Ein Rennen gegen die Zeit?

Daimler setzt bei Zukunftstechnologie zum Angriff auf Google an - und könnte gewinnen

Der Mercedes EQS steht auf einer Straße.
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Die Daimler AG arbeitet am autonomen Fahren. Nun ergibt sich die Chance, in der Entwicklung an Tech-Gigant Google vorbeizuziehen.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Am autonomen Fahren tüfteln Tech-Konzerne wie Google schon lange. Doch nun sind sie mit ihrem Latein am Ende. Eine Chance für die Daimler AG, zum Überholmanöver anzusetzen.

Stuttgart - Weg vom Verbrenner, hin zum Elektromotor - in der E-Mobilität sieht die Autobranche die Zukunft. Konzerne wie die Daimler AG investieren seit Jahren in neue Technologien und Antriebe. Das Unternehmen aus der Landeshauptstadt Stuttgart fährt dabei eine Doppelstrategie: Daimler arbeitet an einer längst vergessener Alternative zum E-Auto. LKW sollen mit Brennstoffzellen betrieben werden.

Doch nicht nur die Antriebsart wird künftig eine große Rolle spielen: Autonomes Fahren soll das Fahren an sich komfortabler machen und in der Theorie um einiges sicherer sein, als nicht-autonomes Fahren. Die Daimler AG hat in Sachen selbstständiges Fahren nun zum Angriff angesetzt: Der Konzern will sogar Tech-Gigant Google überholen.

Auch Tech-Giganten wie Google und Apple haben es auf das autonome Fahren abgesehen, feilten lange unter anderem an der Entwicklung von sogenannten Robotaxis. Doch darin haben sich die Konzerne offenbar verrannt - sie kommen in der Entwicklung nicht weiter. Anders sieht es da bei Daimler und Co. aus. Wie das Handelsblatt berichtet, gehen deutsche Autobauer das Konzept stufenweise an. Damit sind sie Google vielleicht bald schon meilenweit voraus.

Daimler vs. Google: Der Autokonzern ist auf dem Weg zur Lösung

Ursprünglich führten amerikanische Tech-Konzerne wie die Google-Tochter Waymo, Cruise und Zoox das Rennen um die Robotaxis an. Die traditionelle Autoindustrie schien keine Chance zu haben, da aufzuholen. Während sich die Tech-Konzerne bereits mit Innovationen wie dem selbstgesteuerten Taxi beschäftigten, hielten sich Daimler, Porsche und Co. mit Spurhalteassistenten oder Abstandstempomaten auf. Branchenkenner waren sich sicher, dass in der Zukunft Tech-Konzernen der Durchbruch mit dem autonomen Fahren gelingen würde und sie es sein würden, die damit das große Geld machen.

Milliardensummen flossen seitens der Softwarefirmen in die Entwicklung, ohne erkennbaren Fortschritt. Warum es nicht voranging? Die Entwickler stießen schlicht und ergreifend an die technischen Grenzen. „Ich würde sagen, es ist eine größere Herausforderung, als eine Rakete zu starten und sie in eine Umlaufbahn um die Erde zu bringen“, erklärte der ehemalige Waymo-Chef John Krafcik, kurz bevor er seinen Posten aufgab.

Technik ist nicht ausgereift genug - Autokonzerne wie Daimler holen auf

Bisher fahren nur wenige Robotaxis von Google in größeren Städten. Das Problem: Die Technik ist sündhaft teuer und eigentlich noch nicht ausgereift genug. Bis die Technik hierbei weiter ist als bisher, könnte es noch Generationen dauern. Das würde Autokonzernen wie der Daimler AG allerdings in die Karten spielen. Hat der Konzern aus Baden-Württemberg mehr Zeit für die Entwicklung, hat er auch die Chance, Tech-Giganten wie Google doch noch auszustechen.

„Robotaxi-Unternehmen wie Waymo oder Cruise sind zwar gut darin, Innovationen zu kreieren. Das sorgt meist für viel Aufmerksamkeit. Allerdings sind die Systeme in der Breite nicht praxisreif“, sagte Georg Kopetz, Chef von „TTTech Auto“, dem Handelsblatt. „TTTech Auto“ ist ein österreichisches Softwareunternehmen, das bereits jetzt die traditionelle Autoindustrie bei der Entwicklung des autonomen Fahrens unterstützt.

Die Softwarefirma hat es geschafft, nach und nach ihre Fahrassistenzsysteme zu verbessern und weiter auszureifen. Autos, die autonom auf Autobahnen fahren können, könnten schon bald auf dem Markt eingeführt werden. Vor allem deutsche Autokonzerne wie Daimler, Volkswagen und BMW greifen Google und Co. nun an und gehen den nächsten Schritt in der Entwicklung. Anders als Waymo geht etwa Daimler die Entwicklung schrittweise an, ohne dabei die Entwicklungskosten aus den Augen zu verlieren. Automatisierte Fahrfunktionen können sie schon jetzt an Kunden verkaufen. Anders als Waymo macht Daimler damit schon jetzt ein dickes Plus. Damit werden sie zur großen Konkurrenz für die Tech-Konzerne.

Die Daimler AG setzt zum Angriff an: EQS als Vorreiter-Modell

Vor allem die Daimler AG fährt nun große Geschütze auf. Den Traum vom Robotaxi wollte sich der schwäbische Automobilkonzern ursprünglich gemeinsam mit Automobilzulieferer Bosch erfüllen. Doch Daimler beendete jüngst eine Kooperation mit Bosch. Es gebe viele komplexe Verkehrssituationen, die man erst alle absichern müsse, sagte Daimler-Entwicklungschef Markus Schäfer.

Statt der Robotaxis konzentriert sich der Konzern aktuell auf die eigenen Modelle. Die Daimler-Tochter Mercedes-Benz brachte den EQS als Kampfansage an Tesla heraus. Doch das E-Auto wird auch beim autonomen Fahren künftig eine große Rolle spielen. Der EQS lässt sich bereits mit Software für autonomes Fahren auf Autobahnen ausstatten. Schon jetzt kann Mercedes seinen Kunden somit Fahrassistenzsysteme verkaufen und anders als Google-Tochter Waymo damit Umsatz machen. Dadurch besitzt Daimler gegenüber Google bereits einen großen Vorteil. Wer letzten Endes schneller im Rennen um das autonome Fahren ist, bleibt abzuwarten. Die Daimler AG setzt jedenfalls alles daran, als erstes im Ziel zu sein.

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