Nach massiver Kritik

Corona-Impfung in BW: Winfried Kretschmann rastet nach Impfgipfel aus - „Schlaumeier-Debatten“

Winfried Kretschmann spricht mit erhobenem Zeigefinger vor einer blauen Wand in ein Mikrofon.
+
Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sagt „Besserwissertum“ bringe in der Impfdebatte gar nichts.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
    schließen

Bei der Impfung gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg geht es manchen zu langsam. Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat Kritik nun entschieden zurückgewiesen.

Stuttgart - Im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg sind Impfungen ein wichtiger Schritt. Engpässe bei den Impfstoffen, teils unsichere Lieferungen sowie oft überlastete Telefon-Hotlines führten jedoch bereits zu massiver Kritik an Bund und Ländern. Bei einem sogenannten „Impfgipfel“ haben sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten am Montag per Videokonferenz über den Stand der Dinge beraten. Der Impfgipfel hatte im Voraus große Erwartungen geweckt. Anstatt konkreter Ergebnisse brachte er jedoch vor allem Ernüchterung, wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtete.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte am Montagabend in den ARD-Tagesthemen, beim Impfgipfel sei allen Teilnehmern klar geworden: Im ersten Quartal bis in den April hinein wird es noch „harte Wochen der Knappheit“ geben. „Das lässt sich nicht schneller beschleunigen, übrigens auch mit Geld nicht“, hätten die Hersteller klargemacht. Erst im zweiten Quartal 2021 werde es mehr Impfstoff geben, so Spahn. Angela Merkel begründete das langsamere Impftempo in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern unter anderem damit, dass die Produktionskapazitäten im Vergleich zu den USA begrenzt seien.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Nach Kritik am Impfgipfel platzt Kretschmann der Kragen

Vertreter aus der Wirtschaft kritisierten, die Beratungen beim Impfgipfel hätten keine Perspektiven aus dem Lockdown hervorgebracht. Auch aufseiten der Politik wurden kritische Stimmen laut: „Ich erwarte von der Bundesregierung, dass sie nicht länger um den heißen Brei herumredet, sondern einen klaren Plan vorlegt, wie sie dieses Impfchaos beenden möchte“, sagte beispielsweise die Chefin der Linksfraktion im Bundestag, Amira Mohammed Ali.

Nun platzte dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) auch der Kragen. „Diese Schlaumeier-Debatten hinterher besorgen keine einzige Impfdosis mehr“, sagte er laut SWR am Montagabend in Stuttgart. Nun müsse man den Mangel verwalten, aber das „Besserwissertum“ nütze nichts. Die Engpässe lägen an der Produktion und nicht in irgendwelchen Verträgen, sagte Kretschmann mit Blick auf Kritik an der EU. „Die Firmen arbeiten absolut an der Kante.“ Daran könne die Politik nichts ändern.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Kretschmann verteidigt Impfstrategie - „kein Windhundrennen“

Bereits in der vergangenen Woche hatte Winfried Kretschmann die Impfstrategie des Landes verteidigt. Baden-Württemberg setze auf Sicherheit und Verantwortung, indem das Land die Hälfte der verfügbaren Impfdosen für die zweite Impfung zurückhalte, während andere Länder einen größeren Teil des Impfstoffs sofort verimpften, sagte der Grünen-Politiker am Donnerstag im Landtag. „Wir liegen da ganz richtig.“ Manche Kritikpunkte räumte Kretschmann ein: So nannte er Fehlbuchungen, falsche Dateneingaben und Probleme mit der Hotline. Dennoch gab er sich überzeugt: „Die Richtung stimmt.“

Die Opposition hatte in den vergangenen Wochen kritisiert, dass die Coronaimpfungen in Baden-Württemberg im Ländervergleich zu langsam laufe. Tatsächlich liegt Baden-Württemberg bei der Impfquote auf dem drittletzten Platz (Stand 1. Februar), wie eine Erhebung des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigt. Kretschmann wollte die Kritik jedoch nicht auf sich sitzen lassen: Während die Zahl der insgesamt Geimpften in Baden-Württemberg im Ländervergleich schlecht abschneide, liege man dafür bei den Zweitimpfungen auf Platz Eins. Eine Impfkampagne sei kein „Windhundrennen“.

Während viele Menschen in Baden-Württemberg ihren Impftermin sehnlichst herbeisehnen, will sich jedoch jeder Vierte nicht gegen Corona impfen lassen, wie eine Umfrage der Krankenkasse Barmer kürzlich ergab. Als Grund für die Weigerung gaben die Befragten an, Angst vor Nebenwirkungen und Bedenken wegen der Wirksamkeit der Impfung zu haben. Im Rahmen der Studie hatte Barmer 2.000 Teilnehmer zu ihrer Impfbereitschaft befragt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare