„Kein Infektionstreiber“

„Finanziell und psychisch am Ende“: Handel fordert bedingungslose Öffnung am 1. März

Am letzten Samstag vor Weihnachten ist in der Stuttgarter Innenstadt nur wenig los, da die meisten Einkaufsläden wegen des aktuell harten Lockdowns geschlossen sind.
+
Der Handel will wieder öffnen. Lieber früher als später - und zwar „bedingungslos“.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
    schließen

Händler stecken wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg in einer Existenzkrise. Der Handelsverband verlangt, am Montag, 1. März, nicht nur Friseure und Blumenläden, sondern alle Geschäfte zu öffnen.

Stuttgart - Seit fast genau einem Jahr prägt das Coronavirus in Baden-Württemberg das öffentliche Leben. Die Politik hangelt sich von Lockdown zu Lockdown, erneut vernichten steigende Corona-Zahlen die Hoffnung auf eine baldige Öffnung des Einzelhandels. Kleine Schritte wie das Öffnen von Blumenläden und Friseuren ab 1. März reichen vielen nicht aus. Da den Händlern das Wasser bis zum Hals steht, fordert der Handelsverband Baden-Württemberg nun eindringlich, auch die anderen Geschäfte am Montag zu öffnen.

„Der Handel ist kein Infektionstreiber“, sagte Sabine Hagmann, Chefin des Handelsverbands Baden-Württemberg, dem SWR. Es sei erwiesen, dass die Ansteckungsgefahr in den Läden nicht größer sei als andernorts. Im Gegenteil: Ein Gutachten des Instituts für Arbeitsmedizin sei sogar zum Schluss gekommen, dass Beschäftigte im Handel sich seltener mit Corona infizierten als andere Berufsgruppen. Für den Handelsverband steht deshalb fest: Alle Läden müssen ab dem 1. März wieder öffnen dürfen. Neben der Einhaltung der Maßnahmen zum Infektionsschutz dürfe es „keine weiteren Bedingungen“ geben.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Einzelhandel in einer „dramatischen Situation“

Nach Angaben des Handelsverbands könnten 12.000 Händler in Baden-Württemberg den Lockdown nicht überleben. Am Einzelhandel hängen 200.000 Jobs in Baden-Württemberg, die Corona zu vernichten droht. Das sind mehr Jobs als in der Automobilbranche. Laut Sabine Hagmann seien viele Inhaber der Geschäfte mittlerweile in einer „dramatischen Situation, finanziell so wie psychisch nach zwölf Wochen Lockdown am Ende“.

Unter den Händlern regt sich aktuell enormer Widerstand gegen den Lockdown. So zog beispielsweise die Stuttgarter Warenhaus-Kette Breuninger vor Gericht, immer mehr Firmen folgen. Einzelhändler forderten bereits eine Öffnung Mitte Februar, bislang hatte ihr Kampf für die Wiedereröffnung allerdings keinen Erfolg. Ob bald mehr Öffnungsschritte kommen, werden Bund und Länder bei der nächsten Beratungsrunde am 3. März entscheiden. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) warnte jedoch vor übereilten Lockerungen des Lockdowns in Baden-Württemberg.

Lockdown wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg noch bis mindestens 7. März

Während im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 die Mehrheit der Bürger den kompletten Shutdown der Geschäfte akzeptierte und deren Notwendigkeit verstand, schwappt nun eine Welle der Kritik über. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) fordert nachdrücklich ein Lockdown-Ende und auch der Crailsheimer OB Christoph Grimmer (FDP) verfasste auf Facebook ein Plädoyer, in dem er mit dem Lockdown abrechnete.

Seit Mitte Dezember sind die Türen aller Geschäfte im Land zum zweiten Mal nach Ausbruch der Pandemie komplett geschlossen. Offiziell ist der Lockdown in Baden-Württemberg nach aktuellem Stand noch bis zum 7. März angesetzt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare