Elektroautos im Test

Daimler: E-Auto-Modell könnte für Kunden bittere Enttäuschung werden

Ein Mercedes EQC fährt auf einer Straße
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Schnitt im Test schlecht ab: der E-Mercedes EQC.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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E-Autos sollen die Umwelt schonen. Aber es gehen nicht alle Modelle sparsam mit dem Strom um. Ein Daimler-Modell schnitt in einem Test besonders schlecht ab.

Stuttgart - Beim Kauf eines E-Autos spielt für viele vor allem dessen Reichweite eine große Rolle. Die Angst, irgendwo einfach liegenzubleiben, schreckt viele von der Anschaffung eines elektrisch betriebenen Fahrzeugs ab. Konzerne wie die Daimler AG investieren daher nicht nur in die Entwicklung reichweitenstarker Elektromotoren, sondern auch in die Ladeinfrastruktur. Die Schnellladestationen von Ionity will Daimler noch schneller ausbauen.

Um die Reichweite der Autos zu steigern, setzen die Autobauer meist auf große und schwere Batterien. Das Problem daran: Manche Modelle können so zu wahren Klimasündern werden, wie ein Ranking des Automobilclubs ADAC zeigt. Unter ihnen ist auch ein E-Auto der Mercedes-Benz AG.

Wie effizient sind E-Autos? ADAC machte den Test

Ein wichtiger Vergleichswert von E-Autos ist deren Verbrauch auf 100 Kilometer. Je effizienter die Autos unterwegs sind, desto weiter kommen sie, schreibt das Handelsblatt. Ein Elektroauto besonders effizient zu machen, ist aber für die Autobauer kein wirklicher Anreiz - denn in der CO2-Flottenstatistik werden sie immer mit 0 Gramm CO2 veranschlagt.

Vielen Menschen fehlt ein Gespür dafür, wie viel Strom ein Elektroauto tatsächlich verbraucht. „Doch das ist entscheidend bei der Frage, ob ein Stromer wirtschaftlich betrieben werden kann oder ob er am Ende teurer kommt als ein vergleichbarer Benziner oder Diesel“, so der ADAC. Die Auswertung des Automobilclubs zeigt: Eine große Batterie ist nicht alles und bedeutet nicht automatisch einen höheren Stromverbrauch. Der Verbrauch hängt nicht nur von Größe, Gewicht und PS des Modells ab, sondern auch von Faktoren wie der Konstruktion und dem Temperaturmanagement der Akku-Pakete.

Im Test wurden aktuelle Elektroautos verschiedener Größen und Preisklassen unter die Lupe genommen und speziell auf Reichweite und Verbrauch untersucht. Gemessen wurde im realitätsnahen ADAC Ecotest. Fünf Modelle schnitten dabei besonders schlecht ab.

Diese fünf Modelle schneiden beim Test am schlechtesten ab - Mercedes auf Platz 3

Die Daimler AG hat bei der Mobilitätswende einen ambitionierten Plan. Ab 2030 will der Konzern aus Stuttgart nur noch elektrisch betriebene Autos bauen. Doch beim Einstieg in die Elektromobilität musste Daimler bereits Rückschläge in Kauf nehmen. Das erste wirklich vollelektrische Modell ist das Flaggschiff EQS - das Design spaltete jedoch die Fans.

Ein Mercedes-Modell enttäuschte beim ADAC-Test besonders: Der EQC belegte Platz 3 der Modelle mit dem höchsten Verbrauch auf 100 Kilometer. Der Elektro-SUV steht auf einer Verbrennerplattform und ist somit kein eigens konzipiertes E-Auto. Das hat Nachteile: Er verbraucht laut ADAC rund 22 Prozent mehr Strom als vom Hersteller Daimler angegeben. Vor allem beim Verbrauch gehört der EQC somit zu den wenig effizienten Elektroautos. Außerdem reagierte der EQC in den Tests besonders empfindlich auf Kälte - bei einem stolzen Basispreis von 74.000 Euro hätten Kunden hier sicherlich mehr erwartet.

Diese fünf Modelle schnitten in Sachen Verbrauch am schlechtesten ab:

PlatzModellVerbrauch auf 100 km
1. Polestar 2 Long Range Dual Motor29,2 kWh
2. Nissan e-NV200 Evalia (40 kWh)28,1 kWh
3.Mercedes EQC 400 AMG Line27,6 kWh
4.Jaguar I-Pace EV400 S AWD27,6 kWh
5. Audi e-tron 55 quattro25,8 kWh

ADAC-Test: Modell von Hyundai am sparsamsten

Wichtig beim Vergleich: Beim Stromverbrauch ist nicht nur entscheidend, wie effizient der Elektromotor mit der Energie umgeht und damit die Reichweite bestimmt. Beim Laden fallen auch Verluste an. Somit wird mehr Energie verbraucht, als letztlich in der Batterie ankommt, so der ADAC. Diese Ladeverluste wurden bei den Tests mit einberechnet.

Dass größere und schwerere Fahrzeuge wie der Elektro-SUV von Daimler einen höheren Stromverbrauch haben, ist selbsterklärend. Doch der Test des ADAC überraschte dennoch und zeigte: Das Gewicht ist nicht immer ausschlaggebend. Das sieht man an den enormen Unterschieden: So kommt das sparsamste Auto im Vergleich, der Kompaktwagen Hyundai Ioniq Elektro, auf einen Ecotest-Verbrauch von 16,3 kWh auf 100 Kilometer. Der sportlichere Polestar 2 verbraucht mit 29,2 kWh erheblich mehr.

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