Manipulation durch Schummelsoftware

„Vorsätzlich und sittenwidrig“: Mercedes-Kunde bekommt von Daimler Geld zurück

Ein Mitarbeiter der Daimler AG trägt in der Produktion der S-Klasse einen Mundschutz.
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Mercedes-Benz stand einst für Autos von tadelloser Qualität - doch Kunden fühlen sich getäuscht.
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Die Daimler AG kämpft um ihren Ruf. Ein Mercedes-Benz galt einst als Anschaffung fürs halbe Leben. Doch der Fahzeughersteller hat viele Kunden bitter enttäuscht.

  • Die Daimler AG nach herben Rückschlägen der jüngeren Vergangenheit weiterhin in der Krise.
  • Die Corona-Pandemie und der Abgas-Skandal haben für den Fahrzeughersteller Milliardenverluste zur Folge.
  • Das Landgericht Stuttgart gibt nun dem Besitzer einer B-Klasse Recht und verurteilt die Daimler AG zu Schadensersatz.

Stuttgart - Die Daimler AG steckt in der Krise. In den ersten beiden Quartalen des Jahres 2020 verzeichnete der Fahrzeughersteller Milliardenverluste. Grund dafür sind unter anderem die Auswirkungen der Corona-Pandemie, die Kurzarbeit und viele Entlassungen zur Folge hatten. Auch Zulieferer des schwäbischen Automobilkonzerns kämpfen ums Überleben. Erst am Montag kam es beispielsweise zu Protesten, weil das Unternehmen Continental einen massiven Stellenabbau angekündigt hat.  

Doch bereits vor dem Ausbruch von Covid-19 zitterte der Vorstand der Daimler AG schon um die Zukunft des Fahrzeugherstellers. Bei seinem Amtsantritt hatte Vorsitzender Ola Källenius dem Weltkonzern daher einen strengen Sparkurs auferlegt. Zur neuen Strategie des Nachfolgers von Dieter Zetsche gehört zudem eine Umstrukturierung des Unternehmens. In Zukunft soll beispielsweise verstärkt in die Elektromobilität investiert werden. Da in der Automobilbranche jedoch 95 Prozent der Jobs am Verbrenner hängen, könnten Tausende Arbeitsplätze in Gefahr sein.

Daimler AG in der Krise: Kunde verklagt Fahrzeughersteller und bekommt vom Landgericht Stuttgart Recht

Vor allem aber der Abgas-Skandal macht der Daimler AG weiterhin zu Schaffen. Der Fahrzeughersteller war in den vergangenen Wochen erneut in Bedrängnis gekommen, weil eine Million Kunden klagen wollten. In einem aktuellen Fall bekam zudem der Besitzer einer Mercedes-Benz B-Klasse vom Landgericht Stuttgart Recht zugesprochen. Dieser hatte gegen die Daimler AG geklagt und die Rücknahme des Fahrzeugs sowie die Erstattung von dessen Kaufpreis gefordert.

Grund dafür war, dass die Daimler AG mithilfe einer Schummelsoftware versucht hatte, die Werte der mehr als sieben Jahre alten B-Klasse mit der Abgasnorm Euro 5 zu manipulieren. Getarnt war das Programm als „freiwillige Kundendienstmaßnahme“, worüber der Fahrzeugbesitzer im März 2019 von Daimler informiert worden war.

Dieser kam jedoch zu dem Schluss, dass es sich dabei um eine Vertuschungsaktion der Daimler AG handelte. Mithilfe dieser sollte einem verpflichtenden Rückruf vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) zuvorgekommen werden. Das Landgericht Stuttgart gab dem Kläger in diesem Punkt nun Recht und begründete dies damit, dass er „vorsätzlich und sittenwidrig geschädigt worden“ sei, wie es in einer Pressemitteilung der vertretenen Rechtsanwaltskanzlei heißt.

Daimler AG muss Schadensersatz an Kunden zahlen - er wurde „vorsätzlich und sittenwidrig geschädigt“

Bei der im Fahrzeug verwendeten Kühlmittel-Sollwert-Temperaturregelung soll es sich um eine unerlaubte Abschalteinrichtung handeln. Diese manipuliert auf dem Prüfstand gewissermaßen die Kühltemperaturen und verbessert somit die Werte der Abgasreinigung. Die Daimler AG muss dem Kläger nun Schadensersatz zahlen. 70 Prozent des Kaufpreises bekommt dieser für die Zurückgabe der Mercedes Benz B-Klasse.

Die Daimler AG verzweifelt derzeit auch an einem einst sehr beliebten Modell - darum wurde das Werk, in dem der vollelektrische Smart gebaut wird, mittlerweile geschlossen. Der Fahrzeughersteller hinterließ damit Verzweiflung bei den 1.600 Mitarbeitern. Diese Woche setzte die Daimler AG jedoch mit der Vorstellung der neuen S-Klasse im ebenfalls neuen Mercedes-Benz-Werk in Sindelfingen zum großen Befreiungsschlag an. Die Reaktionen im Netz fielen jedoch eher gemischt aus.

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