Aufgeheizte Stimmung

Kretschmann platzt bei Corona-Diskussion der Kragen: „Immer nur öffnen, öffnen, öffnen“

Winfried Kretschmann in einer Sitzung im Landtag, er gestikuliert.
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Winfried Kretschmann betonte im Austausch mit Wirtschaftsvertretern, dass man keine dritte Welle riskieren und frühzeitig öffnen dürfe.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Kürzlich machte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann dem Handel Hoffnungen auf eine baldige Öffnung. Doch sicher scheint das nicht.

Stuttgart - Da die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg* aktuell sinkt, fordert der Handel im Land Öffnungsperspektiven. Ministerpräsident Winfried Kretschmann* (Grüne) reagierte auf diesen erneuten Vorstoß nun jedoch ziemlich gereizt. „Ich hör‘ natürlich immer öffnen, öffnen, öffnen“, wetterte er bei einer Diskussion mit dem baden-württembergischen Landesverband der CDU am Donnerstag, wie die Stuttgarter Zeitung berichtet. „Ich möchte mal einen erleben, der mal sagt, jetzt machen Sie mal ein bisschen was schärfer. Das hör‘ ich nie!“

Nur einen Tag zuvor hatte Winfried Kretschmann noch Hoffnungen auf eine baldige Öffnung des Einzelhandels geschürt - und nannte sogar einen konkreten Zeitpunkt*. Falls man konstant einen Inzidenz-Wert von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern halten könne, sei eine Öffnung „möglicherweise schon gegen Ende der nächsten Woche denkbar“, hatte der Grünen-Politiker am Mittwoch gesagt. Nun rudert er offenbar wieder zurück. Eine dritte Welle, die noch schlimmer sein könnte als die zweite, könne nicht im Interesse der Wirtschaft sein. „Dann machen wir einen richtigen Lockdown - den gab es bisher ja nie“, warnte er im Gespräch mit dem Landesverband.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Kretschmann argumentiert gegen Öffnungen

Während die Händler nach monatelanger Schließung endlich eine Öffnungsperspektive fordern, betont Kretschmann: „Wir schließen die Geschäfte nicht, weil wir jetzt autoritäre Gelüste haben.“ Dennoch habe er Verständnis dafür, dass die Belastung für den Handel enorm sei und die Stimmung im Keller. Kretschmanns Forderung, erst bei einer Inzidenz von 35 den Einzelhandel wieder zu öffnen, stieß auch in der Politik auf Kritik: Baden-Württembergs Justizminister Guido Wolf stellte die Lockdown-Maßnahmen infrage* und sprach von einem Vertrauensverlust in der Bevölkerung. So sei es nicht die Lösung, den Inzidenzwert, ab dem geöffnet werden soll, immer weiter herunterzuschrauben.

Kretschmann hingegen sprach davon, nun möglicherweise wieder zurückrudern zu müssen, da immer mehr Fälle von hochansteckenden Corona-Mutationen* in Baden-Württemberg auftauchen. Der Lockdown in Baden-Württemberg* könnte also doch noch über den 7. März hinaus andauern. Aktuell rechnet der Handelsverband damit, dass bis zu 12.000 Händler im Land den Lockdown nicht überleben könnten*.

Landtagswahl in Baden-Württemberg: Kretschmann gibt nichts auf Umfragen

Welche Auswirkungen die Corona-Pandemie auf das Ergebnis bei der Landtagswahl am 14. März hat, daran kann und mag Kretschmann erstmal nicht denken. „Noch nie habe ich so wenig auf Umfragen gegeben wie derzeit“, sagte er im Interview mit der Rhein-Neckar-Zeitung - und das, obwohl er bei den Bürgern gegenüber Susanne Eisenmann als eindeutiger Favorit* gilt.

Laut einer Umfrage des ZDF in Bezug auf die Landtagswahl in Baden-Württemberg entschieden sich 70 Prozent der Befragten für Winfried Kretschmann und nur 13 Prozent für die CDU-Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann. *BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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