Buntes Bekenntnis

„Peinlich“: Stuttgarts Oberbürgermeister trägt bei Rede ungewöhnliche Krawatte - und erntet Spott

Frank Nopper trägt eine Regenbogenkrawatte.
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Noppers Schlips stieß Kritikern bitter auf.
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Stuttgarts OB Frank Nopper hielt zum Start des CSD seine erste Rede an die Regenbogen-Community. Doch seine Krawatte sorgte für Aufsehen.

Stuttgart - Alle Augen waren auf ihn gerichtet, als am Freitag der Startschuss in den Christopher Street Day (CSD) in Stuttgart fiel: Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU). Im Rathaus hat er seine erste Rede an die Stuttgarter LGBTQ-Community gehalten.

Nachdem er die Regenbogen-Flagge am Rathaus als politisches Statement beim Fußball-EM-Spiel gegen Ungarn noch abgelehnt hatte, zog Nopper diesmal alle bunten Register - und band sich für seine Ansprache eine Krawatte in Regenbogenfarben um. Zudem entschied er sich, sechs Regenbogen-Flaggen zu kaufen und diese nun am Rathaus aufzuhängen.

CSD-Vorstandsmitglied Detlef Raasch kritisierte gegenüber der Stuttgarter Zeitung, dass die Krawatten-Aktion „deplatziert“ von Nopper gewesen sei. Der Schlips stamme aus einem Karnevalsverein, es sei lediglich eine „medienwirksame Aktion“. Es wäre wichtiger gewesen, während des Fußball-EM-Spiels gegen Ungarn die bunte Fahne zu hissen, so Raasch. Man hätte ein Zeichen setzen können gegen Ungarns Regierung, da das Land die LGBTQ-Szene mit einem Gesetz praktisch aus der Öffentlichkeit verdrängen will. Doch Nopper hatte sich zu dem Zeitpunkt gegen Regenbogen-Flaggen am Rathaus entschieden - um nach eigenen Angaben den Sport nicht mit der Politik zu vermischen.

Frank Nopper: Neben Kritik gibt es auch Lob - „Statement für ein buntes Stuttgart“

Auch die Politikerin Brigitte Loesch (Grüne) bezeichnete Noppers Krawatte im Gespräch mit der Stuttgarter Zeitung als „peinlich“. Neben der Kritik erhielt der OB jedoch auch Lob. Stefan Kaufmann (CDU), queerpolitischer Sprecher seiner Fraktion in Berlin, betonte, dass Nopper die Gelegenheit genutzt habe, sich klar für ein buntes und tolerantes Stuttgart auszusprechen. Franz J. Kibler, Geschäftsführer der Aids-Hilfe, verteidigte zudem Noppers Entscheidung, während dem EM-Spiel „mit politischem Sachverstand“ gehandelt zu haben und sich „nicht von Populismus und Opportunismus“ leiten gelassen zu haben.

Innerhalb seiner Rede positionierte sich Nopper klar gegen Homophobie sowie Diskriminierung aufgrund von Hautfarbe, Herkunft, Religion oder sexueller Orientierung. Auch begründete er nochmals seine Entscheidung, während dem EM-Spiel auf ein Statement in Form von Regenbogen-Fahnen zu verzichten. Es liege ihm fern, „bei spontanen Flaggenhissungen reflexhaft hinterherzulaufen“, sagte er laut der Stuttgarter Zeitung.

Frank Nopper und LGBTQ-Community Noch nicht im Einklang miteinander?

Angesichts der gespaltenen Reaktionen wird deutlich, dass der OB und die LGBTQ-Community in der Landeshauptstadt noch nicht ganz im Einklang zu sein scheinen. Jedoch ist Nopper nicht der einzige, der angesichts seines bunten Bekenntnisses ins Visier der Skeptiker gerät. So sorgte kürzlich auch eine Diversity-Aktion von Daimler für massive Kritik. Ein Vertreter von LGBTQ warf dem Autobauer gar „Pinkwashing“ vor. Ähnlich wie beim „Greenwashing“, bei dem Firmen nach außen besonders umweltfreundlich wirken wollen, geht es beim „Pinkwashing“ laut Kritikern nur darum, als besonders tolerant gegenüber der queeren Community dazustehen - am Ende jedoch nur vordergründig.

Der Stuttgarter CSD ist der drittgrößte CSD in Deutschland. Dieses Jahr steht er unter dem Motto „Schaffe, schaffe, bunter werden“. Bis zum 1. August finden im Rahmen des CSD Veranstaltungen der LGBTQ-Community sowohl online als auch auf der Straße statt.

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