Mehr Homeoffice, weniger Mobilität

Corona-Maßnahmen in Baden-Württemberg haben Folgen, an die keiner gedacht hat

Ein Polizeiauto fährt in der Einkaufsmeile Königstraße an geschlossenen Ladengeschäften vorbei.
+
In Stuttgarts Innenstadt ist es ruhiger seit dem Lockdown. Die Mobilität der Menschen hat nachgelassen. Das wirkt sich auch auf Unfälle und Luftsauberkeit aus.
  • vonEva Kaczmarczyk
    schließen

Mitten in der Krise durch das Coronavirus in Baden-Württemberg ist die Luft in der Landeshauptstadt Stuttgart so sauber wie lange nicht mehr. Auch die Unfallzahlen sind gesunken.

Stuttgart - Das Pandemiejahr 2020 wird vielen Baden-Württembergern noch lange im Gedächtnis bleiben. Das Coronavirus in Baden-Württemberg lässt sich noch immer nur schwer eindämmen, Maßnahmen zum Infektionsschutz wie Kontaktbeschränkungen und Ausgangssperren erschweren das soziale Leben. Doch es gibt auch einige Aspekte, in denen die Corona-Krise überraschend positive Auswirkungen hatte. In Sachen Umweltbelastung und Verkehr zeigte das Jahr 2020 durchaus eine positive Bilanz in Stuttgart, Baden-Württemberg und ganz Deutschland.

2020 glänzte die Landeshauptstadt Stuttgart durch weniger Stickoxide und weniger Feinstaub. Grund hierfür seien nicht nur Corona und die damit verbundenen Einschränkungen des öffentlichen Lebens, wie es im Zwischenbefund des Umweltbundesamtes (UBA) zur Luftreinheit heißt, über den die Deutsche Presseagentur berichtet. Die häufige Verlegung der Arbeit ins eigene Home-Office hat vielen Bürgern morgens und abends den Arbeitsweg erspart. Die Belastung mit gesundheitsschädlichem Stickstoffdioxid sei in vielen deutschen Städten so gering wie noch nie seit Beginn der Messungen.

Lediglich rund drei bis vier Prozent der 400 in Deutschland bislang ausgewerteten Messstationen meldeten Überschreitungen des Jahresmittelwerts von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid (NO2) pro Kubikmeter Luft. 2019 waren dies noch 21 Prozent. Spitzenreiter in Sachen Belastung waren mit 54 beziehungsweise 41 Mikrogramm München und Hamburg.

Weniger Luftverschmutzung in Baden-Württemberg? Das könnten die Gründe sein

„2020 ist die Luft deutlich sauberer geworden“, sagte Umweltbundesamt-Präsident Dirk Messner. Dies sei aber kein „Corona-Einmaleffekt“. Messner betonte, dass lediglich in der Phase des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 die Stickstoffoxid-Belastung um signifikante 20 bis 30 Prozent gesunken sei. Über das Jahr verteilt sei der Wert jedoch wieder leicht gestiegen. Ein dauerhaftes Home-Office sei also wohl nicht die Lösung für alle Umweltprobleme. Als Haupttreiber des Rückgangs sieht Messner die Zunahme sauberere Fahrzeuge, mehr Tempo-30-Zonen und den Einsatz schadstoffärmerer Busse. 

Die Luft in Stuttgart ist sauberer, dennoch wollen die Politiker im Land weiterhin an den Fahrverboten für Diesel festhalten, wurde im Januar bekannt.

Eine leichte Trübung ist in der Bilanz der kleineren Partikel bis 2,5 Mikrogramm zu verzeichnen. Da elf Prozent der Stationen in Deutschland Werte über dem Jahresgrenzwert gemessen hatten, sieht Dirk Messner Handlungsbedarf. „Wir sind beim Feinstaub weiterhin besorgt“, so der Experte. Die Grenzwerte seien jedoch mehr als 20 Jahre alt, was die World Health Organisation (WHO) bereits im Blick habe. Es würden neue Empfehlungen erarbeitet, die Europa dann beherzigen müsse.

Weniger Mobilität wegen Corona: Unfallzahlen in Stuttgart sinken

Einen erfreulichen, auch corona-bedingten Wert kann die Landeshauptstadt Stuttgart jedoch auch für sich verbuchen: 2020 kamen weniger Menschen im Straßenverkehr zu Schaden als jeweils zuvor. Lediglich 330 Verkehrstote habe man im vergangenen Jahr verzeichnet. Das sei der niedrigste Wert im Südwesten seit Einführung der amtlichen Unfallstatistik 1953. Dies erklärte Innenminister Thomas Strobl (CDU) gegenüber der Deutschen Presseagentur. „Die Unfallzahlen insgesamt waren stark rückläufig, mit zum Teil erheblichen Rückgängen in fast allen Bereichen. Freilich haben auch die Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie dazu beigetragen“, so der CDU-Politiker. 

Fast 18 Prozent weniger Verkehrsunfälle ließen sich im Gegensatz zum Jahr 2019 verbuchen. Unfälle mit verletzten Personen seien ebenso rückläufig. Die Gründe für Unfälle seien leider immer noch dieselben: Fahren mit überhöhtem Tempo beispielsweise. „Insgesamt verloren im letzten Jahr 131 Menschen ihr Leben, weil ein Verkehrsteilnehmer zu schnell unterwegs war“, so Strobl. Mehr als jeder dritte tödliche Verkehrsunfall gehe damit auf das Konto erhöhter oder nicht angepasster Geschwindigkeit.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare