „Insgesamt konnten wir 138.000 gefälschte Produkte von Online-Plattformen entfernen lassen“, sagt Florian Adt. „Das ist etwa dreimal so viel wie im Vergleichszeitraum vor der Pandemie.“

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