Überlastete Telefon-Hotline

„War ein Fehler“: Gesundheitsminister gesteht falsche Strategie bei Impfterminen ein

Manfred Lucha, der Sozialminister in Baden-Württemberg, spricht bei einer Pressekonferenz zum Thema Coronavirus.
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Sozialminister Manfred Lucha gibt zu: Bei der Koordination von Impfterminen ist in Baden-Württemberg nicht alles glatt gelaufen.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manfred Lucha räumte ein, in Bezug auf die Impf-Hotline 116117 Fehler gemacht zu haben.

Stuttgart - Mit der Entscheidung, die Impf-Priorisierung bei Hausärzten aufzuheben, hat das Land Baden-Württemberg offenbar einen Ansturm auf die Termin-Hotlines losgetreten. Während der Impfstoff weiter knapp ist, stehen die Telefone bei den Hausärzten nicht mehr still. Menschen, die ihre Impfung gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg noch nicht erhalten haben, zeigen sich zunehmend gefrustet. Einen der begehrten Termine zu ergattern, bleibt weiterhin schwierig. Landesgesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) räumte nun schwerwiegende Fehler bei der Strategie ein.

„Wir konnten gar nicht anders, als so zu entscheiden“, begründete Manfred Lucha die Aufhebung der Impfpriorisierung bei den Arztpraxen im Land gegenüber der Stuttgarter Zeitung. „Jetzt kriegt der Bundesgesundheitsminister auch mal den Druck zu spüren, dass nicht genug Impfstoff da ist.“ Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte zuletzt angekündigt, die Impf-Priorisierung in Gesamtdeutschland erst am 7. Juni aufzuheben. Mit seiner Strategie ist Baden-Württemberg vorgeprescht. Eine Sache bereut Lucha jedoch besonders: Das telefonische Terminvergabeportal für die Impfzentren unter der 116117 hält er mittlerweile für völlig falsch.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Lucha hält Telefon-Hotline für „großen Fehler“

Die Terminvergabe unter 116117 sieht Lucha im Nachhinein als einen „großen Fehler“, wie Echo24* berichtet. „Es war schlicht und einfach das falsche System, um einen Mangel gut verwalten zu können. Ein solches System funktioniert nur, wenn man große Mengen verteilen kann. Das ist nicht der Fall“, sagte er der Stuttgarter Zeitung. Da regelmäßig zu wenig Impfstoff zur Verfügung stehe, würden auch 500 Callcenter-Mitarbeiter nicht viel weiterhelfen.

Abschaffen wolle man die Service-Hotline dennoch nicht, wie Manfred Lucha betonte. „Sobald mehr Impfstoff ins Land kommt, wird die Terminvergabe ihrem Auftrag gerecht werden und allen Impfwilligen ein Angebot machen können“, sagte er. Die Überlastung der Telefon-Hotline hat das Land immerhin dadurch abfangen können, dass es eine Warteliste für die ältere Generation eingeführt hat. „Auf unserer Warteliste mit Recall-System standen vor wenigen Wochen noch 150.000 Menschen. Diese Liste ist auf 700 Menschen geschrumpft“, so Lucha.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Neben Impf-Hotline steht auch Online-Tool in der Kritik

Neben der Hotline können Impfwillige in Baden-Württemberg Termine auch über eine offizielle Impftermin-Seite des Landes buchen. Diese lässt jedoch viele verzweifeln, weshalb private Anbieter eigene Impftermin-Portale starteten. Ein großes Manko der offiziellen Seite: Auf „Impfservice.de“ ist es nicht möglich, einen Überblick über mehrere Impfzentren auf einmal zu erhalten - und so etwa einen freien Termin in einem benachbarten Impfzentrum einzusehen. Stattdessen muss auf der Plattform jedes Impfzentrum einzeln angeklickt werden, um freie Termine zu checken. Diese Lücke erkannten bereits private Software-Programmierer und starteten Portale wie „Impfterminradar.de“.

Die lückenhafte Technik der Impftermin-Website des Landes ist offenbar bewusst so gehalten: So befürchten die Länder einen Impftourismus zwischen verschiedenen Regionen, wenn die Software übersichtlicher wäre und somit die Möglichkeit böte, auch in benachbarten Gebieten einen Termin zu buchen. Bereits im Dezember, als die Impfungen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg begannen, drängten Impf-Touristen ins Land. *Echo24 ist ein Angebot von Ippen.Media.

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