Erleichterung in Stuttgart

Trotz Krise: Neue Verkündung von Daimler kommt so überraschend, dass Aktie an die Dax-Spitze schießt

  • Marleen van de Camp
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Die Daimler AG hat im zweiten Quartal einen Milliardenverlust erlitten, doch mehrere Faktoren geben Grund zur Hoffnung. Daimler-CEO Ola Källenius will weiter sparen.

Stuttgart – Die Daimler AG hat im zweiten Quartal 2020 wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg und dem Rest der Welt einen Milliardenverlust erlitten. Der Fahrzeughersteller Daimler mit Hauptstandort in Stuttgart gab am Donnerstag nach Börsenschluss die vorläufigen Zahlen bekannt: Daimler erlitt einen Verlust von 1,68 Milliarden Euro. Das klingt hoch, ist aber nicht viel mehr als der Verlust der Daimler AG im Vorjahr. Zudem geben mehrere Faktoren Grund zur Hoffnung bei dem Automobilkonzern, wie die Deutsche Presseagentur berichtet. Die Daimler-Aktie legte wohl auch deshalb ein Prozent zu.   

Ola Källenius ist der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG.

Daimler-Milliardenverlust statt Coronavirus im Vorjahr durch Abgas-Skandal und Airbag-Rückruf 

Die Daimler AG hatte im Vorjahreszeitraum ein Minus von 1,56 Milliarden Euro verzeichnet – also „nur“ 120 Millionen Euro weniger. Im zweiten Quartal 2019 lag der Grund für den Milliardenverlust bei dem Fahrzeughersteller aus Baden-Württemberg nicht am Coronavirus. Stattdessen musste die Daimler AG den Preis für den Abgas-Skandal und den Massenhaften Rückruf von Autos wegen eines Defekts von Airbags des Zuliefer-Unternehmens Takata zahlen.

Der Verlust im zweiten Quartal dieses Jahres ist geringer als befürchtet und löst in Stuttgart verhaltene Erleichterung aus. Die Daimler-Aktie stieg dadurch an die DAX-Spitze auf. Daimler-CEO Ola Källenius sagte, es bleibe dennoch viel zu tun: „Wir müssen unsere (…) Bemühungen fortsetzen, die Gewinnschwelle (…) durch Kostenreduktion und Kapazitätsanpassungen weiter zu senken.“ Der Schwede hatte der dem Automobilkonzern einen strengen Sparkurs auferlegt, als er den Posten vor einem Jahr von dem langjährigen Daimler-Vorstandsvorsitzenden Dieter Zetsche übernahm.

Daimler-Kooperation mit BMW macht Verlust – doch zwei Unternehmensbereiche bringen Gewinn

Das war vor der Coronakrise, doch schon damals hatte die Daimler AG zu kämpfen - auch weil unter Dieter Zetsche der Umstieg auf das E-Auto nicht schnell genug geschehen war. Zu dem Milliardenverlust im zweiten Quartal 2020 trägt auch der Umstand bei, dass der Fahrzeughersteller aus Stuttgart durch juristische Verfahren im Folge des Abgas-Skandals belastet wird. Darüber hinaus verursacht die Kooperation der Daimler AG mit BMW Verluste in Höhe von mehr als 100 Millionen. Nun erholt sich der Markt langsam von der Coronakrise – besonders in China. Auch überrascht die Daimler AG in diesem Quartal mit der positiven Entwicklung in ihrer Nutzfahrzeugsparte, wie es in einer Pressemitteilung auf der Unternehmenswebsite heißt. Auch der Unternehmensbereich Daimler Mobility bringt durch seine Finanzdienstleitungen Gewinn ein. Das belohnen die Anleger mit der positiven Entwicklung der Daimler-Aktie.

Daimler-CEO Ola Källenius: Festhalten am Sparplan wegen Milliardenverlust

Das Coronavirus hat den Daimler-Konzern mit voller Wucht getroffen, was nun zu dem Milliardenverlust führt. Das brachte auch eine Schock-Vorhersage hinsichtlich der Daimler-Aktie mit sich. Auf der ganzen Welt standen die Werke des Fahrzeugherstellers aus Stuttgart wochenlang still. Die Mitarbeiter wurden in Kurzarbeit geschickt. Aus Solidarität verzichteten auch Daimler-Manager wegen des Coronavirus auf Gehalt.

Die Unternehmensberatung EY machte eine düstere Prognose für Daimler und CO. Der Daimler-Vorstand um Ola Källenius plant Tausende Entlassungen. Mitarbeitern wurden Abfindungen und Altersteilzeit angeboten. Der Daimler-Personalchef machte die unheilvolle Vorhersage, dass selbst die Entlassung von 15.000 Mitarbeitern nicht ausreichen werde, um die Daimler AG zu retten. Die aktuelle Aussage des Daimler-Vorstandsvorsitzenden Ola Källenius klingt, als halte der Fahrzeughersteller trotz des überraschend niedrigen Verlusts an den Sparplänen fest. 

Rubriklistenbild: © Uli Deck/dpa

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