Das Corona-Jahr beim Autobauer

„Abzocker“: Daimler überrascht mit Milliardengewinn - doch zu einem bitteren Preis, laut Kritikern

Ein Mitarbeiter von Mercedes-Benz bringt am 24.01.2017 im Werk in Bremen den Stern an ein C-Klasse Modell an.
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Die Daimler AG hat 2020 mehr Gewinn gemacht, als erwartet.
  • Julian Baumann
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Die Daimler AG hat im vergangenen Jahr mehrere Milliarden Euro mehr eingenommen, als erwartet. Diese Entwicklung bei dem Stuttgarter Autobauer erforderte allerdings auch viele Opfer.

Stuttgart - Die Daimler AG musste im vergangenen Jahr gleich an mehreren Fronten kämpfen. Durch Altlasten und die anhaltende Diesel-Krise musste der Automobilkonzern einen deutlich strengeren Sparplan verfolgen, als von CEO Ola Källenius zuvor angekündigt. Dazu kamen zunächst auch noch die massiven wirtschaftlichen Folgen durch das Coronavirus in Baden-Württemberg. Der Autobauer war dadurch gezwungen, im Frühjahr 2020 die Produktion an Standorten weltweit für mehrere Wochen stillzulegen.

Im letzten Quartal des vergangenen Jahres setzte die Daimler AG dann zur großen Aufholjagd an und übertraf letztendlich sogar die eigenen Erwartungen. Der Autobauer ging im Vorfeld davon aus, mit rund 4,3 Milliarden Euro Einnahmen das Vorjahresniveau zu erreichen, überstieg diese Erwartung allerdings um mehrere Milliarden, wie der Konzern in einer Pressemeldung vom Donnerstag bekannt gab. Darüber kann sich der Auto-Pionier aus der Landeshauptstadt Stuttgart zwar durchaus freuen, dieser Erfolg forderte jedoch auch seine Opfer.

Daimler AG: Der Weg zum Jahreserfolg - die Probleme beim Stuttgarter Autobauer im Jahr 2020

Die Daimler AG ist einer der führenden Automobilhersteller der Welt und vor allem für die Marken von Tochter-Unternehmen Mercedes-Benz bekannt. Der Konzern prägt nicht nur die Wirtschaft in Stuttgart, sondern auch das Stadtbild nachhaltig, beispielsweise wird der Turm des Hauptbahnhofs der Landeshauptstadt durch einen Mercedes-Stern geziert. Im vergangenen Jahr musste Daimler durch die Folgen der Corona-Pandemie jedoch nicht nur temporäre Produktionsstopps und einen massiven Rückgang der Einnahmen verkraften, sondern auch Tausende Stellen abbauen. Das führte zu allerhand Kritik und Unmut bei der Belegschaft, dem Betriebsrat und der Gewerkschaft IG Metall.

Zu den Problemen durch die Corona-Pandemie kommt noch eine Umstrukturierung der Daimler AG hinzu. Der Konzern legte die Produktion nach und nach auf die Herstellung von E-Autos aus und baut auch dadurch zahlreiche Stellen ab. Allein in Deutschland droht in sechs Werken ein massiver Abbau von Arbeitsplätzen, dadurch sind rund 20.000 Jobs bedroht. Die Lage spritze sich in zwei Werken immer weiter zu. Die Daimler AG kündigte an, eines der wichtigsten deutschen Werke massiv eindampfen zu wollen und auch im ältesten deutschen Daimler-Werk in Berlin standen Tausende Stellen auf der Kippe. Für besonderen Unmut im Berliner-Werk sorgte der Weggang des bisherigen Werksleiters - er ging ausgerechnet zum Konkurrenten Tesla.

An dem Standort in Untertürkheim, wo sich auch die Konzernzentrale der Daimler AG befindet, und dem Werk in Berlin-Marienfelde regte sich massiver Widerstand gegen den Stellenabbau. Vor der Konzernzentrale kämpften kurz vor Weihnachten die Daimler-Mitarbeiter mit einer bewegenden Aktion um ihre Jobs und vor dem Werk in Berlin gingen die Angestellten auf die Straße und legten damit die Produktion lahm. Die Daimler AG feierte sich bereits für den Milliarden-Gewinn im dritten Quartal und sorgte damit für Empörung.

Daimler AG: Vorläufige Jahreszahlen liegen vor - Autobauer übertrifft eigene Erwartungen

Nun liegen bei der Daimler AG also die vorläufigen Jahreszahlen für das vergleichsweise harte Jahr 2020 vor. „Daimler hat das Geschäftsjahr 2020 in einem herausfordernden Marktumfeld mit einem sehr starken vierten Quartal abgeschlossen“, schreibt der Autohersteller in der Pressemitteilung. In der Pkw- und Van-Sparte seien die Kennzahlen des Vorjahres übertroffen worden. In Zahlen ausgedrückt nahm die Daimler AG im vergangenen Jahr rund 6,6 Milliarden Euro ein, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Zuvor war der Konzern von einem operativen Ergebnis von 4,3 Milliarden Euro ausgegangen. Analysten hatten jedoch schon mit einem höheren Ergebnis gerechnet.

Der operative Gewinn der Daimler AG im vergangenen Jahr war jedoch mit einer massiven Reduzierung von Arbeitsplätzen verbunden. „Unsere strategischen Initiativen und unsere intensiven operativen Maßnahmen führen zusammen zu einer deutlichen Verbesserung der finanziellen Performance im gesamten Unternehmen“, sagte Daimler-Chef Ola Källenius laut der Pressemitteilung. „Wir haben weiterhin einen starken Fokus auf Kosten und Liquidität, während wir in allen Haupt-Märkten und Geschäftsbereichen eine starke Nachfrage nach unseren Produkten verzeichnet haben.“ Bisher handelt es sich bei den veröffentlichten Zahlen allerdings nicht um das endgültige Ergebnis. Einige Berechnungen stehen noch aus, die Daimler AG will die finalen Zahlen am 18. Februar öffentlich machen.

Die Nachricht von dem überraschenden Gewinn kommt nicht bei allen gut an. So werfen Kritiker dem Konzern aus Stuttgart vor, auf Kosten von Mitarbeitern und Staat gewirtschaftet zu haben. Immer wieder kommt dabei die Kurzarbeit zur Sprache, die von der Daimler AG beantragt wurde. „Wann wird das Kurzarbeitergeld zurück gezahlt“, fragt ein Twitter-Nutzer beispielsweise.

Ein anderer Nutzer twittert: „Daimler macht 6.600.000 € Gewinn. Gleichzeitig werden Kollegen und Leiharbeiter entlassen, Werke in Brasilien geschlossen und über die Kurzarbeit Kosten für Auftragsschwankungen auf den Staats abgewälzt.“

Daimler AG: Pläne für das laufende Jahr - „Kosteneffizienz weiter verbessern“

Laut den vorgelegten Zahlen für das vierte Quartal 2020 scheint die Daimler AG inzwischen wieder auf dem Erfolgsweg. Den will der Stuttgarter Konzern auch im laufenden Jahr weiter verfolgen. „Wir wollen die Kosteneffizienz im Jahr 2021 weiter verbessern und die Umsetzung unserer strategischen Initiativen weiter vorantreiben“, sagte Ola Källenius. Bislang wurde die Kosteneffizienz allerdings auch zulasten der Mitarbeiter vorgenommen. Daimler zahlte den Mitarbeitern im vergangenen Jahr sogar sechsstellige Summen, damit sie den Konzern verlassen.

Allerdings hat die gesamte deutsche Autoindustrie auch im jungen Jahr 2021 noch mit den Folgen der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 zu kämpfen. An vielen Standorten mangelt es aktuell an Nachschub von Halbleiterkomponenten. Die Daimler AG musste bereits die Produktion im Werk in Rastatt einstellen und auch im größten deutschen Werk in Bremen droht die temporäre Schließung. Die Daimler AG veröffentlichte im neuen Jahr als erster großer Autohersteller ein neues E-Auto. Der SUV EQA stieß allerdings ebenfalls auf geteilte Meinungen und ein eigens für den chinesischen Markt entwickelter E-SUV wurde zum totalen Flop. Bislang scheinen die Probleme trotz des überraschend guten Ergebnisses aus dem Vorjahr bei dem Stuttgarter Autobauer also nicht vorbei zu sein.

Die Hoffnung der Daimler AG liegt für das aktuelle Jahr bei dem bereits groß angekündigten EQS. Die elektrische S-Klasse soll zum Super-Konkurrenten für Tesla werden. Angesichts der anhaltenden und erfolgreichen Kostendisziplin im vierten Quartal 2020 und einer erwarteten guten Marktnachfrage rechnet Daimler nach eigenen Angaben jedoch auch für das Geschäftsjahr 2021 mit einer positiven Geschäftsentwicklung.

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