Corona-Test, Diagnose und Behandlung

Klinikum Stuttgart bereitet sich wegen des Coronavirus auf den Ernstfall vor

  • Sabrina Hoffmann
    vonSabrina Hoffmann
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Weil das Coronavirus in Baden-Württemberg wütet, wird das Klinikum Stuttgart auf eine harte Probe gestellt. Corona-Ambulanz und mehr Intensivbetten sollen Abhilfe schaffen

  • Das Coronavirus wird für Baden-Württemberg zum Belastungstest
  • Das Klinikum Stuttgart war mit seiner Corona-Station schon bundesweit im TV zu sehen
  • Der Klinikum-Leiter warnt trotz hoher Zahl an Intensivbetten vor einer Notsituation

Stuttgart - Das Coronavirus hat sich in Baden-Württemberg in erschreckender Geschwindigkeit ausgebreitet. Das Klinikum Stuttgart hat sich früh auf den Ernstfall vorbereitet. Schon am 28. Februar nahm die zentrale Corona-Ambulanz des Klinikums den Betrieb auf - drei Tage, nachdem der erste Coronvirus-Fall in Baden-Württemberg bekannt geworden war.

In der Corona-Ambulanz am Klinikum Stuttgart konnten sich Patienten schon früh auf das Coronavirus testen lassen - allerdings nur in begründeten Verdachtsfällen. Dafür hat das Klinikum eine Diagnostikstelle eingerichtet, deren Ärzte infektiologisch geschult wurden. Die Infektiologie ist eine Weiterbildung im Fachbereich Innere Medizin, die Ärzte zur Diagnose und Therapie schwerer Infektionskrankheiten befähigt.

Mittlerweile gibt es schon mehr als 20.000 Coronavirus-Fälle in Baden-Württemberg. Als Reaktion auf die schnelle Ausbreitung wurden vor dem Klinikum Stuttgart Container aufgebaut. Dort befinden sich Wartebereiche, die Coronavirus-Verdachtsfälle vom Rest des Klinikums isolieren. Auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) stellte Mitarbeiter für die Corona-Ambulanz zur Verfügung.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Klinikum Stuttgart stellt Regeln für Patienten auf

Die Corona-Ambulanz ist nicht als erste Anlaufstelle gedacht. Patienten in Baden-Württemberg, die grippeähnliche Symptome zeigen oder den Verdacht haben, mit dem Coronavirus in Kontakt gekommen zu sein, sollen sich erst an ihren Hausarzt wenden. „Eine direkte Vorstellung von Patienten ohne vorherige Kontaktaufnahme mit dem Gesundheitsamt oder Hausärzten ist derzeit nicht vorgesehen“, heißt es auf der Homepage des Klinikum Stuttgart.

Ein Mitarbeiter des DRK vor der Corona-Ambulanz am Klinikum Stuttgart

Bei der Einschätzung von Coronavirus-Verdachtsfällen zitiert das Klinikum Stuttgart die Kriterien, die das Robert-Koch-Institut (RKI) definiert hat. Als Verdachtsfall gelten laut RKI Patienten mit „unspezifischen Allgemeinsymptomen oder akuten respiratorischen Symptomen“, die in den vergangene 14 Tagen Kontakt zu einem Coronavirus-Infizierten hatten oder die sich kurz zuvor in einem ausländischen Risikogebiet aufgehalten haben - dazu zählen Italien, Iran, Ägypten, bestimmte Regionen in Frankreich, Spanien, China oder den USA.

Klinikum Stuttgart testet nur noch schwer erkrankte Coronavirus-Patienten

Als das Coronavirus in Baden-Württemberg noch in einer frühen Phase der Ausbreitung war, testeten die Ärzte am Klinikum Stuttgart jeden Verdachtsfall. Auf diese Weise sollten alle Kontaktpersonen der Coronavirus-Infizierten zurückverfolgt und isoliert werden. Die Übertragungsketten sollen konsequent unterbrochen werden.

Weil die Zahl der Coronavirus-Fälle in Baden-Württemberg seit Ende Februar rasant gestiegen ist, konzentriert sich das Klinikum Stuttgart in der Corona-Ambulanz inzwischen auf die Risikogruppen - also auf ältere und gesundheitlich schwache Menschen, für die das Coronavirus lebensbedrohlich sein kann. Alle anderen Erkrankten werden nicht mehr auf das Coronavirus getestet. Sie sollen sich zuhause auskurieren.

„Die Entscheidung für den 35-jährigen Skifahrer nach Tirolurlaub mit leichtem Fieber und trockenem Husten ist also eine andere, nämlich zu Hause bleiben und Kontakte minimieren, als für den 80-Jährigen mit vorbestehender Lungenkrankheit mit beginnender Luftnot“, sagt der Vorstandsvorsitzende des Klinikum Stuttgart, Jan Steffen Jürgensen, im Interview mit der Stadt Stuttgart.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Klinikum Stuttgart kann auf bis zu 150 Intensivbetten aufstocken

Ein ganzes Gebäude im Klinikum Stuttgart wurde für Coronavirus-Patienten isoliert. Die Zahl der Intensivbetten kann von derzeit 80 auf 150 aufgestockt werden. „Fast jeden der 2.200 Zimmer im Klinikum Stuttgart ist mit Sauerstoff ausgestattet“, sagte Klinikum-Leiter Jan Steffen Jürgensen dem ZDF. „Wir haben 30.000 Liter Sauerstoff in den Tanks, wir haben mobile Beatmungsgeräte., 50 Operationssäle mit Narkosegeräten, die wir dafür zweckentfremden könnten.“

Derzeit werden in Stuttgart laut Klinikum-Leiter Jan Steffen Jürgensen eine zweistellige Zahl an Coronavirus-Patienten stationär behandelt. Drei Patienten liegen auf der Intensiv-Station. In Stuttgart gebe es im deutschlandweiten Vergleich eine überdurchschnittlich hohe Quote an Intensivbetten pro 100.000 Einwohner, sagte Jan Steffen Jürgensen im Interview mit der Stadt Stuttgart. „Im internationalen Vergleich liegen wir um den Faktor 2,5 oberhalb der italienischen Intensivbettenkapazität pro Einwohner und weit oberhalb der englischen Quote.“

Coronavirus in Baden-Württemberg: Leiter des Klinikum Stuttgart warnt vor Notlage

Trotzdem warnt Jan Steffen Jürgensen vor dem Worst-Case-Szenario: Falls sich das Coronavirus in Baden-Württemberg zu schnell ausbreitet, kann die medizinische Intensiv-Versorgung der schweren Fälle nicht mehr garantiert werden. Auch das an sich gut vorbereitete Klinikum Stuttgart und andere Krankenhäuser in Baden-Württemberg wären überfordert. „Ein zeitgleiches Anfluten einer sehr hohen Zahl kritisch Kranker müssen wir unbedingt vermeiden.“ Jan Steffen Jürgensen appelliert an die Menschen, ihren Teil dazu beizutragen und sich an die wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg geltende Kontaktsperre zu halten.

Im Zuge der Corona-Krise in Baden-Württemberg hat das Klinikum Stuttgart alle planbaren Operationen abgesagt. Es werden nur noch Not-OPs durchgeführt. Dadurch soll die Zahl der Kontakte reduziert werden, Kapazitäten werden frei für die Behandlung von Coronavirus-Patienten. Außerdem hat die Landesregierung von Baden-Württemberg in der Corona-Verordnung ein Besuchsverbot in Krankenhäusern, Kliniken und Pflegeheimen ausgesprochen, das auch für das Klinikum Stuttgart gilt. Dadurch sollen ältere und geschwächte Menschen vor einer Infektion mit dem Coronavirus geschützt werden.

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