Erneuter Stillstand durch Chipkrise

Tausende Daimler-Mitarbeiter müssen in Kurzarbeit - „Kapitalismus am Limit“

Im Werk Rastatt der Daimler AG wird an einer Mercedes-Benz A-Klasse der Mercedesstern angebracht.
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Erneuter Stillstand durch die Chipkrise: Mitarbeiter mehrerer Daimler-Werke müssen wieder in Kurzarbeit.
  • Julian Baumann
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Die Chip-Krise in der Automobilbranche ist noch immer nicht überstanden: Die Daimler AG schickt deshalb erneut Tausende Mitarbeiter in Kurzarbeit. Eine Übersicht über die Lieferengpässe beim Stuttgarter Autobauer.

Stuttgart/Rastatt/Bremen - Bei der Daimler AG scheint es inzwischen wieder bergauf zu gehen. Die Aktie des Stuttgarter Autokonzerns steigt und mit dem elektrischen EQS haben die Schwaben kürzlich ihre E-Auto-Hoffnung ins Rennen geschickt. Damit kann Daimler sogar zum Angst-Gegner für Elon Musk werden. Tesla kündigte als Reaktion ein neues E-Auto-Modell an. Die bereits seit mehreren Monaten anhaltende Chipkrise, ausgelöst durch massiven Nachschubmangel von wichtigen Halbleiterkomponenten, ist jedoch noch immer nicht überstanden.

Im vergangenen Jahr hatte die Daimler AG aufgrund der Corona-Krise, Altlasten und der groß angelegten Transformation zur E-Mobilität mit Problemen zu kämpfen. Das forderte auch bei den Mitarbeitern zahlreiche Opfer. Allein in sechs deutschen Daimler-Werken drohte ein Abbau von rund 20.000 Arbeitsplätzen. Obwohl die Stuttgarter kurzzeitig in die roten Zahlen rutschten, nahm Daimler letztendlich einen Milliardengewinn ein und schüttete große Summen an die Aktionäre aus. Seit Beginn des Jahres machen jedoch massive Lieferengpässe von Halbleiterkomponenten der gesamten Autoindustrie Probleme. Die Daimler AG muss erneut Mitarbeiter in mehreren Werken in die Kurzarbeit schicken, wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet.

Daimler AG: Die Chipkrise beim Stuttgarter Autokonzern

Die Chipkrise bei der Daimler AG hatte bereits im Januar massive Folgen für die Produktion der Stuttgarter. Ein Grund für den mangelnden Nachschub an Halbleiterkomponenten war die Corona-Krise, die noch immer massive Folgen für die weltweite Wirtschaft hat. Bei den Halbleitern handelt es sich um Komponenten, die in nahezu jedes Fahrzeugmodell der Schwaben eingebaut werden, beispielsweise auch in die S-Klasse und das elektrische Pendant EQS. Im Januar kam es erstmals zum Produktionstopp im Daimler-Werk in Rastatt, 100.000 Fahrzeuge konnten nicht fertiggestellt werden. Nur wenige Tage später wurde auch die Produktion im Werk in Bremen drastisch gedrosselt. Das führte an beiden Daimler-Standorten zu einer deutlichen Reduzierung der Arbeitszeiten von Tausenden Mitarbeitern.

Im Januar hieß es vonseiten der Automobilzulieferer, die Autobauer hätten die Nachschublieferung bereits im vergangenen Jahr deutlich gedrosselt und seien somit selbst für die Chipkrise verantwortlich. Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, nannte jedoch die Corona-Pandemie als Grund für den Engpass. Die Volkswagen AG warf laut mehreren Medienberichten ihrerseits den Autozulieferern wie Bosch und Continental vor, für die Krise verantwortlich zu sein. Der Mischkonzern Bosch aus der Landeshauptstadt Stuttgart ist der größte Autozulieferer der Welt und eröffnete vor wenigen Wochen eine Chip-Fabrik in Dresden, die das Problem der Automobilindustrie bekämpft.

Die Chipkrise bei der Daimler AG setzte sich in den ersten Monaten des Jahres 2021 fort. Die zwischenzeitliche Blockade des Suezkanals durch das Containerschiff „Ever Given“ verstärkte den Lieferengpass noch. Nachdem die Daimler AG in den Werken Rastatt und Bremen Kurzarbeit angemeldet und die Produktion stark gedrosselt hatte, war im Februar auch der Standort in Hamburg betroffen. Nachdem sich die Lage zwischenzeitlich wieder etwas entspannte, kam es im April erneut zu massiven Lieferengpässen bei den Computerchips und die Mitarbeiter in Bremen und Rastatt mussten erneut in Kurzarbeit. Im Daimler-Werk in Bremen arbeiten 12.000 Mitarbeiter, in Rastatt immerhin 6.500.

Daimler AG: Chipkrise ist doch noch nicht überstanden - Konzern meldet erneut Kurzarbeit an

Die Kurzarbeit für Tausende Mitarbeiter der Daimler AG in Bremen und Rastatt wurde im April von ursprünglich einer Woche auf unbestimmte Zeit verlängert. Bei der Lieferung der Halbleiterkomponenten hatte sich in der gesamten Automobilindustrie noch immer keine wirkliche Besserung eingestellt. Daimler konfrontierte die Mitarbeiter mit einer heftigen Ansage: Demnach sei Kurzarbeit bis 2022 möglich. Aufgrund der mangelnden Komponenten stoppte Daimler auch die Produktion der meistverkauften Modellreihe im Werk in Sindelfingen bei Stuttgart temporär.

Mitte Mai konnten die Mitarbeiter der Daimler AG endlich aufatmen. Der Stuttgarter Konzern holte Tausende Angestellte in Rastatt und Sindelfingen aus der Kurzarbeit zurück. Die Produktion am Standort Bremen war bereits zuvor wieder angelaufen. Das scheint jedoch erneut nur eine temporäre Entspannung der Lage gewesen zu sein. Durch die erneuten Lieferengpässe bei den Halbleiterkomponenten kommt es derzeit bei Daimler wieder zum Stillstand und Daimler-Mitarbeiter in Bremen müssen zurück in die Kurzarbeit. Von dieser erneuten Maßnahme sind jedoch mehrere Werke betroffen. In dieser Woche müssen Tausende Mitarbeiter in Bremen und Rastatt zurück in die Kurzarbeit, eine genaue Zahl nannte der Konzern auf Anfrage der dpa allerdings nicht.

Daimler AG: Erneut Kurzarbeit in Bremen, Rastatt und einem Werk in Ungarn

Die Chipkrise beim Stuttgarter Autobauer Daimler AG dauert also an. Die Kurzarbeit sei zunächst nur bis Ende der laufenden Woche beantragt, heißt es aus dem Konzern. Die Maßnahme beträfe jedoch nicht alle Mitarbeiter an den Standorten. In Bremen sei jedoch ein Großteil der Angestellten betroffen und in Rastatt gehe es um Teilbereiche der Produktion, berichtet die dpa. Zudem sei auch ein Werk der Daimler AG im ungarischen Kecskemét in dieser Woche von Schichtstreichungen betroffen. Dort arbeiten rund 4.700 Menschen für den Autobauer.

Der erneute Lieferengpass von Computerchips zur Fahrzeugproduktion ist ein herber Schlag für den schwäbischen Autobauer. In den vergangenen Wochen ging es bei der Daimler AG stark bergauf. Die Nachfrage nach der S-Klasse ist deutlich gestiegen und auch der EQS lief gut an. Zudem steigt auch der Aktienkurs des Autokonzerns derzeit an. Das führt in Verbindung mit der erneuten Kurzarbeit jedoch auch zu Kritik. „Kapitalismus am Limit“, schrieb der Grünen-Politiker Alexander Salomon auf Twitter. „Daimler schickt Mitarbeiter in Kurzarbeit und der Aktienkurs steigt.“

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