Keine Corona-Infizierten mehr

Erster Landkreis in Baden-Württemberg „offiziell corona-frei“ - doch Enttäuschung folgt sofort

  • Marleen van de Camp
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Am 27. Mai meldete der Landkreis Waldshut, keine „aktiven“ Corona-Fälle mehr zu haben. Manche glaubten, der Kreis sei nun offiziell corona-frei. Das war etwas voreilig, wie sich nur einen Tag später herausstellte.

  • Am 27. Mai meldete der Landkreis Waldshut, er habe keine „aktiven“ Corona-Fälle mehr.
  • Eine Zeitung schrieb, der erste Landkreis in Baden-Württemberg sei Coronavirus-frei.
  • Bereits am nächsten Tag meldete der Landkreis einen neuen Infizierten. Ein Experte des Landesgesundheitsministeriums erklärt hier, warum das Coronavirus nicht einfach verschwinden wird.

Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg breitet sich weiter aus. Doch durch die Corona-Verordnung und die damit einhergehenden Verbote und Maßnahmen zum Infektionsschutz konnten die Neuinfektionen deutlich verlangsamt werden. Nun meldete am 27. Mai der erste Landkreis in Baden-Württemberg, keine „aktiven“ Corona-Fälle mehr zu haben.

Im Kreis Waldshut sei der letzte Patient von der Lungenerkrankung Covid-19 genesen, der Landkreis gelte damit „offiziell als corona-frei“, berichtete daraufhin der Südkurier. Das war etwas voreilig. Schon am nächsten Tag meldete Waldshut eine Neuinfektion mit dem Coronavirus.

Coronavirus In Baden-Württemberg: Erster Landkreis ist „corona-frei“ - für einen Tag

Viele Menschen dachten nach der ersten erfreulichen Meldung wohl, die Corona-Lockerungen in Baden-Württemberg könnten endlich auf alle Bereiche des Lebens ausgeweitet werden. Das Landesgesundheitsamt warnt aber davor. Die Gefahr durch das Coronavirus sei in Baden-Württemberg weiterhin hoch, für Risikogruppen sogar sehr hoch. Die Ausbreitung des Virus sei vorerst gestoppt, das dürfe aber nicht zu einer Nachlässigkeit bei den Maßnahmen zum Infektionsschutz führen, heißt es auch auf der Website des Landkreises Waldshut. Der erste Landkreis ist corona-frei, die Gefahr durch das Coronavirus aber weiterhin hoch bis sehr hoch. Wie passt das zusammen?

Coronavirus in Baden-Württemberg: Negative Corona-Tests im Landkreis kein Grund für Euphorie

An vorderster Front: Der Mitarbeiter eines Gesundheitsamtes bereitet einen Corona-Test vor.

Stefan Brockmann, Leiter des Referats Epidemiologie im Gesundheitsamt der Landeshauptstadt Stuttgart, erklärt im Interview mit BW24, dass die erfreulichen Zahlen keinen Anlass zur Euphorie oder gar zu weiteren Lockerungen darstellen. Der Grund dafür sei die Dunkelziffer. Denn die Tatsache, dass bei Tests in einem Landkreis in Baden-Württemberg kein Coronavirus mehr nachgewiesen wurde, bedeute nur, dass es keine Fälle von Covid-19 bekannt seien, nicht, dass es dort keine Infizierten mehr gebe. Der Landkreis scheint also womöglich corona-frei, ist es aber gar nicht.

Experte vom Landesgesundheitsamt Stuttgart: Rückkehr des Coronavirus lässt sich aktuell nicht verhindern

Viele Infizierte seien während ihrer gesamten Erkrankung symptomfrei, sodass sie unter Umständen gar nicht getestet würden. „Selbst wenn es so wäre, dass das Coronavirus aus einem Kreis in Baden-Württemberg eliminiert ist, wäre das belanglos. Das Virus ist weltweit verbreitet und wird nach Tagen, Wochen oder Monaten wieder auftauchen“, sagt Stefan Brockmann, Arzt und Medizinaldirektor für Gesundheitsschutz und Epidemiologie im Landegesundheitsamt.

Mit anderen Worten: Selbst, wenn es tatsächlich stimmen sollte, dass ein Landkreis in Baden-Württemberg corona-frei ist, wird über kurz oder lang irgendjemand auf irgendeinem Weg das Coronavirus wieder einschleppen. Ohne komplette Isolation oder flächeneckende Impfung lässt sich das nicht verhindern. Der Fall Waldshut hat das bewiesen.

Viele Studenten leiden aktuell unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Sie gerieten durch wegfallende Arbeit in eine finanzielle Notsituation. Eine Hochschule in Stuttgart schenkt den Studenten in Not 500 Euro. Einige Professoren zahlen dabei aus eigener Tasche.

Rubriklistenbild: © Britta Pedersen/dpa

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