Terror und Aufruf zur Gewalt

„Hoffe, dass man ihn an ein Kirchentor nagelt“: Polizist und Familie monatelang von Corona-Leugnern bedroht

  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Weil er eine Kundgebung der Initiative „Querdenken 711“ Anfang August in Berlin aufgelöste, wurden ein Polizist und seine Familie in der Folge von Corona-Leugnern massiv bedroht.

Stuttgart - Aufgrund der massiven Einschränkungen zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg, formierte sich im Frühjahr die Protest-Bewegung „Querdenken 711“ in Stuttgart. Seitdem wuchs die Anhängerschaft der schwäbischen Corona-Demonstranten über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus. Bis zu Zehntausende aus dem ganzen Bundesgebiet folgen mittlerweile dem Ruf der Organisatoren.

Zweifelhafte Berühmtheit erlangten die Demonstrationen der selbsternannten „Querdenker“ zuletzt in Leipzig sowie Ende August aufgrund der Eskalation in Berlin, wo hunderte Menschen den Reichstag stürmen wollten. In der Kritik steht die Bewegung unter anderem, weil sie als Sammelbecken vieler ideologischer und teils demokratiefeindlicher Gesinnungen gilt. Zum anderen wird auch das Verhalten mancher Corona-Leugner immer aggressiver.

„Querdenken 711“: Corona-Leugner bedrohen Polizist und dessen Familie nach Demo in Berlin

So soll beispielsweise ein Polizist bereits seit Monaten von Corona-Leugnern aus der in Stuttgart gegründeten Initiative massiv bedroht werden. Grund dafür sei laut einem Bericht des Tagesspiegels der Einsatz des Beamten während einer „Querdenken 711“-Demonstration in Berlin am 1. August.

Als Einsatzleiter einer Hundertschaft der Berliner Polizei soll er an diesem Tag dafür verantwortlich gewesen sein, die Kundgebung aufgrund von Verstößen gegen die Maskenpflicht sowie die Einhaltung des Mindestabstands aufzulösen. Etwa 20.000 Anhänger von „Querdenken 711“ hatten sich damals vor dem Brandenburger Tor versammelt, um gegen die Beschränkungen zum Schutz vor dem Coronavirus zu protestieren.

Ein Polizist löste diese Corona-Demonstration der Initiative „Querdenken 711“am 1. August auf - in der Folge wird er deshalb massiv bedroht.

In der Folge machten die Corona-Leugner Name, Adresse und ein Foto des Berliner Polizisten ausfindig und veröffentlichten diese auf Social Media - unter anderem soll Verschwörungstheoretiker Attila Hildmann, der kürzlich ebenfalls in Berlin eine Demo mit allen „Kräften des Widerstands“ angekündigt hat, die Daten auf seinem Telegram-Kanal verbreitet haben.

Berliner Polizist wird von Anhängern der Initiative „Querdenken 711“ bedroht - Telefon-Terror

Für den Beamten der Berliner Polizei begann damit ein monatelanges Martyrium. Denn: Anhänger von „Querdenken 711“, beschimpften ihn nicht nur öffentlich, sondern bedrohten auch seine Frau und seine zwölfjährige Tochter - unter anderem berichtet die Familie gegenüber dem Tagesspiegel von Telefon-Terror und bis zu 71 Anrufen an nur einem Tag.

Wie es in dem Artikel des Weiteren heißt, soll in einem Corona-Blog sogar zur Gewalt gegen den Polizisten aufgerufen worden sein, und zwar mit den Worten: „Ich persönlich hoffe einfach, dass man ein Exempel an diesem Wixer statuiert und ihn an ein Kirchentor nagelt.“

Unter den vielen T-Shirts der Initiative „Querdenken 711“, von denen kürzlich sogar eines von einem AfD-Abgeordneten im Bundestag getragen wurde, werden im Internet mittlerweile sogar Kleidungsstücke mit dem Aufdruck „Sei ein Held. Mach das Richtige! Danke“ angeboten - direkt neben den Worten wurde ein nur leicht verfälschtes Bild des Berliner Polizisten aufgebracht, der mit der Auflösung der Demonstration nach Ansicht der Corona-Leugner angeblich das Falsche getan hat.

Rubriklistenbild: © Christoph Soeder/dpa

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