Empörung im Saal und auf Twitter

„Knöpfen Sie das Jackett zu!“ AfD-Abgeordneter sorgt mit T-Shirt im Bundestag für Fassungslosigkeit

Der AfD-Abgeordnete Karsten Hilse hält im Bundestag eine Rede.
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Der AfD-Abgeordnete Karsten Hilse provozierte im Bundestag mit seinem T-Shirt.
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Im Bundestag präsentierte sich der AfD-Abgeordneter Karsten Hilse als Unterstützer der Corona-Leugner, die sich „Querdenker“ nennen - in der Folge wurde er gerügt. 

Stuttgart/Berlin - Weil sie mit den verhängten Maßnahmen und Verboten zum Infektionsschutz nicht einverstanden sind, formierte sich Anfang des Jahres in Stuttgart eine Bewegung von Corona-Leugnern. Als selbst ernannte „Querdenker“ demonstrieren sie seither regelmäßig gegen die Beschränkungen zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg.

Mittlerweile agiert die Initiative auch über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus - etwa kürzlich in Erfurt, wo jedoch ein mutiger Anwalt die Demonstranten aus der Fassung brachte. Die Bewegung erhält viel Kritik, weil sie als Sammelbecken vieler ideologischer und teils demokratiefeindlicher Gesinnungen gilt. So sah sich die Stadt Konstanz vor einigen Wochen etwa gezwungen, aufgrund einer angekündigten Kundgebung ein Verbot von Reichskriegsflaggen zu auszusprechen.

Unterstützung für Corona-Leugner: AfD-Politiker trägt im Bundestag „Querdenker“-T-Shirt

Trotz einiger zweifelhafter Geschehnisse rund um die „Querdenker“, wie etwa der Eskalation in Berlin, wo hunderte Menschen den Reichstag stürmen wollten, erhalten die Corona-Leugner nun sogar Unterstützung aus der Politik - genauer gesagt aus dem Bundestag. Am Mittwoch saß dort nämlich der AfD-Abgeordnete Karsten Hilse, der sich mit einem speziellen T-Shirt unter seinem Jackett als klarer Unterstützer der Bewegung outete.

Eigentlich ging es in seiner Rede um das Thema Klimawandel beziehungsweise darum, wie „schlecht“ eine Niederlage Donald Trumps bei der aktuellen US-Wahl wäre, weil „dann Sleepy Joe den Ausstieg aus der Pariser Klimaübereinkunft rückgängig machen“ würde - gemeint ist damit der Präsidentschaftskandidat Joe Biden, der sich für ein Verbleiben der USA im Abkommen ausgesprochen hat.

Für Gesprächsstoff sorgte Karsten Hilse trotz seiner kontroversen Aussagen und Beschuldigungen während der Rede jedoch hauptsächlich wegen seines T-Shirts, auf dem klar das Wort „Querdenken“ zu erkennen war. Direkt darunter standen zudem die Zahlen „351“ und „Dresden“ - ein Hinweis auf den sächsischen Ableger der Anti-Corona-Bewegung aus Stuttgart.

AfD-Bundestagsabgeordneter Karsten Hilse erhält Rüge wegen „Querdenker“-Shirt

Lange durfte der AfD-Politiker sein „Querdenker“-T-Shirt jedoch nicht offen zur Schau tragen, denn schon bald regte sich Widerstand im Bundestag, und zwar in Person von Claudia Roth (Grüne), die seine Rede höflich unterbrach: „Dürfte ich Sie bitten, dass Sie den Jackett-Knopf zuknöpfen. Sie wissen ganz genau, warum: Wir haben uns darauf geeinigt, dass wir mit T-Shirts oder anderen Kleidungsstücken keine Parolen in die Kamera halten. Das gilt auch für Sie“.

Auch bei einigen Zuschauern der Bundestagssitzung sorgte das Statement auf Karsten Hilses T-Shirt für ungläubiges Kopfschütteln. Auf Twitter löste es einen kleinen Shitstorm aus. Ein User kommentierte etwa: „Die AfD präsentiert sich als parlamentarischer Arm der verschwörungsideologischen Querdenken-Szene.“

„Querdenker“-T-Shirt: AfD-Abgeordneter bekommt Rüge und viel Kritik auf Twitter

In einem anderen Tweet heißt es: „Das ist von Anfang an eine kalkulierte Provokation. Selbst die Reaktion darauf.“ Gemeint ist, die betont höfliche „Entschuldigung“ des AfD-Politikers in Richtung von Claudia Roth, nachdem er sein Jackett zugeknöpft hatte. Derselbe Twitterer schreibt daraufhin weiter: „Die AfD taugt zu nichts, aber dass es noch blöder geht, dass man für die Spinner von Querdenken noch Werbung macht... - hoffentlich wird das von den Wählern mal honoriert.“

Ein anderer User kritisiert: „Karsten Hilse, Bundesabgeordneter der AfD, propagiert den möglichen Tod von Risikopatienten durch unterlassene Aktivitäten gegen Covid-19.“ Dann fügt er noch zynisch hinzu: „Ich weiß auch nicht, weshalb er seine Oma und andere ältere Menschen so hasst. Armer Tropf.“

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